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Iris Berben im Gespräch : Cosima Wagner ist mir fremd und nah zugleich

  • Aktualisiert am

Iris Berben spielt die Clanchefin Cosima Wagner gleichermaßen mit Intensität und Distanz Bild: Hannes Hubach

Diese Rolle muss eine besondere Herausforderung gewesen sein: Iris Berben als Gattin, Witwe und Gralshüterin des Großkomponisten Richard Wagner. Im Gespräch mit der Schauspielerin wird ein innerer Zwiespalt sehr deutlich.

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          Wie haben sie sich Cosima Wagner genähert?

          Ich habe Wege in ihrer eigenen Biographie gesucht und fand bei ihr eine wachsende Leidenschaft für den Despoten Richard Wagner, viel Verzicht, aber auch sehr viel Machtfülle, als er starb. Der Preis, den sie dafür zahlte, halte ich für absolut inakzeptabel.

          Von Ihrer grundsätzlichen Lebenshaltung müsste Ihnen doch das Haus Wagner eher suspekt gewesen sein, oder?

          Natürlich. Aber es gab mir die Möglichkeit, das eigene Halbwissen zu überdenken. Es war immer schon eine Sperre in mir wegen Wagners Haltung zum Nationalsozialismus. Es ist nicht meine Musik. Ich bin eher der Verdi-Fan. Der ist für mich auch filmischer, da habe ich ganz andere Bilder im Kopf. Man erfährt so viel über seine eigenen Vorurteile. Ich wusste in der Tat zu wenig über diese Machtverhältnisse, diese familiären Strukturen und den strategischen Weg, den Cosima Wagner geht. Von daher war das etwas, das mir sehr fremd war.

          Was bestimmt auch mit der Entscheidung, den Kindern die Lebensplanung aus der Hand zu nehmen, zusammen hängt…

          Als Mutter denke ich doch, dass Du Deinen Kindern immer das Glück der Entscheidung wünscht, dass sie ihr Glück finden, ihre Talente und Fähigkeiten entfalten können. Dass das von Anfang an gekappt wird, dass man als Wagner funktionieren muss, ist mir fremd.

          Trotzdem schaffen Sie es, dass man diese Cosima immer wieder versteht…

          Eindimensionalität ist ja auch langweilig. Ich versuche, da einen Menschen zu zeigen, kein Monster. Außerdem trage ich die Cosima nicht nach Hause.

          Wie sehr haben sie sich mit Wagners Wirkung bis heute auseinandergesetzt?

          Ich habe mich viel mehr mit den Wagnerianern beschäftigt, die tatsächlich wie so ein Clan sind, und mich gewundert, dass das heute noch so funktioniert. Alles, was eine kritische Haltung gegenüber dem Meister ist, auch in Sachen Inszenierung, das will man nicht. Das ist wie eine Religion.

          Nun könnte man auch bei Berbens von einem Clan sprechen. Ihr Sohn produziert, Sie spielen…

          Wir sind, wenn Sie so wollen, nur ein winziger Clan. Oliver und ich sind auch in unserer Haltung, im Einfordern anders, was Leidenschaft und Respekt diesem Beruf gegenüber angeht. Oliver hat sich sehr von mir emanzipiert. Im Lauf der Rosa Roth-Filme habe ich das gemerkt, als er neue Stücke gesucht hat. Nehmen wir die ersten drei vier fünf Jahre seiner Produzententätigkeit, als es für die Medien wichtiger war, dass er mein Sohn ist. Für viele sah es  so aus: Die Frau Mutter öffnet die Tür und der der Sohn stolziert herein. Wir wussten, dass das so kommt. Ich habe ihm vorher gesagt: Es wird sich sowieso erst zeigen, wenn du drin bist, ob du drin bleibst. Da habe ich mich bewusst aus sehr vielem herausgehalten. Das Ergebnis müssen andere sehen. Bernd Eichinger hat mir sehr früh gesagt, dass er beim Oliver großes Potential sieht.

          Wusste Ihr Sohn von den Gefahren des Berufs?

          Sicher nicht in ganzem Umfang. Er hat ihn von einer Seite mitbekommen, als ich schon erfolgreich war. Er hat meine harten Jahre nicht erlebt, wo sich entscheidet, ob du selbstbewusst bist oder ob du‘s nur vorgibst. Du begreifst, dass jeder Regisseur seine eigene Temperatur hat, dass es auf ein funktionierendes Team ankommt.

          Wann wissen Sie, ob ein Film ein Erfolg ist?

          Der Film „Es kommt der Tag“ floppte an der Kinokasse, gehört aber für mich zu meinen besten Arbeiten. Ich finde das ganz schwer zu beurteilen: Die Quote sagt dir, ob es ein Erfolg ist oder nicht. Mir fällt es schwer, es darauf zu reduzieren.

          Nach dieser Rolle der Cosima wird Ihnen niemand vorwerfen, eitel zu sein?

          Ich bin eitel. Aber das bezieht sich auf das, was ich mache. Ich will den besten Maskenbildner und die beste Kamera. Als Schauspieler kannst du doch alt und hässlich sein und es ist ein Glück. Ich musste auch bei „Es kommt der Tag“ von meinem „Mut zur Hässlichkeit“ lesen. Das fand ich merkwürdig. Zwanzig Jahre hat man mir Äußerlichkeiten vorgeworfen. Jetzt, wo ich so bin, wie ich bin - nämlich ungeschminkt, erklärt ihr mir, dass es Mut zur Hässlichkeit ist. Uns Schauspielern ist es doch ein Geschenk, dass wir so viele Leben leben können und dann doch wieder wir selbst sind.

          Wie kommt man dann in so eine fremde Haut wie der Cosimas hinein?

          Figuren, die mir vorher fremd waren, lote ich aus. Was machen die mit dir? Wo sind Schnittpunkte mit dir? Wo wärst du denn, wenn du diese Biografie hättest? Dadurch erfährst du mehr über dich. Es ist eine gute Analyse deiner selbst. Du merkst, wer du bist und wie weit du bist. Ich glaube, dass ich sehr viele bin und dabei sehr widersprüchlich. Es öffnen sich auch immer wieder Türen in einem, wo man merkt: Doch: Das kann ich verstehen, das muss ich verteidigen. Das macht den Horizont schon schön weit.

          Wo ist Ihr Schnittpunkt mit Cosima?

          Eine gewisse Radikalität der Cosima ist mir auch nicht fremd.
           

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