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Internet-Sicherheitsexperte Felix von Leitner : Der Überwachung entgehen? Das macht richtig viel Arbeit!

  • Aktualisiert am

Man sollte annehmen, dass sich die informierteren Regierungsstellen dem Zugriff von „Prism“, „Tempora“ und Co. entziehen. Wie machen die das? Und wie heißt das „Prism“ des BND?

Die informierten Regierungsstellen können da auch nicht prinzipiell mehr machen als wir Privatbürger. Die EU, so haben wir kürzlich aus einer Snowden-Veröffentlichung erfahren, setzt ein verschlüsselndes Faxgerät ein, um zwischen ihrer Niederlassung in Washington und den Außenministerien der EU-Länder unabgehört kommunizieren zu können. Das scheint auch so weit funktioniert zu haben, denn die Amerikaner sahen sich genötigt, sich physischen Zugriff auf dieses Gerät zu verschaffen und eine Wanze einzubauen, über die sie dann doch alles mitlesen konnten. Aus China wissen wir aus einer weiteren Snowden-Veröffentlichung, dass die Amerikaner zwar keine Schnittstellen für den direkten Zugriff hatten, aber dann eben alle Telekommunikationsunternehmen über ihre Cyberwar-Abteilung gehackt haben und so alle Daten rausgeleitet haben.

Ich halte es für realistisch, dass auch unsere Behörden alle infiltriert wurden. Es gab ja vor ein paar Jahren einen entsprechenden Skandal, bei dem es dann aber schnell hieß, dass das die bösen Chinesen gewesen seien. Wenn man bei den Untersuchungen herausgefunden hätte, dass das die Amerikaner waren, wäre das PR-technisch trotzdem den Chinesen in die Schuhe geschoben worden, da bin ich mir recht sicher. Letztlich ist das ja genau die Aufgabe von Geheimdiensten, sich bei Freund und Feind Zugang zu verschaffen. Der BND hat ein temporaähnliches Programm, das heißt „strategische Telekommunikationsüberwachung“. Da geht es auch darum, in großer Masse E-Mails und andere Telekommunikationen anderer Länder abzuhorchen. „Prism“ ist ja ein Schritt weiter. Da geht es darum, nach der Entschlüsselung Zugriff auf die unverschlüsselten Daten direkt bei den Web-Mail-Anbietern zu erlangen.

Über ein solches BND-Programm ist noch nichts öffentlich bekanntgeworden. Es würde mich aber sehr wundern, wenn es so etwas nicht zumindest für inländische Anbieter gäbe. Ich habe Visitenkarten von deutschen Geheimdienstlern gesehen, bei denen die E-Mail-Adresse auf @gmx.de oder @t-online.de endete. Da können Sie sich ja selbst überlegen, ob Sie es für wahrscheinlich halten, dass Geheimdienste Ihre E-Mail über solche Anbieter abwickeln würden, wenn Sie da nicht weitergehende Zugriffsmöglichkeiten haben. Ich will da jetzt auch gar nicht GMX und T-Online besonders hervorheben, das betrifft natürlich alle entsprechenden inländischen Anbieter. Solange wir als Wähler nicht verhindern, dass gesetzliche Grundlagen für derartige Zugriffe existieren, dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn sie stattfinden.

Die Überwachung wird mit der Bekämpfung des Terrorismus begründet. Das klingt nicht unplausibel. Nach dem Motto: Wenn die Geheim- und Sicherheitsdienste nicht auf den Online-Datenverkehr zugreifen können, haben Terroristen freie Fahrt auf der Datenautobahn.

Ich finde, dass man da gegenhalten muss. Terrorismus ist ja definiert als Einschüchterung, als Angriff, der nicht mich direkt angreift, sondern mir Angst macht und ich so meine Lebensart ändere. Das ist doch genau, was hier gerade passiert! Nur dass eben nicht „die Terroristen“ diesen Angriff durchführen, sondern die Geheimdienste. Dieses ewige „aber die Terroristen“ ist doch genau so hohl wie der Hinweis auf die angebliche parlamentarische Kontrolle. Im öffentlichen Diskurs muss mal jemand die Frage stellen, ob der real erlebte Terror nicht eher von den Diensten ausgeht, anstatt dass sie uns vor ihm schützen. Was wir schon alles im angeblichen Kampf gegen den Terror in unserem Leben ändern mussten!

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