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International Emmy : Verdiente Anerkennung für „Unsere Mütter, unsere Väter“

Begeisterung hinter der Bühne: Die Preisträger feiern den International Emmy für „Unsere Mütter, unsere Väter“ Bild: Reuters

Die ZDF-Miniserie „Unsere Mütter, unsere Väter“ hat in New York den International Emmy gewonnen. Dabei war der Dreiteiler international auf Kritik gestoßen. Den Preis gewinnt er aber sehr zu Recht.

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          Der Dreiteiler „Unser Mütter, unsere Väter“ hat den International Emmy gewonnen. Das ist bemerkenswert. Denn mit diesem Stück ist das ZDF ein Wagnis eingegangen. Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs aus der Perspektive von fünf jungen Leuten zu erzählen, deren Welt untergeht, war ein Akt der Selbsterkundung, der in Deutschland eine kontroverse Debatte auslöste und im Ausland auf teils schroffe Ablehnung stieß. Die Kritik in den Vereinigten Staaten war gespalten, in Polen war sich die Presse einig, dass die Darstellung antisemitischer Strömungen in der polnischen Widerstandsbewegung gegen Hitler nicht angemessen sei. Das ging so weit, dass der polnische Botschafter in Washington forderte, der Film dürfe nicht in amerikanischen Kinos gezeigt werden. Er lief dann doch, unter dem Titel „Generation War“, und erreichte ein überschaubares Publikum.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dieses jedoch konnte sich davon überzeugen, dass die Kritik an dem Dreiteiler mehr mit der nationalen Perspektive der Rezensenten zu tun hatte als mit dem Stück selbst. Um eine Entschuldung der Kriegsgeneration ging es dem Dreiteiler nämlich mitnichten. Der Produzent Nico Hofmann, der Drehbuchautor Stefan Kolditz und der Regisseur Philipp Kadelbach setzten in „Unsere Mütter, unsere Väter“ vielmehr schonungslos in Szene, wovon Großeltern ihren Kindern und Enkeln bald nicht mehr erzählen können – wie es war, in der NS-Zeit jung zu sein, das Grauen eines totalen Krieges und einer Herrschaft des Terrors zu erleben und dabei auf die eine oder andere Weise schuldig zu werden.

          Eine generationenübergreifende Debatte

          Von den fünf jungen Leuten im Film, Charlotte, Greta, Friedhelm, Viktor und Wilhelm, ist allein eine Figur frei von jedem Zwiespalt - der junge Jude Viktor, der dem Holocaust entkommt und sich dem Widerstand anschließt. Die vier anderen sind Zerrissene, zum Teil sind sie anfangs begeistert oder naiv, arrangieren sich mit dem Regime, gehen an die Front, werden Teil verbrecherischen Unrechts und mörderischen Wahnsinns, verlieren jeden Halt, kommen ums Leben.

          Schuldanteile einzelner Soldaten: Volker Bruch als Wilhelm im Film „Unsere Mütter, unsere Väter“
          Schuldanteile einzelner Soldaten: Volker Bruch als Wilhelm im Film „Unsere Mütter, unsere Väter“ : Bild: ZDF/David Slama

          Mit „Unsere Mütter, unsere Väter“, einem Projekt, an dem der Produzent Nico Hofmann zehn Jahre gearbeitet hat, ist es dem ZDF gelungen, eine generationenübergreifende Debatte anzuregen. Die Anerkennung durch den International Emmy, die internationale Ausgabe des wichtigsten Fernsehpreises der Welt, hat dieses Stück wahrlich verdient.

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