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Fridtjof Küchemann, Redakteur im Feuilleton

Jugendliche auf Instagram : Damit sie nicht zu Zirkusäffchen werden

Selbst Affen haben mit Selfies schon Millionen begeistert: Zwei Makaken, Vertreter einer Art, die den berühmtesten Selfie-Künstler des Tierreichs hervorgebracht hat. Bild: Picture-Alliance

In Brasilien hat eine Mutter ihrer Tochter die Social-Media-Konten mit 1,7 Millionen Followern gesperrt. Die Nachricht ist eine Wohltat.

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          Was machen Taytum und Oakley, Zwillingsmädchen, die schon im Alter von drei Jahren einen Marktwert von mehr als einer Million Euro hatten, wenn sie nicht gerade, von ihrer Mutter zurechtgemacht, für Instagram-Fotos posieren? Haben sich Ava Marie und Leah Rose, inzwischen zehn Jahre alt, je gefragt, wie wohl ihr Leben ohne den Instagram-Account „clementstwins“ mit seinen 1,9 Millionen Abonnenten aussähe? Wird der gleichaltrige Ryan Kaji es eines Tages müde werden, tagein, tagaus für seinen Youtube-Kanal ein neues Spielzeug auszupacken? Und was werden seine Eltern dazu sagen – immerhin steht der Junge seit 2018 ganz oben auf der Liste der Top-Verdiener der Video-Plattform? Im vergangenen Jahr soll er dem Wirtschaftsmagazin Forbes zufolge knapp dreißig Millionen Dollar verdient haben.

          Auch ohne Einnahmen in Millionenhöhe, auch ohne geschäftstüchtige Eltern im Hintergrund ist es für Kinder und Jugendliche schwer genug, sich dem Sog von Aufmerksamkeit und vermeintlicher Anerkennung in den sozialen Netzwerken zu entziehen. Selbst wenn sie nur zum Vergnügen Selfies oder kleine Tanzvideos hochladen. Mit einem solchen Programm hat es eine vierzehn Jahre alte Brasilianerin unter dem Namen Nina Rios bei Instagram und Tiktok auf 1,7 Millionen Follower gebracht. Die eigene Mutter jedoch war wenig begeistert über den Zu­spruch, den die Tochter mit ihren Aufnahmen erfuhr. „Es ist schwer genug für dich, mit vierzehn Jahren herauszufinden, wer du bist“, auch ohne dabei von zwei Millionen Menschen beobachtet zu werden, sagte die Ärztin in einer brasilianischen Fernsehsendung. „Es ist einfacher, sich zu verirren.“

          Um ihrer Tochter ein Leben als „trainiertes Zirkusäffchen“ zu ersparen, hatte sie deren Social-Media-Accounts gesperrt, die Empörung der Tochter und die ihrer Fol­lower über sich ergehen lassen, um auf Verständnis zu warten. Diese Nachricht ist eine Wohltat in einer Welt, in der Kinderstars gerade in dieser sensiblen Phase der Selbstfindung öffentlich vermarktet werden oder wie manch ehemalige Kinderstars zum Teil noch nach Jahrzehnten unter den Folgen leiden und dennoch vor Gericht mit ihrem Anliegen scheitern, wenigstens mit 39 Jahren ein selbstbestimmtes Leben führen zu dürfen.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

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