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Internetkonferenz Re:publica : Der Nerd wird zum Helden

Das Internet wird in China streng zensiert - und bietet doch viele neue Möglichkeiten. Bild: dpa

Welche Bedeutung hat das Internet eigentlich in China? Von der Regierung wird es mit Macht zensiert. Doch es hat das Potential, eine ganze Gesellschaft zu verändern.

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          Man vergisst angesichts all der netten Podien und Workshops auf der Re:publica leicht, dass das Internet in anderen Kulturräumen zu ganz anderen Verwerfungen innerhalb einer Gesellschaft beiträgt als bei uns. Was es in China bewegt, das hat Hu Yong, Professor für Journalismus an der Universität Peking, in seinem Vortrag dargestellt.

          Andrea Diener
          Redakteurin im Feuilleton.

          Mit 650 Millionen Internetnutzern hat das chinesische Netz zunächst einmal eine enorme Größe. China ist auch eine der am stärksten zensierenden Internetnationen der Welt. Doch bei allen Restriktionen sei es den Einwohnern Chinas zum ersten Mal in der Geschichte möglich, ihre Meinung in einem relativ ungestörten öffentlichen Raum zu äußern. Wie weit die Beschränkungen in der Geschichte zurückgehen, erklärt Hu Yong auch: Schon unter den ersten Kaisern des Reiches galt Rede - wohlgemerkt: nicht eine Tat, sondern allein das Wort - gegen die Obrigkeit als strafbar, die sozialen Normen wurden mit geradezu religiösem Eifer verteidigt. Und unter Mao galt bekanntermaßen jeder halbwegs eigenständig denkende Intellektuelle als hoch verdächtig. Das gesellschaftliche Ideal war die harmonisierte Einheitsmeinung.

          Erst in den neunziger Jahren begann sich die Situation zu ändern - zeitgleich mit der Einführung des Internets. Inzwischen formiert sich so etwas wie eine öffentliche Meinung, und sie schweigt nicht zu Themen wie Korruption, Machtmissbrauch und ungerechter Behandlung durch Autoritäten. Lokale Themen erfahren immer öfter auch landesweite Beachtung. „Ihr in Deutschland“, sagt Hu Yong, „ihr setzt nicht so viel Vertrauen in neue Medien. Bei uns in China ist es genau andersherum“ - die staatlichen Medien, die immer behaupteten, mit der Stimme des chinesischen Volkes zu sprechen, erfahren gerade einen starken Vertrauensverlust.

          Willkommen im „Geekpark“

          Ein zweiter Vortrag widmete sich der Geek-Kultur in China. Jack Zhang veranstaltet so etwas wie das chinesische Pendant zur Re:publica, das Computerenthusiastentreffen „Geekpark“. Es ist innerhalb weniger Jahre von einer eher subkulturellen Angelegenheit zu einer Großkonferenz angewachsen, ganz ähnlich wie hierzulande der Chaos Communication Congress. In China, so Zhang, macht der computerbegeisterte Nischennerd einen drastischen Imagewandel durch. Galt er erst als Sonderling, wird er inzwischen auf den Titelseiten von Lifestyle-Magazinen gefeiert.

          Der Geek sei auch derjenige, der dem ewigen Vorurteil, die Chinesen kopierten ja nur, seinen Erfindergeist und seinen Eigensinn entgegensetze, so Zhang. Daher sei er zu einer Vorbildfigur gerade der jüngeren Generation der nach 1985 Geborenen geworden - eine Generation, die mit wirtschaftlichem Boom und dem Aufkommen des Internets groß wurde. Die Kerneigenschaften des Geeks, Mut und Neugier, gelten ihnen als beispielhaft.

          Es scheint also, als krempele sich mithilfe des Internets eine Nation um, und mit ihr verändern sich die Eigenschaften, die jahrhundertelang als erstrebenswert galten. Wie China damit langfristig umgeht, ob die Geeks die chinesische Gesellschaft tatsächlich zu einer offeneren machen, die eine engere Verbindung zum Rest der Welt pflegt, wie Jack Zhang es ausmalte, ist noch nicht abzusehen. Zumindest gibt es den Einwohnern ein Werkzeug, wie es Hu Yong darstellt, nicht mehr nur innerhalb kleiner Dorf- und Familienverbände zu diskutieren, sondern potentiell mit der gesamten Nation.

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