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Repression in Iran : Verschleiertes Internet

Am Pranger: Das iranische Model Elham Arab. Dagegen erscheint der schrille Tadel Heidi Klums geradezu harmonisch. Bild: Twitter

Die Hoffnung auf einen „Persischen Frühling“ schwindet: Iran setzt weiter auf Zensur und bekämpft die Freiheit im Netz. Nun sieht sie sich auch noch Angriffen von außen ausgesetzt.

          Für ein Model tritt Elham Arab recht unscheinbar auf. Sie blickt auf ihren Modefotos, die sie im Netz verbreitet, eher schüchtern denn selbstbewusst in die Kamera. Doch nach Ansicht der iranischen Zensur ist das schon zu aufreizend. Seit Mitte Mai steht die in ihrem Land populäre Elham Arab zusammen mit sieben Kolleginnen und Dutzenden Visagisten und Fotografen vor Gericht. Die Vorwürfe, die als „Operation Spider 2“ zu einer Welle von Festnahmen führten, lauten: „unislamisches“ Verhalten sowie, unter anderem wegen Verstoßes gegen das seit 1979 geltende Kopftuchgebot, Verbreitung unmoralischer Fotos auf Internetportalen wie dem amerikanischen Instagram, einer Facebook-Tochter.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die staatliche Verfolgung der Modebranche entmutigt all jene Iraner, die gehofft hatten, das mit dem Westen geschlossene Atomabkommen und die Aufhebung der internationalen Sanktionen würden auch eine innere Öffnung des Landes befördern. Manch einer traute sich gar, von einem „Persischen Frühling“ zu sprechen. Doch werden die Erwartungen gerade junger Akademiker an die islamische Republik unter dem seit 2013 amtierenden Präsidenten Hassan Ruhani zunehmend enttäuscht. Außenpolitisch ist Iran nicht mehr isoliert, der Handel erlebt einen Aufschwung, die Innenpolitik aber wirkt – gerade mit Blick auf die Meinungsfreiheit im Internet – wie eine einzige Fortsetzung der „Operation Spider 2“ der iranischen Cyberpolizei (kurz Fata), die unter Leitung von Brigadegeneral Kamal Hadianfar seit knapp fünf Jahren über das Internet wacht.

          Konterfei von Saddam Hussein

          Nun kam unter der Direktive von Revolutionsführer Ali Chamenei jenes Gremium zusammen, das als Oberster Rat für den iranischen Cyberspace grundsätzliche Richtlinien für die iranische Internetnutzung festlegt. Am vergangen Sonntag urteilte der Rat, dass in Iran genutzte Messenger-Dienste Daten nicht mehr im Ausland speichern dürften. Diese Entscheidung dürfte vor allem den Kurznachrichtendienst Telegram treffen, der wegen seines hohen Sicherheitsstandards von geschätzt zwanzig Millionen Iranern genutzt wird. Andere Messenger-Dienste, wie das zu Facebook gehörende Whatsapp, sind in Iran seit längerem verboten.

          Derweil ist eine Auseinandersetzung im Gange, die manche Beobachter als Cyberkrieg zwischen Iran und Saudi-Arabien beschreiben: Vor ein paar Tagen gab es einen Hacker-Angriff auf die Website der iranischen Statistikbehörde, der die Seite vorübergehend lahmlegte und mit dem Konterfei von Saddam Hussein schmückte. Die Nachrichtenagentur Tasnim, die den Revolutionsgarden nahesteht, vermutet die Täter in den Reihen saudischer Islamisten oder der Terrormiliz IS. Die staatsnahe Tabnak-Agentur stellte sogar einen direkten Bezug zur saudischen Regierung her.

          Laut Fata-Chef Hadianfar, so zitiert ihn die von Studenten betriebene, relativ unabhängige Nachrichtenagentur Isna, sei das Hacking dieser und weiterer iranischer Websites von saudi-arabischen IP-Adressen ausgegangen. Einen Tag später wurden die Seiten zweier saudischer Statistikzentren gehackt – womöglich als iranische Vergeltungsmaßnahme. Hadianfar bemühte sich jedoch klarzustellen, dass es sich dabei um keine staatliche Auseinandersetzung handele.

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