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Nemi El-Hassan und der WDR : Häme, aber kein Antisemitismus

Sie selbst würde sich als Moderatorin einstellen: Nemi El-Hassan Bild: WDR/Tilman Schenk

Eine Initiative will im WDR-Rundfunkrat durchsetzen, dass Nemi El-Hassan doch Moderatorin der Sendung „Quarks“ wird. Warum?

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          Die Deutsche Initiative für den Nahen Osten (DINO) will im Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks noch einmal die mögliche Anstellung der Journalistin Nemi El-Hassan als Moderatorin der Wissenschaftssendung „Quarks“ zum Thema machen. Vertreten durch Jürgen Bremer, den früheren stellvertretenden Programmgeschäftsführer des Parlamentskanals Phoenix, will sie zum Ausdruck bringen, dass sie „die Absicht, die Ernennung von Frau El Hassan als ARD-Moderatorin zu vereiteln, für nicht legitim“ hält. Darauf lautet eine Stellungnahme zweier Kuratoriumsmitglieder der Initiative, des früheren israelischen Botschafters in Deutschland, Avi Primor, und des Historikers Moshe Zimmermann, die der F.A.Z. vorliegt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Nemi El-Hassan war in die Kritik geraten, weil man Auftritte und Äußerungen von ihr als antisemitisch werten kann. So „likte“ sie einen Instagram-Beitrag der antizionistischen, linken Organisation „Jewish Voice for Peace“ , der bejubelte, dass sechs palästinensische Häftlinge aus einem israelischen Gefängnis entkommen waren. Sie gehörten den Terrorgruppen Islamischer Dschihad oder den Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden an. Fünf von ihnen waren den Angaben zufolge an Anschlägen auf Israelis beteiligt, einer soll einen achtzehnjährigen Israeli entführt und ermordet haben. Die Unterstützung eines Aufrufs von „Jewish Voice for Peace“ als antisemitisch zu bewerten, schreiben Primor und Zimmermann, sei „per definitionem“ nicht möglich, da es sich hier um eine jüdische Organisation handele. Es sei „eher umgekehrt: eine jüdische Organisation zu delegitimieren – dies wäre als antisemitisch zu bezeichnen“. Nemi El-Hassans „gefällt mir“ sei „eher“ ein Ausdruck von „Häme“ gewesen, nicht Antisemitismus.

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