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Erschossene Reporterin : Israels Armee zum Tod von Shireen Abu Akleh

Die Journalistin Shireen Abu Akleh war Mitte Mai während einer israelischen Militäroperation getötet worden. Bild: Reuters

Israels Armee gibt zu, dass die Reporterin Shireen Abu Akleh „wahrscheinlich“ von einem ihrer Soldaten getötet wurde. Zweifelsfreie Klarheit gebe es jedoch nicht.

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          Die Journalistin Shireen Abu Akleh ist nach Angaben der israelischen Armee „mit großer Wahrscheinlichkeit“ versehentlich von einem ihrer Soldaten erschossen worden. Das sei das Ergebnis des Untersuchungsberichts, teilte die Armee am Montag mit. Auch die Untersuchung einer Arbeitsgruppe habe allerdings zu keiner zweifelsfreien Klarheit darüber geführt, aus welcher Richtung der Schuss kam, der Abu Akleh am Morgen des 11. Mai in den Kopf traf. Somit sei nicht auszuschließen, dass die amerikanisch-palästinensische Reporterin von Schüssen bewaffneter Palästinenser getroffen wurde, gegen welche die Armee an jenem Morgen in der palästinensischen Stadt Dschenin vorging.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Die Mitteilung ist nach Monaten des Meinungskampfes das bislang klarste Eingeständnis der Armee, wohl für den Tod der bekannten Reporterin des Senders Al Jazeera verantwortlich zu sein. Abu Akleh hatte sich am 11. Mai gemeinsam mit anderen Journalisten am Rande des Flüchtlingslagers von Dschenin postiert. Sie trugen Helme und Schutzwesten mit der Aufschrift „Press“ und hatten die Soldaten auf ihre Präsenz aufmerksam gemacht. Laut Augenzeugenberichten waren keine bewaffneten Palästinenser in der Nähe. Unvermittelt fielen Schüsse, Abu Akleh wurde in den Hinterkopf getroffen, laut Rekonstruktionen mehrerer Medien und Organisationen aus einer Entfernung von etwa 200 Metern. Auch ein Kollege von ihr erlitt Schussverletzungen, und Videoaufnahmen zeigen, dass ein Passant, welcher der auf dem Boden liegenden Abu Akleh helfen wollte, ebenfalls offenbar gezielt beschossen wurde.

          Der qatarische Sender Al Jazeera und die palästinensische Seite machten umgehend und ohne Untersuchungen abzuwarten Israel für den Tod der 51 Jahre alten Reporterin verantwortlich. Die Armee brachte verschiedene Erklärungen vor. Unmittelbar nach dem Vorfall legte sie nahe, ungezieltes Feuer bewaffneter Palästinenser habe vermutlich Abu Aklehs Tod verursacht; ein in diesem Kontext verbreitetes Video war aber anderswo entstanden. Dann hieß es über mehrere Wochen, nur eine eigene Analyse der Kugel könne die Herkunft des Schusses ermitteln. Als die Palästinensische Autonomiebehörde die Kugel Anfang Juli schließlich übergeben hatte, teilte die Armee mit, diese sei zu stark verformt, als dass man eine aussagekräftige Analyse durchführen könne.

          Ein ranghoher Vertreter der israelischen Armee hob am Montag vor Journalisten hervor, dass die Soldaten sich am Morgen des 11. Mai auf einem „Schlachtfeld“ befunden hätten. Sie seien aus mehreren Richtungen beschossen worden. Der mögliche Schütze habe aus seinem Fahrzeug heraus ein eingeengtes Sichtfeld gehabt und Abu Akleh nicht als Journalistin erkannt. Er habe nur „einen Augenblick“ Zeit für die Entscheidung gehabt, zu schießen, sagte der Armeevertreter. Die Erläuterungen ließen indes Fragen offen und widersprachen zum Teil anderen Aussagen und Indizien. So ist der angebliche heftige Beschuss in Richtung der Soldaten auf Audioaufnahmen des Vorfalls nicht zu hören. Generalstabschef Aviv Kohavi, dem die Ergebnisse des Berichts am Montag präsentiert wurden, sagte ungeachtet dessen, die Arbeitsgruppe habe „jeden Stein umgedreht“, um die Wahrheit zu ermitteln.

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