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Streit um Al Dschazira : Kampf um den Tempelberg

In einem Gastbeitrag des Armee-Internetportals „Israel Defense“ schrieb der General und ehemalige Chef der Nachrichteneinheit „8200“, Hanan Gefen, kürzlich, dass es ein Fehler wäre, das Büro von Al Dschazira zu schließen, auch weil der Sender eine wichtige Verbindung zur arabischen Welt sei. „Nachdem ich die Sendungen lange verfolgt habe, weiß ich, dass das Publikum von Al Dschazira mit einem ausgewogenen Bild über das, was in Israel passiert, informiert wird“, so der General. Berichte von Al Dschazira würden „komplettiert durch Antworten israelischer Pressesprecher, akkurate Zitate aus israelischen Medien und die Nutzung nichtaggressiver Sprache, soweit möglich“.

Al Dschazira teilte mit, man werde „alle notwendigen rechtlichen Maßnahmen“ nutzen, sollte Israel „seinen Drohungen Taten folgen lassen“. In einer Stellungnahme aus Doha hieß es, dass Israel sich damit den vier arabischen Staaten anschließe, welche diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu Qatar abgebrochen haben und die Schließung des Senders verlangten. „Während Al Dschazira (Netanjahus) willkürliche Anschuldigungen und feindliche Statements zurückweist, stellen diese doch nur eine weitere Episode im fortwährenden bösartigen Angriff dar, den Sender in den Ländern zu schließen, welche die Blockade gegen Qatar verhängt haben“, heißt es in der Stellungnahme. Mit „den Ländern“ sind Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrein gemeint, die von Qatar unter anderem verlangen, die Verbindungen zu Iran zu kappen.

Die israelischen Vorwürfe sind nicht neu

Israel hat sich offiziell nicht der Blockade gegen Qatar angeschlossen. Al Dschazira ist eng mit dem qatarischen Herrscherhaus verbunden, jedoch kein Sprachrohr des Emirs. Das Emirat gilt als Unterstützer der Muslimbruderschaft, als deren palästinensischer Arm die Terrororganisation Hamas gesehen werden kann. Auch Politiker der mit der Hamas verfeindeten palästinensischen Autonomiebehörde haben Al Dschazira im Westjordanland vorgeworfen, auf Seiten der Hamas zu stehen. Die israelischen Vorwürfe gegen den Sender sind nicht neu. Anfang Juni sagte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, Al Dschazira produziere „Propaganda im Nazi- und Sowjetstil.“ Es handele sich nicht um ein Medienunternehmen, sondern um ein Propagandainstrument, das Iran nie angreife, Israel und Ägypten indes „täglich“.

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Dies wies der Bürochef des Jerusalemer Dschazira-Studios zurück: „Wir unterstützen niemanden, wir versuchen objektiv zu berichten“, sagte Walid al Omari der Zeitung „Maariv“. „Einmal wurden wir pro-zionistisch genannt, weil wir Israelis interviewen, ein anderes Mal pro PLO, einmal wurden wir gar beschuldigt, für die CIA zu arbeiten.“ Omari gab sich standhaft. „Wir werden uns nicht zurückhalten, aber auch nicht provozieren.“ Am Montag schrieb Omari, es sei nicht verwunderlich, dass die Regimes in den Nachbarländern seinen Sender schließen wollten. Doch warum bringe Israel, „die einzige selbsternannte Demokratie in der Region“, Al Dschazira zum Verstummen? Der Sender berichte lediglich, wie „auf der Straße“ gedacht werde. Unabhängiger Journalismus habe seinen Preis. Doch lasse die „Konspiration zwischen Netanjahu und seinen autokratischen arabischen Nachbarn“ wenig Zweifel daran, „dass freie, unabhängige Medien und die Wahrheit mutwillig geopfert werden als Kollateralschaden für die Machtpolitik der Region“. „Gesetze ändern, um eine Medienorganisation schließen, ist ein gefährlicher Weg“, teilte die „Foreign Press Association“ in Jerusalem am Montag mit. Zu den Mitgliedern der Organisation gehören auch die Reporter von Al Dschazira.

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