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Joachim Król im Gespräch : Charakter ist Schicksal

  • -Aktualisiert am

Joachim Król vergangene Woche in Köln Bild: Stefan Finger

In „Über Barbarossaplatz“ spielt er einen Psychoanalytiker: Joachim Król über seine neue Rolle, die Arbeitsweise des Regisseurs Jan Bonny und darüber, wie einmal das wahre Leben ans Set kam.

          „Über Barbarossaplatz“ ist der Pilotfilm einer Fernsehreihe über die Psychotherapeutin Greta Chamenei (Bibiana Beglau). Am Kölner Barbarossaplatz hat sie ihre Praxis, in der sie zusammen mit ihrem Mann gearbeitet hat. Nach seinem Tod muss sie nicht nur mit dem Verlust zurechtkommen, sondern auch mit seinen ehemaligen Patienten. Hilfe sucht Greta bei ihrem Lehranalytiker, dem emeritierten Psychologieprofessor Benjamin Mahler (Joachim Król), den sie und ihr Mann als Studenten sehr bewunderten. Greta und Benjamin fühlen sich immer noch voneinander angezogen – und sind, wie überhaupt alle Figuren am Barbarossaplatz, sehr verzweifelt, sehr direkt, trinken sehr viel und wollen sehr gerne miteinander schlafen.

          Als „Über Barbarossaplatz“ letztes Jahr beim Filmfest München gezeigt wurde, haben Sie gesagt, dass Sie zu dem Film gekommen sind, weil Sie nach einer neuen Position im deutschen Fernsehen gesucht haben. Was ist das Neue an der Rolle des Psychoanalytikers Benjamin Mahler?

          Nach dem Abschied von meiner Fernseharbeit in Frankfurt habe ich erfahren, dass durch den tragischen Tod von Dieter Pfaff ein Sendeplatz freigeworden ist, und mich erkundigt, was der WDR damit vorhat. In Gesprächen haben wir dann zusammen überlegt, was man Neues zeigen könnte. Ich habe verschiedenste Kommissar-Figuren entwickelt und erzählt: in Venedig, in Essen, in Frankfurt. Ein Krimiformat kam erst einmal nicht mehr in Frage. Außerdem hatte sich das Psychologenmilieu auf diesem Sendeplatz bewährt, und deshalb haben wir überlegt, das wäre doch vielleicht eine interessante Option. Ein Psychologe. Hannah Hollinger aus München hat ein Drehbuch geschrieben, das der Regisseur Jan Bonny am Barbarossaplatz, im Herzen von Köln, verortet hat - da, wo es am rasendsten schlägt, und fast schon ein bisschen krank ist.

          Dieses Kranke, auch Rohe, Harte wird in „Über Barbarossaplatz“ ja ganz offensiv ins Zentrum gerückt, auch ästhetisch: mit harten Schnitten, der starken Körperlichkeit, insgesamt einer Rohheit der Bilder und Dialoge, auch der Figuren untereinander, die man aus dem deutschen Fernsehen nicht gewohnt ist. Das ist ja eine Signatur des Regisseurs Jan Bonny, die schon in seinem Polizeiruf mit Matthias Brandt und Lars Eidinger 2013 zu erkennen war. Merkt man schon während der Dreharbeiten, dass Jan Bonny anders erzählt?

          Ja. Er hat da eine ganz eigene Handschrift, er arbeitet ganz anders. Was wollen wir zum Vergleich nehmen? Einen konventionellen Fernsehfilm?

          Einen „Tatort“?

          Ha! Ich hab mir heute Mittag ausgedacht: Wenn jemand es schafft, das erste tatortfreie Interview zu führen, lad ich ihn zum Essen ein. Das haben Sie jetzt vermasselt.

          Oh nein.

          Aber zurück. Normalerweise lese ich ein Drehbuch, habe eine Idee zu der Figur, schlage sie vor - und dann wird das meistens auch so oder so ähnlich umgesetz. Aber am Ende eines Drehtages kann es passieren, dass ich unzufrieden bin, mir denke: ‚Warum hast du das nicht anders gemacht?’ oder: ‚Wärst du da mal weiter gegangen!’ Jan befreit einen davon.

          Wie macht er das?

          Er sagt: Nimm die Situation für sich. Zum Beispiel in unserem Film: Deine ehemalige Studentin sucht dich nach Jahren auf. Und jetzt spiel das mal so, als hättest du gar keine Lust auf das Gespräch. Als nächstes vielleicht: Nochmal genau so, aber schneller. Und dann nochmal anders. Er dreht sehr viele Takes. Das schiebt plötzlich die Spielfreude an, so dass man gar nicht mehr an die grossen Zusammenhänge denkt: Der Gedanke mit einer bestimmtem Emotion, mit einer bestimmtem Haltung in die nächste Szene zu kommen. Völlig egal, interessiert ihn nicht. Einmal hab ich ihn gefragt: Kriegst du das denn jemals zusammengeschnitten? ‚Das ist meine Arbeit’, sagt er da nur, ‚spiel einfach!’. Das macht grossen Spaß. Für Bibi...

          ... Bibiana Beglau, die neben Ihnen die Hauptrolle spielt ...

          ... genau, Bibi jedenfalls, die ja viel mehr Theater spielt als ich, die kennt das gar nicht anders. Für sie ist das eine ganz normale Probensituation. Davon lass ich mich gerne anstecken.

          Joachim Król und Bibiana Beglau in „Über Barbarossaplatz“

          Sie kannten Bibiana Beglau schon vorher, richtig?

          Natürlich. Sie ist ja eine der größten Schauspielerinnen ihrer Generation. Haben Sie sie in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ am Münchner Residenztheater gesehen?

          Leider nicht.

          Das Stück hatte ich bestimmt schon vier-, fünfmal gesehen. Ich dachte, ich kenne es. Und dann macht sie etwas völlig anderes, erzählt wieder eine neue Wahrheit.

          Was für eine?

          Eine, sagen wir, animalische. Sie war in der Rolle der Martha permanent bereit, ihren Ehemann niederzubeißen. Einerseits sehr, sehr erotisch, andererseits sehr destruktiv.

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