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Interview mit Oliver Berben : Jetzt wird sich zeigen, wie gut wir sind

Oliver Berben in den Räumen seiner Produktionsfirma Moovie Bild: Matthias Lüdecke

Wie macht man Fernsehen, über das alle reden? Der Produzent Oliver Berben über moderne Erzählformen, anspruchsvolle Zuschauer und den Grund für die Übermacht amerikanischer Serien.

          6 Min.

          Am Montag läuft der erste Teil des Zweiteilers „Familie!“ im ZDF. Sie wollen damit an die Tradition der deutschen Familienserien anknüpfen, wie „Diese Drombuschs“ oder „Das Erbe der Guldenburgs“. Finden Sie das Genre noch zeitgemäß?

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Familienserien waren in Deutschland einmal sehr beliebt und sehr bekannt. Wir haben uns überlegt: Wie würde man so eine Familienserie heute erzählen? Wir machen das nicht klassisch, anhand einer Figur oder an einer Erzählung orientiert, sondern erzählen multiperspektivisch. Es gibt nicht die eine Figur des Patriarchs oder der Patriarchin, sondern eine wie auch immer zusammengesetzte Familie – sei das klassisch, sei das Patchwork. Und jede dieser Figuren hat ihr Zentrum und ihre Geschichte. Die treibende Handlung wird durch die Charaktere vorgegeben. Das in dieser Form zu erzählen, ist für mich das Neuartige. Das ist sehr viel schwerer zu schreiben, es ist auch sehr viel schwerer zu machen, weil Sie sich natürlich, wenn Sie einem einzigen Plot folgen, immer wieder auf ihn verlassen können. Wenn Sie den nicht haben, müssen die Figuren und deren Geschichten so stark sein, dass sie die Zuschauer nicht langweilen.

          Muss man dazu nicht viel überraschender erzählen, mutiger, radikaler? Es gibt ja im Moment ein paar sehr erfolgreiche Familienserien. Aber sie heißen eben heute „Sopranos“, „Breaking Bad“ oder „Game of Thrones“.

          Wir tun uns mit solchen Programmen leider bei der Akzeptanz beim großen Publikum immer noch schwer. Ich bringe immer das „Homeland„-Beispiel. Bei aller Liebe zu dieser Serie: Das interessiert den Großteil der Leute nicht. Nur ein kleiner Teil der Leute sieht sich das an. Und das ist auch okay.

          Iris Berben als Lea Behrwaldt im ZDF-Zweiteiler „Familie!“

          Das hält nur in anderen Ländern niemanden davon ab, solche Serien trotzdem zu produzieren. Offensichtlich gibt es ein Geschäftsmodell dafür.

          Genau das ist der Punkt. „Mad Men“ wäre ein weiteres Beispiel: Als die erste Staffel von „Mad Men“ rausgekommen ist, lagen die Zuschauerquoten in Amerika zwischen 500.000 und 700.000 Zuschauern – in einem Land von 300 Millionen Menschen! Das wäre hier quotenmäßig noch nicht mal messbar, so wenig ist das! Es spielt aber keine Rolle, da die Produktion, so wie sie angelegt war, auf einen Markt schielt, der sehr viel größer ist. Die Serie war außergewöhnlich und hatte eine große mediale Präsenz. Aber vor allem wurde sie überall hin verkauft. Da haben wir es mit einer Sprache, die insgesamt „nur“ 100 Millionen Menschen sprechen, natürlich viel schwerer. Das heißt, es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder fangen wir an, auf Englisch zu drehen, was ich nicht für die Lösung halte. Oder wir machen so starke Programme in unserer Sprache, dass sie sich unabhängig davon trotzdem verkaufen. Was ja funktioniert. Nicht mit jedem Programm, aber es ist machbar. Und da müssen wir hin.

          Wo hat es denn funktioniert?

          Wenn wir von eigenen Produktionen reden: bei „Adlon“. Das war wirklich unglaublich, was das für einen internationalen Erfolg hatte und: es war nicht darauf ausgelegt. Oder „Verbrechen“, das war eine der ersten deutschen Serien, die auf Netflix liefen. Es geht.

          Wenn man es mit anderen Ländern vergleicht, nicht nur mit Amerika, auch mit Skandinavien, Israel, Italien, dauert dieser Wandel bei uns aber bemerkenswert lange. Woran liegt das?

          Das liegt vor allem an der Technologie: In Schweden haben Sie zum Beispiel einen Anteil bei der digitalen Nutzung von Musik – um gar nicht erst über Film zu sprechen – von 30 bis 35 Prozent. Bei uns sind es fünf. Das hat etwas mit dem Charakter der Menschen zu tun. Bei uns verkaufen sich auch immer noch DVDs – in Spanien wäre das undenkbar. Das ist auch völlig in Ordnung. Aber es bedeutet eben, dass manche Sachen später kommen. Es ist richtig, dass wir für die Herstellung dieser High-End-Drama-Serien länger gebraucht haben. Das heißt aber nicht, dass wir es nicht können.

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