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Interview mit Wolfgang Büchner : Beim „Spiegel“ kann man nichts anordnen

Wolfgang Büchner war 2008 bis 2009 Chefredakteur bei „Spiegel Online“, danach übernahm er die Redaktionsleitung der Deutschen Presse-Agentur. Seit September ist er Chefredakteur beim „Spiegel“. Bild: Bode, Henning

Als Wolfgang Büchner „Spiegel“-Chef wurde, machte die Redaktion Krawall – weil er jemanden von „Bild“ holte. Und jetzt? Soll es vorangehen, im Heft und online: Kampfansage an jene, die glauben, Qualitätsjournalismus sei ein Auslaufmodell.

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          Sie sind seit knapp 120 Tagen Chefredakteur des „Spiegel“. Gibt es jemandem in diesem Land, mit dem Sie die entsprechende Position gerne tauschen würden?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Nein, natürlich nicht. Es gibt im Journalismus keine Aufgabe, die spannender und aufregender wäre als die des „Spiegel“-Chefredakteurs. Ich habe keine Sekunde gezweifelt, als mir diese Position angeboten wurde.

          Als Sie Chefredakteur wurden, das ist kein Geheimnis, gab es Krawall. Den Einstieg als Chefredakteur haben Sie sich sicherlich nicht so schwierig vorgestellt.

          Den habe ich mir in der Tat nicht so schwierig vorgestellt. Ich bedauere auch, dass es anfangs zu einem solchen Konflikt gekommen ist. Das ist aber kein Grund, nicht mit Freude an die Arbeit zu gehen und einen guten „Spiegel“ zu machen.

          Der Konflikt entzündete sich daran, dass Sie Nikolaus Blome von der „Bild“ geholt und als Leiter des Hauptstadtstudios in die Chefredaktion genommen haben. Sie halten ihn für eine geeignete Wahl?

          Ja. Nikolaus Blome ist ein Kenner der Berliner Szene und ein hervorragender Teamspieler. Er sorgt dafür, dass die Redaktionen von „Spiegel“ und „Spiegel Online“ in Berlin optimal zusammenarbeiten. Und er widerlegt mit seiner Arbeit die Mutmaßung, weil man von der „Bild“-Zeitung kommt, müsse man rechts außen stehen. Blome ist die beste Besetzung dieser verantwortungsvollen Position.

          Sie bekommen mit Clemens Höges einen neuen Stellvertreter. Waren Sie mit Martin Doerry, der jahrelang stellvertretender Chefredakteur war, nicht zufrieden?

          Martin Doerry hat mit seiner hervorragenden Arbeit in den vergangenen sechzehn Jahren maßgeblich zum Erfolg unseres Magazins beigetragen, er hat den „Spiegel“ geprägt. Nun beginnt ein Veränderungsprozess, für den wir das Team in der Chefredaktion neu aufstellen. Mit Klaus Brinkbäumer und Clemens Höges habe ich zwei ausgezeichnete Kollegen an der Seite, mit denen ich mich um die Zukunft des „Spiegel“ kümmern werde.

          Spielt für den „Spiegel“ politische Verortung noch eine Rolle? Muss der „Spiegel“ nicht „im Zweifel links“ stehen?

          Das berühmte Wort von Rudolf Augstein hatte schon immer eine umfassendere Bedeutung als die bloße Verortung im Rechts-links-Schema der Politik. Der „Spiegel“ steht unverändert für fortschrittliches Denken und für Aufklärung. Er steht auf Seiten derer, die eine Gesellschaft weltoffen gestalten, modernisieren und voranbringen wollen. Er steht nicht auf Seiten derer, die tabuisieren, bewahren und verhindern wollen.

          Ist eine große Koalition, wie wir sie jetzt haben, die viele Positionen in sich vereint, für den „Spiegel“ eine günstige oder eher ungünstige Ausgangslage?

          Die Politik kann sich kein anderes Volk wählen, und die Medien können sich keine Regierung wählen. Wir setzen uns mit der Regierung, die wir haben, kritisch auseinander. Das ist unsere Aufgabe: Der „Spiegel“ muss den Mächtigen auf die Finger schauen, alle Positionen beleuchten und hinterfragen und Debatten führen. Ob große Koalition oder nicht.

          Wie machen Sie den „Spiegel“? Wie arbeiten Sie im Zusammenspiel mit den Ressortchefs, wie machen Sie das Blatt?

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