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„Innocence in Danger“ : Man muss nur die richtige Frage stellen

Im Fokus einer Kampagne: Stephanie zu Guttenberg Bild: dpa

Die „Frankfurter Rundschau“ hat eine Kampagne gegen den Verein „Innocence in Danger“ gestartet. Liegt es daran, dass Stephanie zu Guttenberg der Organisation vorsteht? Am Ende bleibt von allen Vorwürfen nichts.

          5 Min.

          Die „Frankfurter Rundschau“ und die „Berliner Zeitung“, die zum DuMont-Verlag gehören, haben in der vergangenen Woche über Stephanie zu Guttenbergs gemeinnützigen Verein gegen Kindesmissbrauch „Innocence in Danger“ berichtet. Die Überschriften lauteten: „Im Spendensumpf“ und „Undurchsichtige Finanzen, dubiose Methoden“. Dazu erschien unter dem Titel „Seriöse Vereine legen ihre Finanzen offen“ ein Interview mit Burkhard Wilke. Wilke führt die Geschäfte des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), an das sich Vereine wenden können, wenn sie ein „Spendensiegel“ erhalten wollen. Das Spendensiegel kostet allerdings Geld, jede Organisation muss sich fragen, ob sie es braucht. Die Geschichten in der „Frankfurter Rundschau“ stellten diese Frage nicht.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Sie streuten einen Verdacht und machten die Runde. In der „Badischen Zeitung“ war zu lesen: „Die Freifrau gibt sich zugeknöpft. Stephanie zu Guttenberg sammelt emsig Spenden für sexuell missbrauchte Kinder, ihr Verein ,Innocence in Danger' hält aber wenig von Transparenz.“ Die Agentur AFP titelte: „Unesco dementiert Zusammenarbeit mit Stephanie zu Guttenbergs ,Innocence in Danger'“. Vorgestern schließlich hatte der Autor Matthias Thieme, der die Kampagne auslöste, in der „Frankfurter Rundschau“ noch einige „Fragen an den Hilfsverein“. Er forderte: „Diese Vorgänge muss Stephanie zu Guttenberg aufklären.“

          Mediale Empörung

          Was war geschehen? Ein Spendenskandal? Matthias Thieme und Katja Tichomirowa, die mit ihrem Artikel in der „Frankfurter Rundschau“ die mediale Empörung auslösten, haben die Internetseite von „Innocence in Danger“ (“Verein mit dramatischem Namen“) besucht und dort keine Angaben darüber gefunden, in welche Projekte wie viel Spendengelder geflossen sind. Sie entdeckten auch kein Gütesiegel des DZI („Garant für Seriosität“). Stattdessen trafen Thieme und Tichomirowa auf die „Guttenbergsche Glitzerwelt“, in der „eisernes Schweigen“ herrsche. Sie erhielten auf ihre erste von mehreren Anfragen nicht sofort - will heißen binnen fünf Tagen - Antwort („Intransparenz statt Eloquenz“). Doch fanden sie heraus, dass „Innocence in Danger“ 2,5 Angestellte beschäftigt, die sich auf zwei Büros („Residenzen“) - eins in Berlin („repräsentativ“), eins in Köln - verteilen, und dass im Vorstand fast nur Adlige sitzen.

          Keinem der „Fachleute“, die sie befragten, sei Guttenbergs Verein positiv aufgefallen. Auf dessen Internetseite haben Thieme und Tichomirowa gelesen, dass „Innocence in Danger“ „1999 anlässlich einer Konferenz unter dem Segel der Unesco in Paris gegründet worden“ sei. „Eine pfiffige Formulierung“, die suggeriere, „die Unesco sei die Dachorganisation von ,Innocence in Danger' oder arbeite eng mit dem Verein zusammen. Nichts davon stimmt.“

          Nur dem Finanzamt verpflichtet

          Bis vor kurzem interessierte sich kaum jemand für „Innocence in Danger“. Dann wurde Karl-Theodor zu Guttenberg Verteidigungsminister und immer beliebter, Stephanie zu Guttenberg trat in der RTL-2-Sendung „Tatort Internet“ auf und erspielte neulich bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“-Prominentenraten 500.000 Euro für ihren Verein. Plötzlich interessierten sich ziemlich viele für „Innocence in Danger“.

          Um über Stephanie zu Guttenbergs Verein etwas zu erfahren, ist es tatsächlich keine schlechte Idee, dessen Internetseite zu besuchen. Dort sind sämtliche Projekte wie zum Beispiel das „Interaktive Präventionsmodellprojekt mit Jugendlichen gegen die Verbreitung von (sexualisierter) Gewalt via Internet, Handy, iPod und Co.“ oder die „Kunstwoche für traumatisierte Kinder“ aufgelistet und beschrieben. Wie viel Spendengelder der Verein im vergangenen Jahr eingenommen hat und in welche Projekte er sie jeweils investierte, ist auf der Internetseite bislang nicht vermerkt.

          Daran ist erst einmal nichts auszusetzen, da „Innocence in Danger“ nur dem Finanzamt gegenüber verpflichtet ist, seine Zahlen offenzulegen. Das geschieht jedes Jahr, weshalb „Innocence in Danger“ 2009 für fünf weitere Jahre seine Gemeinnützigkeit bestätigt bekam. Doch darf man Zahlen und einen Einblick in die Finanzströme des Vereins auch darüber hinaus erwarten. Es geht schließlich um Spenden.

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