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Deutsche Welle : Grundrecht auf Information stärken

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In Windhoek sitzt zum Beispiel Dani Leese, eine Journalistin, die früher unter anderem Bildungskonzepte für eine Agentur entwickelt hat und Redakteurin der Kindernachrichten „Logo“ war. Sie hat ein Büro im „Goethe-Zentrum“ und baut mit einer Ortskraft unsere Außenstelle auf. Dabei arbeitet sie mit verschiedenen Partnern zusammen. Bei der staatlichen Namibian Broadcasting Corporation geht es etwa um die Professionalisierung von Journalisten oder den Aufbau eines täglichen Jugendprogrammes für das Fernsehen und alle Sprachprogramme des Radios. Letzteres ist ganz wichtig, weil es so einen Informationsaustausch zwischen den Regionen geben kann. Beim College of the Arts wiederum, einem anderen Partner, hilft Frau Leese bei der Curriculumentwicklung zum Thema Medienkompetenz. Wir trainieren Dozenten im Sinne des Mottos „Train the trainer“. Auf den Workshops brüten wir über Fragen wie: Was bedeutet es, wenn der Zugang zu den Medien immer schlechter wird, je weiter man von Windhoek entfernt ist? Wenn nicht das Fernsehen oder Internet, sondern das Radio das wichtigste Medium ist?

Und was bedeutet es?

Es bedeutet, dass man den Leuten überhaupt erst einmal einen Zugang zu Medien verschaffen muss. Also überlegen wir gemeinsam, wie man Daten erhebt. Auf deren Grundlage können dann namibische, von uns mit ausgebildete Trainer Medienprojekte für Jugendliche durchführen. Gibt es in der Gegend einen Computer, der sich nutzen lässt? Wie nutzt man das Internet? Wie hält man Information und Meinung auseinander? Einen Trainer für fünf Tage in irgendeinen Ort zu schicken reicht aber natürlich nicht aus. Es geht darum, motivierte Leute zu identifizieren und ein Netzwerk aufzubauen. Bis in die Ministerien hinein, die ja ebenfalls ein Interesse an der Medienentwicklung haben.

Namibia dürfte ein vergleichsweise ruhiges Arbeitsfeld sein.

Das stimmt. Andernorts kann man erleben, dass Teilnehmer unserer Workshops bedrängt werden und Journalisten, die zu einer Fortbildung reisen, den Pass abgenommen bekommen. Das heißt aber nicht, dass man in schwierigeren Ländern nichts erreichen kann. In Libyen haben unsere Projektmanager gerade im Auftrag der EU eine virtuelle Nachrichtenagentur aufgebaut, deren Korrespondenten und Redaktion über eine „Cloud“ zusammenarbeiten. In Tunesien beraten wir Community-Sender, die journalistische Trainings brauchen und Knowhow zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit, um überlebensfähig zu sein.

Auch in der Ukraine sind Sie aktiv.

In der Ukraine haben wir, gemeinsam mit einem ukrainischen Medienverband, eine „Media E-School“ mit journalistischen Fernkursen aufgebaut, unterstützt vom BMZ. Das Auswärtige Amt hat uns zudem gebeten, bei der Transformation des Staatssenders in einen öffentlich-rechtlichen Sender als Berater und Ausbilder zu helfen.

Sie versehen mit knapp vierzig Leuten und einem Grundbudget von sechzehn Millionen Euro pro Jahr eine riesige Aufgabe. Lässt sich mit Ihren Mitteln überhaupt etwas ausrichten?

Sonst würden wir es nicht tun, und die anderen, die auf dem Gebiet der Medienentwicklung tätig sind - die Briten etwa oder die Dänen -, sicherlich auch nicht. Ich halte diese Arbeit für sehr sinnvoll. Die aktuellen Entwicklungen mit hybriden Kriegen, in denen Medien als Waffe eingesetzt werden, oder die gezielte Medienarbeit der Terrorgruppe IS im Netz, um Anhänger zu gewinnen und Propaganda zu betreiben, sind für mich ein Indiz dafür, wie wichtig unsere Arbeit ist. Angesichts der großen Herausforderungen, ist es umso wichtiger, dass die Gesellschaften die Kompetenz entwickeln, sich unabhängig informieren und ihre Rechte behaupten zu können.

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