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Interview mit Daniel Hartwich : Warum „Let’s Dance“ sich mehr rausnimmt als andere Shows

„Let’s Dance“ - hier der Gruppentanz in der Ausgabe vom 17. April 2020 mit den Kandidaten Lili Paul-Roncalli (links), Laura Müller (rechts) und Martin Klempnow (Mitte) Bild: Picture-Alliance

„Let’s Dance“ macht aus der Krise beste Fernsehunterhaltung. Im Interview erklärt der Moderator Daniel Hartwich, wie das Team die Situation meistert – und wie die Show auslebt, was das Publikum nicht ausleben kann.

          7 Min.

          Keine andere Show im deutschen Fernsehen hat es bislang so souverän geschafft, mit dem Ausnahmezustand umzugehen, wie „Let’s Dance“ auf RTL. Auch hier fehlt zwar Studiopublikum, kommt der Applaus vom Band, sitzt die Jury – Motsi Mabuse, Jorge González, Joachim Llambi – weit auseinander, seit Freitag sogar durch Plexiglas getrennt: Aber die prominenten Kandidatinnen und Kandidaten tanzen weiter mit ihren Profis, Zuschauer schicken Fotos, die als Platzhalter auf den Rängen verteilt werden, die Jury tanzt eine Choreographie zum Nachtanzen für alle vor. Woran Daniel Hartwich, der „Let’s Dance“ seit 2010 moderiert, neulich auf der Bühne so spektakulär gescheitert ist, dass auch das – wie alles andere an der Show – genauso lustig wie inspirierend wirkte. Anfeuerung zur Selbstüberwindung und der Mut zur Pose war immer der Spirit von „Let’s Dance“, nur ist der jetzt umso ansteckender. Wie kommt das? Daniel Hartwich gibt ein paar Antworten – am Telefon aus Köln, wie sonst.

          Tobias Rüther
          (tob), Feuilleton

          Hat sich Ihre Arbeitswoche geändert?

          In direkten Kontakt mit den anderen aus der Produktion komme ich immer erst freitags, am Tag der Show. Alles andere – die Moderationen, die Sendungsvorbereitung – mache ich auch zu normalen Zeiten am Laptop von zu Hause aus. Mittwochs findet wie immer die erste Besprechung statt, mit meiner Moderationspartnerin Victoria Swarovski, unserem Autor, den Producern und mir – das machen wir aktuell telefonisch, oder wir treffen uns in einem großen Konferenzraum mit viel Abstand zueinander. Von der Arbeit her hat sich eigentlich nichts verändert, nur der Freitag sieht anders aus: Wir haben ein leeres Studio, wir haben leere Gänge, es sind nur noch die Leute da, die unmittelbar an der Sendung beteiligt sind. Und die sich alle gegenseitig den ganzen Tag voreinander hertreiben, weil alle darauf achten, den Abstand einzuhalten.

          Im Fernsehen geht man momentan auf Distanz, egal ob in Show- oder Talkformaten. Bei „Let’s Dance“ sieht man aber immer noch Körperkontakt unter den Paaren. Da ist eine eigenartige Stellvertreterfunktion entstanden – es ist die eine Sendung im Fernsehen, in der man sich angucken kann, wie Leute sich live anfassen.

          Daniel Hartwich
          Daniel Hartwich : Bild: action press

          Wir haben das von der ersten Show an, die wir unter diesen Umständen gemacht haben, ambivalent gesehen. Natürlich können Victoria und ich Abstand zueinander halten, natürlich können sich unsere Juroren weiter auseinandersetzen, natürlich können wir unsere Gruppen- und Eröffnungstänze auf Distanz machen – aber letztlich geht es bei „Let’s Dance“ immer noch um Paartanz. Uns ist klar, dass wir uns da vielleicht mehr rausnehmen, als das andere Shows tun. Aber wir fragen uns jede Woche aufs Neue: Ist das hier richtig, was wir tun? Wäre es ist nicht das bessere Signal, zu sagen: Wir hören auf? Wir fragen uns, wie wir möglichst viel richtig machen können. Wir tasten uns von Woche zu Woche voran und sind jeden Freitag erstaunt, dass wir senden können. Natürlich sind wir wie andere Menschen einfach auch froh, noch arbeiten zu können. Der wachsende Zuspruch des Publikums in den letzten Wochen zeigt uns aber, dass es offensichtlich für viele einen Wert hat. Ich finde den Gedanken gar nicht übertrieben, dass es eine Art Ersatz ist. Ich weiß nicht, ob es die Substitution des Bedürfnisses ist, andere Menschen anfassen zu dürfen – aber ist es die Substitution der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Oberflächlich gesagt, machen da andere Leute Party für all die, die es im Moment eben nicht machen können.

          Denken Sie jetzt anders über Ihr Publikum nach als vorher?

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