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Filme mit Iris Berben : Starke Frauen, harte Zeiten

  • -Aktualisiert am

Iris Berben als Simone Mankus im Münchner "Café Lessing" als Café Schiller Bild: ZDF und Alexander Fischerkoesen

Zum Siebzigsten von Iris Berben zeigt das ZDF Nina Grosses Thriller „Nicht tot zu kriegen“ nach dem Roman „Ein Schlag ins Gesicht“. Unser Autor war beim Dreh dabei und hat genau hingesehen.

          10 Min.

          „Die Tatsache, dass sich eine Geschichte in einem Genre bewegt, schließt die Weite überhaupt nicht aus.“

          Roland Klick

          Gerade in diesen Tagen! Das ist ein Textbaustein, den ich so gut wie nie, in den letzten Wochen erschreckend oft benutzt habe.

          Gerade in diesen Tagen: Will ich mit dem Glück anfangen. Das Virus kann nicht jedes Glück killen. Das wird man wohl noch sagen dürfen.

          Die meisten Romanciers sind bekanntlich todunglücklich, wenn eines ihrer Werke verfilmt wird: Diese tolle Figur fehlt, jener geniale Dialog, die zentrale Botschaft ist verdreht, und vom Rest hat die Regie auch nicht viel kapiert. In dieser Situation wurde der berühmte Spruch „Take the money and run“ erfunden.

          Aber ich bin die Ausnahme. Ich bin glücklich damit, was meine alte Freundin Nina Grosse mit ihrem Film „Nicht tot zu kriegen“ aus meinem Kriminalroman „Ein Schlag ins Gesicht“ gemacht hat. Ich bin nicht weggerannt, sondern ins Zentrum des Geschehens gegangen, als die Dreharbeiten dort beendet wurden, wo sich die Realität mit meinem Roman trifft, im Café Schiller am Münchner Hauptbahnhof.

          Zurück in die Siebziger Jahre

          In der Nacht, bevor die Filmcrew den Anfang der Schillerstraße und das Café übernehmen sollte, stand ich um drei Uhr auf meinem Balkon im Hotel gegenüber und dachte, das könnt ihr vergessen. Denn der angekündigte Orkan Sabine kam jetzt gewaltig, kein Flieger würde fliegen, kein Gerät stehen bleiben. Aber die Filmleute wurden mit dem Sturmchaos fertig.

          Schon der Gedanke langweilt mich, ich könnte hier die Unterschiede zwischen meinem Roman und Nina Grosses Drehbuch analysieren. Jedenfalls geht es um eine alternde bekannt-berüchtigte Schauspielerin, die kurz vor einem Comeback von einem Stalker attackiert wird, ein Ex-Polizist soll den Stalker ausschalten. Der Fall führt die beiden zurück in die Münchner Film- und Halbwelt-Szene der frühen Siebzigerjahre, wo die Karriere des Filmstars anfing.

          Nina Grosse hat diese Szene nicht mitbekommen. Wir waren beide knapp über zwanzig, als wir uns 1983 bei einem Studentenjob kennenlernten. Nina hatte grade ihr Literatur-Theater-Philosophie-Studium abgebrochen und an der Hochschule für Film und Fernsehen angefangen, und sie war so begeistert und selbstbewusst, dass ich an ihrer Karriere nie zweifelte. Während ich mit dem Traum vom Schriftsteller nur angeben konnte und keine Ahnung hatte.

          „Ich habe nur gedacht: Iris Berben!“

          Dreißig Jahre, über zwanzig Fernseh- und vier Kinofilme, „Tatort“-Folgen und zwei Serien später war ich als Fan noch nie auf die Idee gekommen, dass die Grosse mal was von mir verfilmen könnte. Vielleicht weil ich beim Schreiben sowieso nie an Film dachte. Deshalb war ich perplex, als ich ihr meinen Roman „Ein Schlag ins Gesicht“ gab und sie mich am nächsten Tag am Telefon anbrüllte: „Doblaaa, das isses, das hab ich gesucht!“

          Sie musste mich dann bearbeiten, bis ich ihr Drehbuch endlich las. „Wozu denn?“, sagte ich, „ich vertrau dir vollkommen.“ Da war das größte Problem schon erledigt, und mir ging’s nicht anders als Murathan Muslu: „Ich habe nur gedacht: Iris Berben!“, erzählte er mir im Interview, das wir im Lärm der Drehschlussparty führten.

          „Ich kenne Iris Berben, leck mich am Arsch, seit ich elf oder zwölf bin“, sagte er, „das ist einfach eine Ehre, mit dabei zu sein. Ich hab nicht gedacht, sie ist älter und ich bin jünger, sondern das ist fucking Iris Berben, hey, und ich bin dabei, das ist schön.“ Stärkere Worte des Respekts wird man von einem Ex-Rapper mit türkischen Eltern nicht zu hören bekommen. Muslu in der Hauptrolle meines Ex-Kommissars Fallner begeistert mich genauso. Ich hatte den Wiener gerade in der Serie „Skylines“ gesehen, wo er als Boss eines Big-Money-Rap-Labels noch mal seine harten Rapper-Sprüche auspacken muss, von denen er sich längst verabschiedet hat, und ich hätte mir keinen anderen gewünscht. Außer vielleicht Harvey „Bad Lieutenant“ Keitel, der jedoch, bleiben wir realistisch, einundachtzig wird.

          Der Pate von München

          Das legendäre Café Schiller ist der Hot Spot meines Romans und des Films. Seit Neujahr ist das Café, wie wir es kannten, nur noch Geschichte. Eine schillernde Geschichte. In der Iris Berben ein wenig mitgespielt hat, damals, als die aufregenden Filme wie Rudolf Thomes „Detektive“ mit ihr und Uschi Obermaier aus München kamen und „der Pate von München“ mehr als das Milieu am Bahnhof beherrschte, Walter Staudinger. Der damals, als sie von Hamburg nach München kam, erzählt mir Frau Berben, „ein Teil unserer Family“ wurde und bis heute „sicherlich einer meiner besten Freunde“ ist. Man muss Wolf Wondratscheks Staudinger-Biographie „Einer von der Straße“, die der Pate persönlich beim Dichter in Auftrag gab und bezahlte, nicht kennen, um zu wissen, dass sich einer in dieser Position nicht nur Freunde macht. Besonders wenn er zuvor „einen Namen auf der Reeperbahn hatte wie ein Donnerhall“, den schon Teenager Iris vernommen hatte. Sie kannte eben mehr als die meisten anderen Girls, als sie von der Polit-Pop-Szene der späten Sechziger wie zufällig ins Filmbusiness tänzelte.

          Mehr als fünfzig Jahre und tausend Berben-Filme später steht mein Mund immer noch offen, als sie ins „Café Lessing“, wie wir das Schiller nennen, reinstolziert, als wär’s ein Überfall. Ex-Bulle Fallner hat sie grade draußen auf der Straße gepackt (vor zweihundert Passanten) und in das Lokal gezerrt, das sie nie wieder betreten wollte. Die Szene ist abgedreht, aber die Berben im Pelzmantel bleibt in ihrer Rolle und keift uns abwartende Statisten an: „Und was ist denn mit euch in diesem Schuppen los!“

          Am Set: Iris Berben, Murathan Muslu und Nina Grosse
          Am Set: Iris Berben, Murathan Muslu und Nina Grosse : Bild: Alexander Fischerkoesen/Constantin Television/obs

          Ganz klar, Iris Berben ist diese sexy Diva-Zicke Simone Mankus, und das haben doch alle schon immer gewusst! Sie ist dieser Femme fatale täuschend ähnlich, die noch mal alle Scheinwerfer haben will und alle fiesen Tricks kennt – und die Angst hat vor ihrem miesen unbekannten Stalker, so wie jede Frau unfassbare Angst vor einem Stalker hat, und die auch Angst davor hat, dass bei der Jagd nach dem Stalker etwas aus ihrer Vergangenheit auffliegt. Hinter ihr steht Muslu, der eine klare Komm-mir-bloß-nicht-blöd-Haltung ausstrahlt. Und versucht, sich nicht von ihren hübschen Beinen beeindrucken zu lassen. Ich bin schockiert, wie diese von mir geschaffenen und von Nina Grosse weitergeführten Figuren jetzt eine Gestalt haben. Ein irres Erlebnis. Ich möchte mit ihnen sofort reden und sie dazu bringen, dass sie mehr von sich preisgeben, alles, was ich nicht wusste, als ich über sie schrieb: „Ihr habt mir nicht alles erzählt, packt aus, mir könnt ihr alles sagen!“

          Wer Ärger macht, fliegt raus

          Wir könnten ins Hotel Helvetia gehen, wo ich vorhin beim Frühstück mein Ei so bedächtig schälte wie Robert De Niro in „Angel Heart“ und die Film-Lastwagen, die alles blockierten, bewunderte, und Murathan Muslu, der allein in einer Einfahrt stand und auf seinen Einsatz wartete und so aussah, als würde er in der Schillerstraße, wo so was nicht auffällt, auf einen besseren Deal warten.

          Wenn irgendwo in Deutschland in einem Viertel Menschen aus etwa 120 Nationen leben, nennen das die Deutschen Klein-Irgendwas – Bangkok, Istanbul, Kabul, egal – und möchten das Gebiet lieber nicht betreten. Es sei denn, man muss zum Zug oder nach dem Wiesn-Besuch noch was trinken, in einer Tabledance-Bar, im Schiller oder daneben im „Erotic Entertainment-Center“ Atlantic City. Andrea Langwieder kennt diese Bahnhofsgegend wie kaum jemand. Sie war dreißig Jahre Chefin bei Schiller, das sie seit dem Tod ihres Mannes Hans Fretz 2001 allein führte; zwei Jahre lang bekam sie Drohanrufe von Männern, die mit dem Café andere Pläne verfolgten. Langwieders Schiller-Gesetze waren auch für Fußball- und Wiesn-Truppen verständlich: „Jeder, der Ärger macht oder sich danebenbenimmt, der fliegt sofort raus, und jeder, der sich anständig benimmt, darf bleiben, ob das jetzt der Generaldirektor von Siemens ist oder nicht, ist mir ehrlich gesagt wurst.“ Die Kündigung trifft sie hart. Weil ihr ganzes Herz am legendären Lokal hängt. Sie hätte weitergemacht, nur bis September, dann werden das Schiller und die Häuser daneben sowieso abgerissen, damit München endlich sein sechstes und größtes Motel One bekommt – passend zum Großprojekt „Neuer Hauptbahnhof“, in dessen Sog noch einige etwas verlieren und nichts bezahlbares Neues finden werden.

          Tatsache ist, dass ich beim Schreiben des Romans nicht an Iris Berben dachte, sondern an weniger bedeutende Schauspielerinnen. Tatsache ist aber auch, dass ich ein paar Minuten an sie dachte und „Iris Berben“ tippte. Denn im Schiller hingen an den Wänden nicht nur spektakulär viele signierte Fotos von berühmten Boxern und Fußballern, signierte Handschuhe in Vitrinen und Zeitungsartikel sogar aus einer Zeit, als die Amerikaner noch glaubten, Deutschland entnazifizieren zu können, sondern an einer Stelle auch Fotos, auf denen der Gründer, Sportfan, Freund des „Paten von München“ und längjährige Geschäftsführer des Edelbordells „Leierkasten“, Hans Fretz, mit Prominenten zu sehen war. Und von einem dieser Fotos strahlten mich Iris Berben und Hans Fretz an.

          Wer sich erinnern kann, war nicht dabei

          Als Nina Grosse auf der Suche nach einem Geburtstagsstoff zum Siebzigsten für Iris Berben war, etwas über die swingenden Jahre in München las und im Kapitel „Heiße Girls, coole Drinks, echte Männer“ auch noch „Iris Berben“ stand, stimmte also plötzlich alles. Und als ich hörte, dass der Star auf dem Foto diesen Film unbedingt machen wolle, dachte ich, spinnst jetzt? Der Star kann sich heute leider nicht mehr an dieses Foto erinnern. Das wundert mich nicht, denn es gilt die Regel: Wer in diesem heißen Post-68er-Pop-Polit-Film-Milieu dabei war und sich an alles erinnern kann, war nicht dabei. Tatsache ist, dass Iris Berben voll dabei war.

          Die Politik, die Sounds, die Szenen rotierten: Hubert Fichte liest im Star-Club; Teenager Iris ist in Hamburg „auf allen Demos“ des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds dabei; Uschi Obermaier singt bei Amon Düül und übernimmt dann Iris’ Lover Dieter Bockhorn alias „der Prinz von St. Pauli“; Hannelore Elsner spielt in einem Film von Wolfgang Staudte mit dem Boxer Norbert Grupe alias „der Prinz von Homburg“, der ein Freund des „Paten von München“ ist, der für die Eröffnung seines Striplokals Moulin Rouge Fellini-Filmstar Anita Ekberg engagiert, ehe Iris Berben für ihn nichts dergleichen macht, sondern nur für einige seiner Boxveranstaltungen „den Sieger geehrt“ hat, „ich hab dem den Preis überreicht und das nasse Gesicht an meines drücken lassen“. Wobei so ein Kampf auch schon mal vom Paten gekauft wurde. Natürlich nur wenn es sein musste.

          So viel vom Sport, wir schalten wieder zur Party: Auch die Iris hat gesungen, wenn auch erst jetzt für den Film. Und als wär’s wirklich ihr Comeback, „Sunday Morning“ (mit der Berliner Band Gurr) so charmant-verspult wie 1966 das deutsche Model Nico mit Velvet Underground und – habe ich schon erwähnt, dass dies der objektivste Artikel ist, den ich je geschrieben habe? – bezaubernd.

          Protest statt Porno

          In dieser tollen Vergangenheit findet man auch die Erklärung, warum sie keineswegs diese Comeback-Diva ist, die sie spielt. In echt hat sie es nämlich vermieden, den Weg zum Filmclub der schönen Mädchen weiterzugehen: „Es gab so Angebote, nach Rom zu gehen, und das war in einer Zeit Anfang der siebziger Jahre, wo einige der Mädels nach Rom gingen und mit Sicherheit keine Filme gedreht haben. Und es war auch so ’ne Zeit, wo diese deutschen Filme – das waren ja nicht mal Pornos – ja, die haben sie mir auch angeboten.“ Aber sie hat lieber „gekellnert, ich hab Englisch-Nachhilfe gegeben, ich hab in Boutiquen gearbeitet“. Sie war eben viel zu „anders groß geworden, um dann so ’ne Art Filme zu machen“, die sie „so spießig und so klein“ fand. Und in dieser Zeit entstand ihr politisches Bewusstsein, das sie zu einer der prominentesten Stimmen gegen Antisemitismus werden ließ.

          Kein Zufall also, dass die langjährige Präsidentin der Deutschen Filmakademie unbedingt mit dem langjährigen Vorstandsmitglied Grosse arbeiten wollte, nachdem sie 2012 „Das Wochenende“ gesehen hatte, ihren großartigen Kinofilm über ehemals befreundete RAF-Mitglieder und -Sympathisanten und was aus ihnen Jahrzehnte später geworden ist, zwischen Knast und Landhaus, Protestbewegung und Lifestyle. Inspiriert vom französischen Wir-reden-über-alles-Filmgenre ein RAF&Talk-Wochenende auf dem Lande, das ohne erhobenen Zeigefinger lässig einen Berg teutonischen Diskussionsstoff transportiert. Vielleicht gilt Nina in der Branche als schwierig, und vielleicht nur deshalb, weil die Schwierigkeiten von Frauen ihr starkes Thema sind, und ohne das Etikett „Frauenfilm“. In „Der verlorene Sohn“ versucht eine Mutter ihren zum Islamischen Staat übergelaufenen Sohn zu retten. In „Die Falle“ wird eine reiche Unternehmerin von einem Hochstapler in jeder Hinsicht gefickt. „Die Protokollantin“ ist eine verzweifelte Polizeiassistentin, und Nina hat Iris, als sie jetzt endlich zusammenkamen, zur Vorbereitung den extrem schweigsamen Gangster-Klassiker „Le Samurai“ von Jean-Pierre Melville gegeben.

          Action und Melancholie

          Der von der Kritik gefeierte Sechsteiler „war für die Iris schon eine maximale Herausforderung“, sagt Nina. „Dass sie sich so alt und ungeschminkt gezeigt und auch die Herausforderung angenommen hat, eine böse Frau zu spielen. Wo viele meinten, das wird ihrem Image schaden. Und Iris Berben vehement sagte, nichts da, ich habe alles erreicht, genau diese Sachen will ich jetzt spielen.“ Diese Courage war auch bei „Nicht tot zu kriegen“ nötig. Weil Grosse beim Thema Stalking einen Verfolger reinbringt, dem niemand entkommt: das Alter. Und es sind sogar Szenen aus alten Filmen mit dem blutjungen Supergirl Iris Berben eingebaut, die sie sich als abgehalfterte Diva Simone Mankus mit einem Drink in der Hand gerne ansieht: Birthday Party! Echtes Herzkino! „Aber inzwischen vertraut sie mir total“, sagt die Regisseurin, „das habe ich auch jetzt bei der Arbeit gemerkt. Früher haben wir noch viel mehr diskutiert, das ist komplett weg. Ich sage was, und sie versteht mich sofort. Wir waren eine Einheit.“

          Franz Dobler
          Franz Dobler : Bild: Marijan Murat

          Letzter Drehtag: Wir fahren im Transporter ums Eck in die Schwanthalerstraße, die noch stärker nach Interzone-München aussieht als die Schillerstraße. Weil es da keine Oben-ohne-Unterhaltung gibt, keine S-Bahn-Passanten und Touristen. Auf den ersten Blick nur noch Geschäfte mit anderer Leitkultur. Aufgekratzte Stimmung im Transporter: Das Trio Grosse-Berben-Muslu spürt schon die Melancholie nach der Action. Die Frauen kichern und flirten den zurückhaltenden Muslu an. Er könne sich nicht beschweren, niemand am Set wurde so „gepampert“ wie er! Und Frau Berben schaltet angesichts der Umgebung auf Deutschtürk-Slang um: „Bin isch so gepampert, weißt du?“ Ganz wichtig, immer „weißt du“ sagen. Sie kann den Slang, weil sie daheim in den Späti geht: „Am Anfang habe ich ein bisschen gefremdelt, bis mir dann einer mal sagte, isch sag dir was, meine Eltern sind mit dir groß geworden, weißt du, ich sach dir das ma’, meine Eltern da oben, isch hab den’ erzählt, dass du zu uns reinkommst.“ Sie hat keine Scheu, sie quatscht mit Statisten und freundlich mit der Frau, die bei einer Straßenszene auf den Muslu losging, er solle die Frau Berben bloß nicht so fies anpacken! Sie will eben nicht als Promi-Tusse isoliert sein – eine Sonderform von Integrationsbemühung.

          Am ersten Abend kam die Film-Chefin ins Schiller, das zu meiner Verblüffung außerhalb der Dreharbeiten geöffnet bleiben darf, ganz schön lässig, diese Filmleute. Wir beobachten den Aufbau und die Stammgäste, und Nina sagt: „Schau dir das an, wir sollten jetzt sofort drehen, ich bin so was von kaputt, ich sag’s dir, und jetzt der blöde Sturm, aber alles gut, ich bin echt glücklich.“

          Ich sitze in dieser Woche jeden Abend im Schiller. Esse Currywurst mit Pommes, träume vor mich hin und höre zu, wie sich welche am Nebentisch über Stellen aus der Bibel unterhalten. Sind vielleicht von der Bahnhofsmission. Ein rundlicher Mann im Anzug an der Theke und einer in diesen blauen Arbeitsklamotten. Zwei Frauen im Heavy-Metal-Style und ein freundlicher Typ, der nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Ich kann’s hören: Die Stammgäste freuen sich, dass hier offensichtlich alles wieder so wird wie früher. Ehe ihnen die Bardame erklärt, dass es nur für einen Film ist.

          Es ist nur ein Film. Der meine alte Freundin Nina und mich und ein paar andere Leute glücklich macht. Und das ist doch ganz schön viel. In diesen Tagen. Und an den anderen auch.

          THE END

          Franz Dobler ist Autor für den „Radio Tatort“ des Bayerischen Rundfunks und veröffentlichte zuletzt den dritten Teil seiner Kriminalromane „Ein Schuss ins Blaue“ bei Tropen. „Nicht tot zu kriegen“ ist eine Produktion der Moovie GmbH und läuft am 10. August um 20.15 im ZDF.

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