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Wegen Entführung und Folter : Iran soll amerikanischem Journalisten 180 Millionen Dollar zahlen

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Das 544 Tage in Haft: Jason Rezaian. Bild: AFP

Der amerikanische Journalist Jason Rezaian wurde vom iranischen Regime 544 Tage lang festgehalten. In der Haft sei er gefoltert worden, stellt ein amerikanisches Gericht fest. Das Mullah-Regime soll dafür haften.

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          Wegen der Inhaftierung des amerikanischen Journalisten Jason Rezaian hat ein Bundesgericht in Washington Iran zur Zahlung von rund 180 Millionen Dollar (163 Millionen Euro) Schadenersatz verurteilt. Richter Richard Leon sprach das Geld Rezaian und dessen Familie zu. „Einen Mann als Geisel zu halten und ihn zu foltern, um in den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten einen Vorteil zu erringen, ist empörend“, schrieb Leon in seiner Urteilsbegründung. Rezaian habe heute noch Schwierigkeiten zu schlafen und wache manchmal wegen Albträumen schreiend auf. Das Urteil, das auf eine Klage Rezaians gegen die Islamische Republik zurückgeht, solle auch der Abschreckung dienen. Die iranische Regierung wies das Urteil umgehend zurück.

          Rezaian - der sowohl die amerikanische als auch die iranische Staatsbürgerschaft besitzt - arbeitete als Korrespondent der „Washington Post“ in Teheran. Im Juli 2014 wurde er gemeinsam mit seiner Ehefrau Yeganeh Rezaian unter Spionagevorwürfen festgenommen. Den amerikanischen Gerichtsunterlagen zufolge wurde dem Journalisten unter anderem mit seiner Hinrichtung gedroht.

          Rezaian wurde am 16. Januar 2016 aus der Haft entlassen - nach 544 Tagen. Drei weitere Amerikaner kamen ebenfalls frei. Im Gegenzug begnadigten die Vereinigten Staaten sieben Iraner, denen Verstöße gegen Sanktionen vorgeworfen wurden. Am selben Tag trat das internationale Atomabkommen mit Iran in Kraft, das den Bau einer Atombombe durch Teheran verhindern sollte. Sanktionen der Vereinigten Staaten und der EU gegen Iran wurden aufgehoben. Der amerikanische Präsident Donald Trump kündigte das Abkommen im Mai vergangenen Jahres einseitig auf. Danach traten wieder harte Wirtschaftssanktionen der Vereinigten Staaten gegen den Iran in Kraft.

          Der Chefredakteur der „Washington Post“, Martin Baron, teilte nach Angaben der Zeitung mit, die Inhaftierungen von Jason Rezaian und seiner Ehefrau seien „völlig ungerechtfertig“ gewesen. „Seine Behandlung in einem der schlimmsten Gefängnisse des Irans war schrecklich.“ Rezaian schreibt weiterhin für die „Washington Post“.

          Iran wies das Urteil zurück. „Wir hätten diese Person wegen Sicherheitsverstößen auch weiterhin im Gefängnis behalten können, haben ihm aber einen Gefallen getan und ihn begnadigt“, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi. Das Urteil des Gerichts sei absurd.

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