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Digitale Agenda : Ohne die Kreativen läuft in der digitalen Welt nichts

Döpfner: Es gibt ja diesen schönen Satz: Der Geist bestimmt die Materie und nicht umgekehrt. Eine Gesellschaft, die den geistigen Leistungen nicht mehr traut, hat ihren Geist verloren. Konkret ist es wichtig, und deswegen bin ich ein Freund der Idee der „Content Allianz“, im Zusammenspiel von Musik, Film und Journalismus zu gemeinsamen Positionen zu kommen. Für die Musikindustrie ist es seit Jahrzehnten existentiell wichtig, ein Leistungsschutzrecht zu genießen, weil Musik immer flüchtig und auf so vielen Wegen verfügbar war. Für den Journalismus brauchte es das zunächst nicht, weil er an das Papier gebunden war. Niemand kam auf die Idee, eine Zeitung auf den Kopierer zu legen, hunderttausendfach zu vervielfältigen und zu verteilen. Heute ist es ein Mausklick, um das, was Journalisten im Schweiße ihres Angesichts wochenlang recherchiert haben, zu kopieren und damit ein Bomben-Anzeigengeschäft zu machen, ohne einen Cent in die Inhalteerstellung zu investieren.

Was lernt die Presse von der Musik?

Gorny: Dass es klug war, dass wir unsere Produkte nicht kostenlos zur Verfügung gestellt haben. Es ging immer um den Song, egal, wie er transportiert wurde. Der Song hat einen Wert an sich. Das festzuhalten ist wichtig. In der Content Allianz glauben wir alle daran, dass die geistige Schöpfung der Wert an sich ist und wir organisieren müssen, wie sie transportiert wird und wie es Wertschöpfung gibt. Wie das funktionieren kann, sehen Sie an legalen Streaming-Plattformen wie Spotify.

Döpfner: Es ist auch gut, wenn man gegenseitig aus Fehlern lernt. Die Musikindustrie hat ihre Lektion am Beispiel von Napster gelernt. Die Verlagsbranche hat weltweit den Fehler gemacht, das Internet als Marketing-Instrument zu unterschätzen, und hat nicht gesehen, dass es im Begriff ist, die physischen Produkte zu ersetzen. Wir haben über inzwischen zwei Jahrzehnte unsere Produkte kostenlos weggegeben. Das ist ein historischer Fehler. Es ist schwer, ihn zu korrigieren, aber nicht unmöglich, und das muss jetzt gelingen.

Gorny: Wir sollten Selbstbewusstsein zeigen. Wenn es Amazon nicht gäbe, wären die Produkte, mit denen es handelt, immer noch da. Wir haben eine Diskussion zugelassen, die die Dinge auf den Kopf stellt. Literatur, Musik, Journalismus, Unterhaltung – sie waren schon immer da und werden auch bleiben. Es geht jetzt darum, ihren Wert zu erhalten.

Döpfner: Wir stehen für die Prinzipien Kulturnation, Demokratie und Rechtsstaat. Geistiges Eigentum und Vielfalt sind inhärente Bestandteile dieser Prinzipien.

Haben die Silicon-Valley-Unternehmen ein Verständnis für die Verfasstheit der Werte, mit denen sie handeln?

Gorny: Die Technologie-Konzerne wissen, welche Bedeutung die Inhalte für ihr Geschäft haben. Die Youtube-Chefin Susan Wojcicki hat das gerade erst bei einem Gespräch in Berlin deutlich gemacht.

Das ist doch bloß ein Lippenbekenntnis.

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