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Gespräch mit Mathias Döpfner : Die ARD sprengt das duale Mediensystem

Die Befürworter eines unbegrenzten öffentlich-rechtlichen Angebots nennen das eine einmalig günstige „Flatrate“.

Ich glaube nicht, dass das im Sinne des Beitragszahlers ist, der es sich nicht aussuchen kann, ob er für dieses Angebot oder wie viel er dafür bezahlt. Die Idee der Rundfunkgebühr war nicht, ein allumfassendes öffentlich-rechtliches Medienangebot zu schaffen, sondern für die Produktion audiovisueller Inhalte zu sorgen. Das musste zu Beginn der Geschichte der Bundesrepublik mit öffentlichem Geld geschehen. Aber das hat sich längst geändert. Heute kann jeder Student einen Fernsehsender gründen. Es gibt einen unglaublich vielfältigen Bewegtbild-Wettbewerb. Ich kann nicht erkennen, warum Gebührengelder dazu missbraucht werden sollten, den über dreihundert Zeitungsverlagen in Deutschland Schritt für Schritt die Existenzgrundlage zu entziehen.

Nur einen Fingertipp entfernt: Um die App der „Tagesschau“ haben Presseverlage (darunter der Verlag der F.A.Z.) und die ARD vor Gericht gerungen. Bilderstrecke

Bei der ARD heißt es: Wir sind gar nicht so erfolgreich im Netz, die Verlage müssen uns nicht fürchten.

Ach ja? Wissen Sie, was Sie im Google-Play-Store als Erstes angezeigt bekommen, wenn sie nach Zeitungen in Baden-Württemberg suchen? Vielen Nutzern wird als erste App „SWR aktuell“ vorgeschlagen. Wenn Sie „Nachrichten Berlin“ suchen, kommen oft zehn der ersten zwölf App-Angebote von der ARD. Das ist das Problem, um das sich die ARD seit sieben Jahren herumwindet. Und es ist nur die ARD, das ZDF macht es ganz anders und geht mit seinen Angeboten im Internet wie der Startseite von heute.de oder der Mediathek vom Bewegtbild und von den eigenen Sendungen aus. Das stört uns Verlage nicht im Geringsten, das ist das Modell, das zeigt, wie es gehen kann. Wenn sich die ARD von morgen an so verhielte wie das ZDF, würde kein Verleger mehr Kritik üben. Aber die ARD verhält sich eben anders – mit ihrer „Tagesschau“-App, mit ihren regionalen Angeboten und mit ihren Heerscharen von Print-Redakteuren, die Texte schreiben. So wie die Verlage von morgens bis abends daran arbeiten, Antworten auf die Herausforderungen durch Google und Facebook zu finden, sollte sich die ARD doch viel eher überlegen, wie sie den Herausforderungen durch Youtube, Now this oder Netflix begegnet. Die Altersstruktur der Öffentlich-Rechtlichen entkoppelt sich immer mehr vom Bevölkerungsdurchschnitt, der liegt bei 44 Jahren, die ARD bei 61 Jahren, und beim ZDF sind es 62 Jahre. Die ARD sollte sich auf den Wettbewerb mit den Plattformen einstellen und nicht das Geschäft der Presseverlage zerstören.

Warum setzt die ARD auf diese Konfrontation und bekommt von der Politik dafür auch noch Unterstützung?

Warum aus der Politik kein Gegenwind kommt, erklärt sich relativ leicht. Politiker sind, besonders auf Landesebene, sehr stark von ihrer Präsenz in den öffentlich-rechtlichen Programmen abhängig. Es gibt eine Interessenallianz, die dazu führt, dass kaum ein Politiker es wagt – schon gar nicht in Wahlkampfzeiten –, sich mit den Öffentlich-Rechtlichen anzulegen, weil man auf deren Wohlwollen angewiesen ist. Hinzu kommt die Verflechtung durch die Besetzung der Gremien der Rundfunkanstalten. Das wäre alles zu verkraften, wenn wir ein Gleichgewicht zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Privaten hätten. Das aber wird außer Kraft gesetzt, wenn sich – wieder – die ARD durch die Digitalisierung in einer Weise ausbreitet, die das duale System sprengt.

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