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Internet-Serie „Quarterlife“ : Es passt nur in die Nische

  • -Aktualisiert am

Sie war's: Bitsie Tulloch spielt in „Quarterlife” die Video-Bloggerin Dylan Krieger Bild: AP

Als NBC während des Autorenstreiks verkündete, „Quarterlife“, die erste Internet-Serie, fürs Fernsehen gekauft zu haben, war der Jubel groß. Jetzt folgt der Katzenjammer: Gerade mal dreieinhalb Millionen Zuschauer haben die erste Folge eingeschaltet, ein desaströses Ergebnis.

          Mit einem doppelten Karriereschlenker ist die erste Internet-Serie im amerikanischen Fernsehen baden gegangen. Gerade mal dreieinhalb Millionen Zuschauer haben das von NBC aus dem Netz geklaubte „Quarterlife“ eingeschaltet, ein desaströses Ergebnis. NBC hat die Serie deshalb gleich wieder aus dem Programm gekippt, sie soll nun über den zu NBC gehörenden Kabelsender Bravo ausgestrahlt werden.

          Die Hollywood-Veteranen Ed Zwick und Marshall Herskovitz, beide jenseits der Fünfzig, hatten die Serie, die von sechs Mittzwanzigern aus der Internetgeneration handelt, vor vier Jahren zunächst als Fernsehpiloten an den Sender ABC verkauft, der das Stück aber verwarf. Zwick und Herskovitz, die mit „Thirty-Somethings“ und „My So-Called Life“ schon wunderbare Serien über Leben und Streben jüngerer Leute verfasst hatten, konzipierten das Stück sodann fürs Internet neu. Angesichts des Stoffs lag die Idee nahe: „Quarterlife“ dreht sich um Dylan (Bitsey Tulloch), die einen Videoblog über ihre fünf Mitbewohner führt und unter anderem enthüllt, dass die angehende Schauspielerin Lisa unter Minderwertigkeitskomplexen leidet und der debütierende Werbefilmer Jed in Debra, die Freundin seines Kompagnons und besten Kumpels Danny, verknallt ist.

          „Ladet eure Videos hoch“ - ein ungerührter Aufruf

          Herskovitz, der in der Serie als Lisas Schauspiellehrer auftritt, lud das Projekt mit Pathos auf. In einem Interview sagte er, die Umwidmung bringe eine tiefe Frustration über das Fernsehgeschäft zum Ausdruck. „Wir sind seit Jahren an unabhängiger Arbeit interessiert, und das Internet bietet uns diese Möglichkeit.“ Die Autoren bauten, während sie über MySpace achtminütige „Webisodes“ von „Quarterlife“ ausstrahlten, mit Quarterlife.com eine Community-Webseite drum herum, die sich als Netzwerk für angehende Künstler begreift und der ohnehin selbstreferentiellen Serie einen zusätzlichen Bezugspunkt im Netz verschaffte. Die beiden Fernsehautoren, so schien es, hatten die Ansprache des Internets begriffen.

          Er ist es: „Quarterlife”-Schöpfer Marshall Herskovitz mit anderen Darstellern am Set

          In der Unterhaltungsindustrie wurden Herskovitz und Zwick für ihre Innovationsfreude gefeiert, und der Jubel war groß, als NBC während des Autorenstreiks verkündete, die Serie fürs Fernsehen gekauft zu haben (siehe auch: Autorenstreik: Jeder gegen alle im Filmparadies von Hollywood). Inmitten der Auseinandersetzung über unfaire Verwertungsverträge blitzte ein Modell der Zukunft auf, wie es sich in der Musikbranche bewährt hat - unabhängige Künstler verbreiten ihre Werke zunächst im Internet und gelangen auf diese Weise an Plattenverträge oder Fernsehdeals - mit den Rechten in der eigenen Hand.

          Doch schon nach der ersten Folge von „Quarterlife“ auf NBC musste man sich eingestehen, dass es so einfach nicht ist, weil Fernsehen und Internet eben doch grundverschieden sind. Was im Netz als Nische ankommt - das Projekt durfte trotz magerer 150.000 Zugriffe pro Episode als Erfolg gelten, weil sein Netzwerk eine geschäftige Gemeinde entwickelte - gerät im Fernsehen zum dramatischen Flop. Was in der einen Richtung funktioniert - die Vermarktung von Fernsehserien im Netz - unterliegt in die andere offenbar ganz anderen, rigideren Gesetzen. Herskovitz selbst sagte in einer seltsam hellsichtigen Stellungnahme: „Ich war schon immer skeptisch, ob ,Quarterlife' die großen Zuschauerzahlen schaffen könnte, die zum Überleben auf einem Network-Sender nötig sind.“ Als Kapitulation ist das allerdings nicht zu werten. Ungerührt rufen Zwick und Herskovitz auf der Quarterlife-Website auf: „Ladet eure Videos hoch und arbeitet mit Ed und Marshall an der Schöpfung des nächsten Fernsehhits!“

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