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Bodyshaming in Serie : Nur wer dünn ist, hat was vom Leben

  • -Aktualisiert am

Plötzlich nicht mehr „Fatty Patty“: Debby Ryan spielt in „Insatiable“ die Hauptrolle als Patricia Bladell, die sich für ein Dasein als blonder Racheengel entscheidet. Bild: Netflix

In der Netflix-Serie „Insatiable“ geht es um ein dickes Mädchen, das plötzlich schlank ist. Das Mobbingopfer wird zur Sexbombe. Das soll Kritik am Magerwahn sein, ist aber schwer als solche zu erkennen.

          In der Serie „Friends“, deren Finale in den Vereinigten Staaten 2004 sage und schreibe 51 Millionen Zuschauer verfolgten, gab es über die Staffeln hinweg einen wiederkehrenden Albtraum. Monica (Courteney Cox), die dunkelhaarige Schönheit mit den hohen Wangenknochen, erinnerte sich an ihre Zeit als „Fat Monica“. In Rückblenden gab Cox in unglaubwürdigem „Fatsuit“ eine einsame, faule, slapstickartig ungeschickte und dauernd Pizza mampfende Unglücksgestalt, woran dieser Tage die „Guardian“-Kolumnistin und Comedienne Sofie Hagen erinnerte. „Fat Monica“ verwandelte sich irgendwann in eine andere Person. Unter dem Speck zum Vorschein kam „die neue Monica“. Eine elegante schlanke Frau mit treuen Freunden, nervigem Kontrollzwang und Putzwahn, der von ihren Mitbewohnern aber weitgehend toleriert wurde.

          Den Erfindern von „Friends“, David Crane und Marta Kauffman, wegen des „Fat Monica“-Ulks „Body Shaming“ zu unterstellen, käme wenigen in den Sinn, zumal immer im Vagen blieb, ob die Körperobsession der „neuen Monica“ nicht nur eine weitere Neurose war und die Dicken-Rückblenden hanebüchene Übertreibungen ihrer Imagination zeigten. Aber damals gab es auch noch keine Twitter-Kampagnen und Petitionen wie „Stoppen Sie die Veröffentlichung der Netflix-Body-Shaming-Serie ,Unersättlich‘“, die, von der Londonerin Florence Given am 24. Juli auf „Change.org“ gestartet, bislang 231440 Unterzeichner zählt, Tendenz steigend.

          Seit dem 10. August, seit „Netflix“ trotz der Absetzungspetition die Serie „Insatiable“ (so der Originaltitel) weltweit gestartet hat, können sich die User selbst ein Bild davon machen, ob „Unersättlich“ wirklich Schaden insbesondere bei jungen Mädchen anrichtet, weil die Serie „nicht nur die toxische Wirkung von Diäten weiterhin aufrecht (hält), sondern auch die Objektivierung von weiblichen Körpern“ und Frauen suggeriere, „um beliebt zu sein, Freunde und Freundinnen zu haben, für den männlichen Blick begehrenswert und in gewissem Maße ein wertvoller Mensch zu sein ..., müssten wir dünn sein“, wie es in der Petition heißt.

          Man kann nicht schön genug sein. Das gilt für Hunde wie für ihre Halterinnen.

          „Dies ist kein Einzelfall, sondern Teil eines viel größeren Problems“. Auf Twitter tritt die Schauspielerin Alyssa Milano, die als Coralee eine der Hauptrollen der im stockkonservativen Georgia angesiedelten Serie spielt, zur Ehrenrettung an. Gerade das Thema, schreibt sie, wegen dessen man völlig zu Unrecht kritisiert werde, nämlich dicke Mädchen nur als Trauerklöße und Bullying-Opfer zu zeigen, adressiere man „durch Comedy“, man sei bewusst provokativ und nicht „politisch korrekt“. Schämen solle sie sich, gerade als Aktivistin der amerikanischen Frauenbewegung bei so etwas mitzuwirken, heißt es in einer der harmloseren Repliken. Inzwischen spricht die Schöpferin der Serie, Lauren Gussis, vom Versuch der Zensur. In „Unersättlich“ verarbeite sie eigene Erlebnisse als Heranwachsende, die sie bis an den Rand des Suizids gebracht hätten, dies sei also als authentische Zustandsbeschreibung des Alltags „fetter Mädchen“ anzusehen. Man solle, so die Verteidiger, „Insatiable“ die Chance geben, die es verdiene.

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