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Digitale Agenda : Ohne die Kreativen läuft in der digitalen Welt nichts

Döpfner: Facebook lernt durch das Thema Fake News gerade, an welche Grenzen sie stoßen. Man sollte die Ansprüche an Facebook und andere ganz ohne moralischen Impetus formulieren. Das sind großartige Unternehmer. Firmen wie Google und Facebook haben die Welt verändert – überwiegend zum Positiven, um das ganz klar zu sagen. Es ist nicht ihre Aufgabe, primär Bedenken zu haben, sonst hätten sie nicht diesen unternehmerischen Erfolg. Aber sie müssen sich ihrer Verantwortung stellen. Sonst kommt die Politik auf verquere Ideen. Wenn die Politik über eine Art Wahrheitsministerium nachdenkt, das entscheiden soll, was ist Fake News und was nicht, zeugt das von einem überschießenden Regulierungswillen, der in die falsche Richtung geht. Wir brauchen einen verlässlichen Rechtsrahmen, der Inhalte-Anbieter in die Pflicht nimmt, aber auch ihr Auskommen garantiert. Und wir brauchen Medienkompetenz. Wir müssen Menschen schon in der Schule beibringen, wie sie mit Suchmaschinen, Aggregatoren und sozialen Netzwerken umgehen.

Gorny: Die Einseitigkeit der Wertschöpfung, die wir im Augenblick haben, wird auf Dauer nicht gutgehen, dann wird es diese Inhalte nämlich nicht mehr geben. Wir brauchen eine moderierende Politik, die die gegenseitige Bedingtheit von Inhalten und digitalem Transport erkennt.

Döpfner: Es gibt im Moment ein extrem erfolgreiches Modell zur Monetarisierung von Inhalten, und dieses Modell heißt Facebook. Es ist so erfolgreich, weil die inhaltlichen Herstellungskosten bei Facebook null sind. Es muss in das, was im Internet so erfolgreich durch Werbung ist, gar nicht investiert werden. Das ist sehr praktisch, in ähnlicher Weise hat Google profitiert. Wenn sich das aber so fortsetzt, würde es die Vielfalt von Inhalte-Herstellern, von denen die Tech-Konzerne profitieren, gar nicht mehr geben können. Ein Teufelskreis setzte sich in Gang, und es würde ein großes Verlagssterben geben. Am Ende würden wenige Weltmonopole darüber entscheiden, welche Inhalte wem zur Verfügung gestellt werden.

„Wir sollten Selbstbewusstsein zeigen. Wenn es Amazon nicht gäbe, wären die Produkte, mit denen es handelt, immer noch da. Wir haben eine Diskussion zugelassen, die die Dinge auf den Kopf stellt“: Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie.

Gorny: Die Musikbranche hat die Hälftung des Marktes erlebt, und wir haben daraus gelernt, dass man erfolgreich Geschäftsmodelle in der digitalen Welt entwickeln kann, um Wertschöpfung für die Kreativen und ihre Partner zu generieren.

Döpfner: Ich glaube, dass das Prinzip einer Allianz wichtiger ist denn je. Wir haben ein paar sehr selbstbewusste Distributionsunternehmen wie Apple, Amazon, Google oder Facebook. Und wir haben Abertausende von Produzenten, die darauf Antworten finden müssen. In den vergangenen Jahren habe viele nur Partikularinteressen vertreten. Auch die Zeitungsverleger geben dafür ein Beispiel. Wir haben die Arbeit unserer Gegner gemacht, die unsere Werke erfolgreich monetarisieren. Wir müssen mit einer Stimme sprechen, sonst werden wir – auch von der Politik – gar nicht gehört.

Mittendrin haben wir den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der beitragsfinanziert alles anbietet und die Lage für unabhängige Produzenten von Inhalten verschärft.

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