https://www.faz.net/-gqz-16799

iPad im Test : Berühren heißt verstehen

  • -Aktualisiert am

Vor allem Zeitungen versprechen sich neue Anwendungsmöglichkeiten durch den iPad Bild: AFP

Ausgepackt und für revolutionär befunden: Der iPad weckt Bedürfnisse in uns, von denen wir bisher nichts ahnten. Die grundlegende Frage aber heißt: Passt er in unser Leben? Jordan Mejias hat den Tablet-Computer einem ersten Streicheln unterzogen.

          4 Min.

          Steve Jobs träumt davon, das Internet in Händen zu halten. Der Mensch und die digitale Unendlichkeit, auf immer und ewig verschmolzen. Hoffen wir, dass es nie dazu kommt. Denn dann hätten wir auch keine Gelegenheit mehr, ein hip und cool verpacktes Ding wie den iPad in Empfang zu nehmen, unter dem ermutigenden Blick des Verkäufers die minimalistisch vollendete Kartonhülle aufzureißen und schließlich das Elektrokunstwerk in all seiner glatten Makellosigkeit erstmals zu berühren. Eine Tafel im Oktavformat, halb aus Glas, halb aus Aluminium. Und zwischendrin genug Technik, um die Welt aufleuchten zu lassen.

          Es ist eine Vernissage, für die, ganz klar, aus der Sicht von Jobs nur ein Fest wie Ostern den angemessenen Rahmen zu liefern vermag. Die Firma Apple ist inszenierungsmässig unerreicht, selbst wenn ihre Jünger diesmal die Verkaufstempel nicht gerade in rekordverdächtigen Scharen stürmten. Ketzer, an denen es angesichts eines weit verbreiteten inbrünstigen Design- und Technoglaubens nicht fehlen kann, wollten darin gleich die Folge von Mängeln und Lücken des Geräts erkennen. Sie haben vielleicht sogar recht. Der iPad, perfekt wie er ausschaut und sich anfühlt, erfüllt nicht jedes Wunschgebet der globalen Netzgemeinde.

          Widerstand fast zwecklos

          Obwohl längst eine Selbstverständlichkeit in besseren wie schlechteren Laptops, fehlt die Kamera. Wer telefonieren will, muss weiterhin das iPhone mit sich herumschleppen. In ein paar Wochen erst werden iPads ausgeliefert, die überall Zugang zum Internet gewähren. Kein Wunder, dass sich viele Käufer noch gedulden.
          Sie sollten allerdings dem iPad nicht zu nahe kommen. Die Verlockung, doch die Kreditkarte zu zücken und ihn im silbrig glänzenden Plastikbeutel nach Hause zu tragen, ist groß.

          Jeder nach seinem Gusto: Buchleser und iPad-Nutzer in friedlicher Coexistenz
          Jeder nach seinem Gusto: Buchleser und iPad-Nutzer in friedlicher Coexistenz : Bild: AFP

          Einmal berührt, ist ihm in seiner bedienungsfreundlichen Mitteilsamkeit kaum zu widerstehen. Natürlich liegt keine Gebrauchsanweisung bei: Intuitiv sei der Nutzer! Der iPad erklärt sich gleichsam auf Berührung, und alle, die ein iPhone ihr eigen nennen, werden ohnehin keine Schwierigkeiten haben. Darauf haben schon die Kritiker hingewiesen, die den schlanken iPad als aufgeblasene Variante des iPhone und iPod Touch abtun. Keine Frage, das ist er auch. Aber seine Größe ist keine Kleinigkeit. Durch sie bekommen Zeitungen, Zeitschriften und Bücher auf dem tragbaren Bildschirm überhaupt erst eine echte Chance.

          Eine neue Art der Zeitung

          Der iPad will dem Leser der „New York Times“ zum Beispiel sogar eine neue Zeitung anbieten. Bislang allerdings ist mit „Editors‘ Choice“, der für den iPad maßgeschneiderten Applikation, noch nicht viel Staat zu machen. Auch wenn die Redaktion vorerst nur eine stark begrenzte Auswahl von Artikeln anbietet, ist doch schon abzusehen, wie sich das Ganze entwickeln könnte. Die „Times“ könnte demnach auf dem iPad wohl tatsächlich zum interaktiven Medium werden, das überall zu empfangen ist und den Text mit immer mehr Videos anreichert. Allen Videos, die auf dem am weitesten verbreiteten Flash Format beruhen, verweigert sich jedoch der iPad. Der Bildschirm bleibt eingefroren, weil Apple die Technik nicht schätzt. Zugleich passt das gezielte Videoverbot zu den Restriktionen, mit denen sich das Haus Jobs gern idiosynkratisch hervortut und so auch unter seinen Fans bisweilen Unmut stiftet.

          Weitere Themen

          Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

          Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

          Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

          Topmeldungen

          Einsatz in Kirli: Feuerwehrleute versuchen ein Feuer in der türkischen Provinz Antalya unter Kontrolle zu bringen.

          Brände in Türkei und Italien : Heftige Feuer im Mittelmeerraum

          In der Türkei und in Italien brennen die Wälder. Schuld sind womöglich Brandstifter. Eine seit Anfang der Woche andauernde Hitzewelle in Griechenland geht indes auf ihren Höhepunkt zu – mit Temperaturen von bis zu 45 Grad.
          Markus Söder im Landtag, im Vordergrund Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Rednerpult

          Testpflicht und Impfregime : Söders Sorgen

          Die Testpflicht ist das Eingeständnis von Bund und Ländern, dass ihre Strategie nicht aufgegangen ist. Die Impfmüdigkeit ist zu groß. Der Grund: Eigensinn und Politiker wie Hubert Aiwanger.

          Aufruhr im Schwimmen : Zurück im Doping-Sumpf

          Ryan Murphy wird von Jewgeni Rylow geschlagen. Der Amerikaner spricht im Anschluss von einem Rennen, das „wahrscheinlich nicht sauber“ war – und wird vom Olympischen Komitee Russlands als Verlierer verhöhnt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.