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Digitale Agenda : Ohne die Kreativen läuft in der digitalen Welt nichts

Die Einseitigkeit der Wertschöpfung, die das Internet im Augenblick auszeichnet, wird nicht gutgehen: Mathias Döpfner und Dieter Gorny im Gespräch. Bild: Andreas Müller

Verlage, Sender, Film- und Musikwirtschaft haben sich zur „Deutschen Content Allianz“ zusammengeschlossen. Die Allianz hat eine Digitale Agenda formuliert. Was diese fordert, erklären Mathias Döpfner und Dieter Gorny im Interview.

          Wo stehen wir in der digitalen Welt 2017?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Döpfner: Wir stehen immer noch am Anfang der Entwicklung. Es erinnert mich an die frühen Zeiten der Eisenbahn. Es gab damals Leute, die glaubten, dass man beim Eisenbahnfahren die Seele verliert, andere glaubten, dass es die einzige Form des Transports der Zukunft ist. So auch heute bei der Digitalisierung. Einige gehen pleite, andere werden Multimilliardäre. Es ist an der Zeit, dass man sich über den Wert geistiger und kreativer Leistung in der digitalen Welt grundsätzlich klar wird. Wenn man glaubt, dass es geistiges Eigentum nicht mehr braucht, stehen wir am Beginn einer ganz schwierigen Entwicklung. Wenn man begreift, wie wichtig es ist, stehen wir vor einer großartigen Entwicklung.

          Gorny: Wir kommen langsam aus dieser überbordenden gesellschaftlichen Euphorie über das Internet heraus und fangen an, über Ordnungssysteme in der digitalen Welt zu diskutieren. Das sieht man nicht nur an der Gesetzgebung. Es geht um ein ausbalanciertes Level Playing Field. Da ist das Internet, wie wir es verstehen, als eine große soziale Angebotspalette, die es jedem ermöglicht, alles zu tun. Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass mit geistigem Eigentum, mit Journalismus und künstlerischen Werken, Wertschöpfung betrieben werden kann. Am Ende steht ein hoffentlich auch kulturelles Ökosystem mit fair verteilten Chancen.

          Döpfner: Die digitale Welt ist eine virtuelle Welt. Wirtschaft und Kultur werden entdinglicht. Bei dieser Entdinglichung und Entmaterialisierung ist es sehr wichtig, sich darüber klarzuwerden, dass nicht nur materielle Güter einen rechtlichen Schutz genießen. Es ist unverständlich, dass man bei geistigem Eigentum sagt: Das muss allen gehören. Was für ein großes Missverständnis! Das wäre die digitale Wiedergeburt einer radikalkommunistischen Idee, die durch die Geschichte konterkariert worden ist. Jetzt stehen die Definition geistigen Eigentums und dessen rechtlicher Schutz im Mittelpunkt. Wir sind an einem Schlüsselpunkt. Es gibt neue, große Akteure, die eigene, erzkapitalistische Interessen haben, die man nicht verwechseln sollte mit philosophischen Erwägungen wie: Freiheit herrscht nur, wenn jedem alles kostenlos zur Verfügung steht.

          Früher waren Inhalt und Transportmedium gekoppelt – Journalismus und Papier, Musik und Tonträger –, das ist passé.

          Gorny: Wir müssen deutlich machen, dass die technologische Entwicklung ohne die Inhalte nicht funktioniert. Die Entwicklung des iPods wäre ohne die Musik nicht denkbar. Die Betreiber der großen Plattformen wissen das, und wir streiten uns nicht um die Bedeutung, sondern um die Wertstellung der Inhalte. Im politischen Diskurs mangelt es an der Erkenntnis, dass die Kreativbranche für über eine Million Arbeitsplätze und einen Umsatz von 150 Milliarden Euro im Jahr steht. Das, was man nicht anfassen kann, ist der Treibstoff der technologischen Entwicklung.

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