https://www.faz.net/-gqz-7wr6g

Cyberkrieg : Der IS bekommt Gegenwind

Stumm geschaltet: Der Anführer des IS, Abu Bakr al-Baghdadi, spricht zu seinen Anhängern. Bild: AP

Vergangene Woche verbreitete der Anführer der IS mal wieder eine Terrorbotschaft in den sozialen Netzwerken. Dann ersetzte die „Ägyptische Cyber-Armee“ das Video durch einen Song. Wer steckt hinter der Hackergruppe?

          2 Min.

          Kriege werden heute nicht alleine auf dem Schlachtfeld ausgetragen, sondern auch in den sozialen Netzwerken. Die islamische Terrorgruppe IS begann relativ früh, ihre Sympathisanten per Twitter zu „informieren“. Dazu gehörten zum Beispiel Fotos, auf denen ihre Kämpfer mit Kätzchen posierten, aber eben auch die grausamen Propagandavideos, in denen die Tötung ihrer Opfer gezeigt wird.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Nun bekommt der IS Gegenwind, und zwar nicht von westlichen Stellen. Was ist passiert? Vergangene Woche verbreitete der IS eine Videobotschaft über die sozialen Netzwerke, in der ihr Anführer Abu Bakr al-Baghdadi seine Schergen aufforderte, bis zum letzten Mann gegen die „Kreuzzügler“ zu kämpfen. Außerdem teilte er mit, dass der IS nun auch Zellen in Ägypten, Jemen, Libyen und Saudi Arabien gegründet habe, und dass es gelungen sei, rivalisierende Terrorgruppen in diesen Ländern auszuschalten.

          Musik statt Terorrbotschaft

          Dagegen gingen nun Hacker aus Ägypten vor. Nach einem Bericht der britisch-amerikanischen Medienseite „Mashable“ gelang es ihnen, die Nachricht zu löschen. Wer sie nun aufruft, hört einen bekannten arabischen Song und sieht ein Konterfei, dass an das Logo der ägyptischen Armee erinnert. Darunter steht: „Egyptian Cyber Army“. (ECA)

          Ein Sprecher der Organisation sagte, die ECA setze sich aus Zivilisten und ehemaligen Mitarbeitern des Militärs und der Polizei zusammen. Es handle sich um Sympathisanten der ägyptischen Armee und seines ehemaligen Chefkommandeurs Abdel Fattah el-Sisi, inzwischen Präsident des Landes. Der Sprecher gab sich als der 37 Jahre alte, ehemalige Polizeioffizier Khaled Abubakr aus, legte aber keine Beweise für seine Identität vor.

          Undurchsichtige Allianzen

          Die Angriffe und das Logo von ECA erinnern an die „Syrian Electronic Army“ (SEA), die im vergangenen Jahr durch spektakuläre Hacks bekannt wurde. Die SEA drang unter anderem in die Netzwerke von „Human Rights Watch“  und der „New York Times“ ein. Im März dieses Jahres hackte sie die Twitter-Accounts von Mitarbeitern des amerikanischen Konzerns Microsoft und veröffentliche währenddessen mehrere E-Mails, in der sich das Personal über die Attacken austauschte. Dass die SEA Assad unterstellt ist, gilt in der Netzgemeinde als offenes Geheimnis. Bisher ist aber unklar, ob es eine ähnliche Verbindung zwischen der ECA und der ägyptischen Regierung gibt.

          Die Allianzen im Cyberkrieg sind jedenfalls ähnlich undurchsichtig wie auf dem realen Schlachtfeld. Neben der ECA gehen auch amerikanische Hacker, das Kollektiv Anonymous, die SEA und iranische Hacker gegen den IS vor. Die ECA bekämpft darüber hinaus nicht allein den IS, sondern auch die muslimische Bruderschaft, eine Gruppe strenggläubiger Muslime, die zum Symbol für die Spaltung der der ägyptischen Gesellschaft geworden ist.

          Außerdem will die ECA die Website der „Open Society Foundation“, einer Demokratie-Plattform in den Vereinigten Staaten, angegriffen haben. Und nachdem es Hackern im März gelungen war, das Signal der im Sommer eingestellten Satiresendung „Al Bernameg“ in Ägypten zu blocken, bekannte sich die ECA auch zu diesem Angriff. Ihre Ziele liegen also sowohl im antidemokratischen als auch demokratischen Spektrum.

          Jetzt gab ihr Sprecher Abubakr zu, dass für die Blockade von „Al Bernameg“ jemand anderes verantwortlich sei. Auch die Propaganda der ECA ist also mit Vorsicht zu genießen.

          Weitere Themen

          Was war das denn?

          Florian Illies’ Rowohlt-Abgang : Was war das denn?

          Der Abgang von Florian Illies beim Rowohlt lässt den Verlag nicht gut dastehen. Nun äußern sich die Schriftsteller Daniel Kehlmann, Eugen Ruge und Lucy Fricke zu der Posse.

          Künstlerin der Nacht Video-Seite öffnen

          Malen in der Dunkelheit : Künstlerin der Nacht

          Die Künstlerin Silke Silkeborg stellt sich seit zehn Jahren der Herausforderung, die Nacht zu malen. Mehrmals in der Woche setzt sie sich mit ihrer Leinwand in die Dunkelheit und malt das, was es trotzdem zu sehen gibt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.