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Interview : Mir fehlt ein Gen für Milde

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Haben Sie schon einmal zugegeben, zu weit gegangen zu haben?

Ja. Wenn man fair sein will, muß man sich auch entschuldigen können. Dabei vergebe ich mir doch nichts, schließlich bin ich kein dogmatischer Überzeugungstäter, sondern ein Journalist, der in gesellschaftlichen Themen herumstochert. Also ja, ich habe mich schon entschuldigt, nach der Sendung, manchmal sogar in der Sendung, wenn etwas falsch war.

Wofür zum Beispiel? Gibt es bei der Vorbereitung der Sendung oder der Einspielfilme Dinge, gegen die Sie sich bewußt entscheiden, weil das den Betreffenden zu sehr vorführen würde?

Ja, das geschieht tatsächlich. Wenn jemand schon am Boden liegt und Sie noch nachtreten - was man als Fairplayer ohnehin nicht tun sollte -, gibt es diesen Mitleidseffekt, und Sie sind geliefert. Dieser Reflex bei den Zuschauern ist knallhart: Die wechseln sofort die Seite.

Kann man kleinere Ungerechtigkeiten durch Humor wettmachen?

Natürlich darf man nie so etwas sagen wie: Ist ja nur Spaß. Aber sowohl als Moderator wie als Gast kann man einem Pfeil, der losfliegt, eine Thermik verpassen, der den Einschuß nicht ganz so weh tun läßt. Und darauf bin ich auch ein bißchen stolz. Nicht jede Sendung ist gut, und manche Gästekombination funktioniert nicht optimal. Aber ich habe nur einmal erlebt, daß ein Gast gesagt hat, er kommt nie wieder, weil er sich unfair behandelt fühlte. Das ist in fünf Jahren, glaube ich, ein ganz guter Schnitt.

Neben Sabine Christiansen und Maybrit Illner gelten Sie als Dritter im Triumvirat der Polittalkmoderatoren. Kommt Ihnen als Mann in diesem Kleeblatt eine besondere Rolle zu?

Nun, ich komme aus dem Bergischen Land. Wenn man den Leuten da Charme nachsagt, ist es bestenfalls rustikaler Charme. Was die Rolle als Hahn im Korb angeht: Illner und Christiansen haben es insofern viel leichter, als sie - ohne daß es negativ auffällt - reine Männerrunden machen können, weil sie als Frau dazwischensitzen. Wir haben bei „Hart aber fair“ keinen Spaß an Männerrunden, aber Quotenfrauen einzuladen, die nichts zu sagen haben, nützt auch nichts.

Ihnen wird gern nachgesagt, Sie seien in der Lage, Menschen zu knacken.

„Knacken“ ist nicht das richtige Wort. Jemanden von seiner Strategie abbringen - ja. Immer wieder kommt jemand in die Sendung, der sich offenbar einen Masterplan zurechtgelegt hat. Und nach zwanzig Minuten ist der hin - was übrigens für die Person spricht. Jemand, der neunzig Minuten lang eine Strategie durchhält, ist mir persönlich unheimlich.

Fällt es Ihnen manchmal schwer, allen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, zumal wenn sich ein Gast als besonders interessanter Gesprächspartner entpuppt?

Nein. Zur Fairness gehört es auch, daß keiner hinterher das Gefühl hat, ich war ja nur die Petersilie heute abend.

Was macht man, wenn einem in der Sendung die Hutschnur platzt?

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