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Deutsche Welle : Grundrecht auf Information stärken

  • -Aktualisiert am

Auf Sendung: Die Arbeit der Deutschen Welle und der DW Akademie wirkt weltweit. Bild: dpa

Die Akademie der Deutschen Welle leistet Aufklärung in umkämpften Regionen der Welt. Ein Gespräch mit der stellvertretenden Direktorin Ute Schaeffer.

          Die Deutsche Welle bekommt durch ihr englischsprachiges Programm auf Arabisch oder die Ausstrahlung von DW Arabia für Flüchtlinge viel Aufmerksamkeit. Sie hat etwas mehr Geld und offenbar mehr Unterstützung durch die Politik. Hilft das der „DW Akademie“, die Medienentwicklung im Ausland betreibt?

          Die Akademie betreibt nicht nur Medienentwicklung, zu ihr gehören auch Medientraining oder Online-Sprachkurse. Aber, ja: Wir profitieren von der starken Dachmarke. In vielen Ländern, in denen die DW Akademie arbeitet, ist die Deutsche Welle ein glaubwürdiger Akteur. Unser Angebot setzt dort an. 

          Ihr Direktor Christian Gramsch bezeichnet die Akademie als „Thinktank“, der Projekte im Auftrag des Entwicklungshilfeministeriums oder des Auswärtigen Amts durchführt.

          Wir beraten das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und andere Ministerien zu unserem Arbeitsfeld der Medienentwicklung. Dabei haben wir uns bis vor einigen Jahren darauf konzentriert, Journalisten handwerklich auszubilden. Heute ist unser Ansatz komplexer. Durch unsere Arbeit wollen wir das Grundrecht auf Information und die dafür erforderlichen Strukturen stärken: Wir arbeiten mit Journalisten, Unternehmen, Nutzern, der Zivilgesellschaft und beraten Entscheider in gesetzlichen Fragen. Wir haben einen anspruchsvollen interdisziplinären Auftrag und dafür inzwischen auch ein größeres Budget.

          Handeln Sie sich mit Ihrer Arbeit nicht den Vorwurf ein, in die Angelegenheiten fremder Staaten einzugreifen?

          Natürlich passt es nicht allen, wenn wir dafür arbeiten, dass sich die Menschen im Land frei informieren können, dass die Zivilgesellschaft ihre Themen über Medien in die öffentliche Debatte einbringt oder dass Frauen auf dem Land die Chance erhalten, über die Medien ihre Themen zu plazieren. Gerade bei Wahlen, politischen Krisen oder in hybriden Politiksystemen stehen Medien unter Druck - damit stehen auch wir unter Beobachtung. In Ägypten mussten wir die Arbeit aussetzen. Die Verschlechterung der Zustände in Burundi macht uns Sorgen. Insgesamt aber läuft es erstaunlich gut. Die Länder, in denen wir arbeiten, haben eine Reihe von allgemeinen Menschenrechtsabkommen unterschrieben, sie sind Partnerländer der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit. Wir sind gewünscht oder zumindest akzeptiert.

          In welchen Ländern sind Sie aktiv?

          Insgesamt sind wir zurzeit in 25 Fokusländern tätig. Dazu gehören so ungleiche Länder wie Bolivien, Myanmar, Bangladesch oder die palästinensischen Gebiete. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf Afrika. Dort haben wir nach Tunesien, Namibia, Ghana, Kenia und Uganda eigene Fachkräfte entsandt. Weitere Büros sind in Myanmar und Kolumbien. Ansonsten arbeiten wir mit Projektmanagern von Bonn und Berlin aus.

          Ute Schaeffer, stellvertretende Direktorin der Deutsche Welle Akademie

          Wie muss man sich die Arbeit Ihrer Büros vorstellen?

          In Windhoek sitzt zum Beispiel Dani Leese, eine Journalistin, die früher unter anderem Bildungskonzepte für eine Agentur entwickelt hat und Redakteurin der Kindernachrichten „Logo“ war. Sie hat ein Büro im „Goethe-Zentrum“ und baut mit einer Ortskraft unsere Außenstelle auf. Dabei arbeitet sie mit verschiedenen Partnern zusammen. Bei der staatlichen Namibian Broadcasting Corporation geht es etwa um die Professionalisierung von Journalisten oder den Aufbau eines täglichen Jugendprogrammes für das Fernsehen und alle Sprachprogramme des Radios. Letzteres ist ganz wichtig, weil es so einen Informationsaustausch zwischen den Regionen geben kann. Beim College of the Arts wiederum, einem anderen Partner, hilft Frau Leese bei der Curriculumentwicklung zum Thema Medienkompetenz. Wir trainieren Dozenten im Sinne des Mottos „Train the trainer“. Auf den Workshops brüten wir über Fragen wie: Was bedeutet es, wenn der Zugang zu den Medien immer schlechter wird, je weiter man von Windhoek entfernt ist? Wenn nicht das Fernsehen oder Internet, sondern das Radio das wichtigste Medium ist?

          Und was bedeutet es?

          Es bedeutet, dass man den Leuten überhaupt erst einmal einen Zugang zu Medien verschaffen muss. Also überlegen wir gemeinsam, wie man Daten erhebt. Auf deren Grundlage können dann namibische, von uns mit ausgebildete Trainer Medienprojekte für Jugendliche durchführen. Gibt es in der Gegend einen Computer, der sich nutzen lässt? Wie nutzt man das Internet? Wie hält man Information und Meinung auseinander? Einen Trainer für fünf Tage in irgendeinen Ort zu schicken reicht aber natürlich nicht aus. Es geht darum, motivierte Leute zu identifizieren und ein Netzwerk aufzubauen. Bis in die Ministerien hinein, die ja ebenfalls ein Interesse an der Medienentwicklung haben.

          Namibia dürfte ein vergleichsweise ruhiges Arbeitsfeld sein.

          Das stimmt. Andernorts kann man erleben, dass Teilnehmer unserer Workshops bedrängt werden und Journalisten, die zu einer Fortbildung reisen, den Pass abgenommen bekommen. Das heißt aber nicht, dass man in schwierigeren Ländern nichts erreichen kann. In Libyen haben unsere Projektmanager gerade im Auftrag der EU eine virtuelle Nachrichtenagentur aufgebaut, deren Korrespondenten und Redaktion über eine „Cloud“ zusammenarbeiten. In Tunesien beraten wir Community-Sender, die journalistische Trainings brauchen und Knowhow zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit, um überlebensfähig zu sein.

          Auch in der Ukraine sind Sie aktiv.

          In der Ukraine haben wir, gemeinsam mit einem ukrainischen Medienverband, eine „Media E-School“ mit journalistischen Fernkursen aufgebaut, unterstützt vom BMZ. Das Auswärtige Amt hat uns zudem gebeten, bei der Transformation des Staatssenders in einen öffentlich-rechtlichen Sender als Berater und Ausbilder zu helfen.

          Sie versehen mit knapp vierzig Leuten und einem Grundbudget von sechzehn Millionen Euro pro Jahr eine riesige Aufgabe. Lässt sich mit Ihren Mitteln überhaupt etwas ausrichten?

          Sonst würden wir es nicht tun, und die anderen, die auf dem Gebiet der Medienentwicklung tätig sind - die Briten etwa oder die Dänen -, sicherlich auch nicht. Ich halte diese Arbeit für sehr sinnvoll. Die aktuellen Entwicklungen mit hybriden Kriegen, in denen Medien als Waffe eingesetzt werden, oder die gezielte Medienarbeit der Terrorgruppe IS im Netz, um Anhänger zu gewinnen und Propaganda zu betreiben, sind für mich ein Indiz dafür, wie wichtig unsere Arbeit ist. Angesichts der großen Herausforderungen, ist es umso wichtiger, dass die Gesellschaften die Kompetenz entwickeln, sich unabhängig informieren und ihre Rechte behaupten zu können.

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