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Verhöre und „Terrorliste“ : Iran bedroht Mitarbeiter der Deutschen Welle

Außenministerin Annalena Baerbock fordert die Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission zur Gewalt im Iran. Bild: dpa

Das iranische Regime bedroht Mitarbeiter der Deutschen Welle massiv. Der Deutsche Journalisten-Verband fordert Außenministerin Annalena Baerbock auf, den iranischen Botschafter einzubestellen.

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          Iranische Mitarbeiter der Deutschen Welle und ihre Angehörigen werden, wie der Sender berichtet, seit Jahren vom Regime in Teheran bedroht. Seit Beginn der Proteste in Iran hätten sich die Drohungen gegen die Mitglieder der Farsi-Redaktion verschärft. Mitarbeiter und Angehörige würden bei Familienbesuchen in Iran verhört, den Mitarbeitern wurde auch in Deutschland nachgestellt. Die Botschaft sei „unmissverständlich“, teilt die Deutsche Welle mit: „Falls die kritische Berichterstattung anhalte, könne man für das Wohlergehen der in Iran befindlichen Verwandten der DW-Mitarbeitenden keine Garantie übernehmen.“

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ende Oktober hat das iranische Regime die Deutsche Welle auf eine Terrorliste gesetzt. Agenten des Regimes hätten Menschen in Iran kontaktiert, die einem Mitarbeiter der Deutschen Welle auf dessen Instagram-Kanal folgen. Sie seien in Telefonaten oder Verhören aufgefordert worden, den Kanal zu entfolgen, sonst habe dies Konsequenzen für sie und ihre Angehörigen. Der Mitarbeiter der Deutschen Welle sei ein „Staatsfeind“, worauf die Todesstrafe stehe.

          Der Rundfunkrat des Senders hat – wie die Leitung der Deutschen Welle schon mehrfach – gegen dieses Vorgehen protestiert. „Diese unverhohlene Bedrohung und die Einschüchterungsversuche als Reaktion auf die Berichterstattung über die friedlichen Proteste verurteilen wir auf das Schärfste“, sagte der Rundfunkratsvorsitzende, Prälat Karl Jüsten. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall, hat Außenministerin Annalena Baerbock aufgefordert, den iranischen Botschafter einzubestellen. „Die Familien von Journalisten werden für kritische Berichterstattung in Geiselhaft genommen“, sagte Überall. „Das ist übelste Erpressung.“ Die Bundesregierung müsse wegen der Repressalien gegen den deutschen Auslandssender aktiv werden.

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