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Independent-Magazine : Sex, Partys und Zeitungspapier

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Magazin-Macher: Markus Peichl, Jörg Koch und Benjamin Ruth (von links) Bild: F.A.Z. - Andreas Pein

Die Zeiten waren nie besser, um anspruchsvolle Magazine zu machen. Nicht viele hätten darauf gewettet, dass sogenannte Independent-Magazine überhaupt so lange überleben. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis? Ein Interview mit drei Herausgebern.

          Nicht viele hätten darauf gewettet, dass sie so lange durchhalten, die neuen Independent-Magazine wie „Dummy“, „Qvest“, „Zoo“ oder „Monopol“, die vor etwa drei Jahren auf den Markt kamen. Es existieren noch alle, und ständig kommen neue dazu.

          Zu den interessantesten Zeitschriften gehören derzeit: „032c“, ein halbjährlich erscheinendes Magazin aus Berlin, das sich seit 2001 vom dünnen zweifarbigen Berliner Underground-Projekt zur international stilprägenden Zeitschrift für zeitgenössische Kunst entwickelt hat (und für den Mut, sich für das sogenannte „New Ugly“-Design des Grafikers Mike Meiré zu entscheiden, gerade von der „International Herald Tribune“ zum Magazin des Jahres gekürt wurde); das in 16 Ländern erscheinende Magazin „Vice“, das seit 2005 auch in Deutschland in Modegeschäften, Bars und Plattenläden verteilt wird und mit seiner hemmungslosen Sprache und einer Themenmischung aus Sex-, Drogen- und Sozialreportagen irritiert; und die großformatige Kulturzeitschrift „Liebling“, die der „Tempo“-Gründer Markus Peichl als Vorsitzender der Lead Academy 2006 zum „Newcomer des Jahres“ machte, bevor er dieses Jahr dort selbst als Herausgeber einstieg und das Heft neu gestalten ließ.

          Harald Staun sprach mit Peichl (50), Jörg Koch (33), dem Herausgeber von „032c“, und Benjamin Ruth (33), dem Herausgeber der deutschen Ausgabe von „Vice“.

          Herr Peichl, als Sie vor zwanzig Jahren die Zeitschrift „Tempo“ herausbrachten, etablierten Sie den Begriff „Zeitgeist“ in der Magazinbranche. Ist das heute noch eine relevante Kategorie?

          Markus Peichl: „Zeitgeist“ war eine Worthülse, die wir gewählt haben, weil alles und nichts hineingepasst hat. Man konnte sie mit einer neuen Sprache, einer neuen Ästhetik, neuen Ideen und neuen Inhalten füllen. Das hat sich dann verselbständigt und wurde zum Synonym für ein ganzes Zeitschriftengenre. Es war eher ein Unfall als ein bewusster Akt.

          „032c“ hat vor zwei Jahren eine Ausgabe zum Thema „True Zeitgenossenschaft“ gemacht. Was war denn damit gemeint?

          Jörg Koch: Da ging es mehr darum, dass man im Zeitalter der Remixe und Retro-Phänomene versucht festzustellen, was das originär Neue in unserer Zeit ist. Das Interessante ist die Strategie, die in beiden Fällen dahintersteckt: dass man sich als Magazin etwas ausdenkt. Das ist, glaube ich, der stärkste Moment eines Magazins, wenn es eine Art fantasy machine ist.

          Peichl: Zeitschriften haben eigentlich immer nur echte Relevanz, wenn sie ein Zeitgefühl definieren und prägen.

          Sind das nicht zwei verschiedene Dinge: das Abbilden einer Stimmung und das Erschaffen einer neuen Welt mit einer „fantasy machine“?

          Peichl: Deswegen sage ich „definieren“, nicht „abbilden“. Alle drei Hefte, die wir hier vertreten, haben den Anspruch, selbst ein Stück Kulturgut zu sein. Das Bestreben, etwas zu erschaffen, das im weitesten Sinn kreativ-künstlerisch ist, wird immer wichtiger werden, in allen Medien. Selbst die Tageszeitungen bewegen sich in diese Richtung - ganz einfach, weil wir in einer Zeit leben, in der jeder Mensch kreativ sein kann, über das Internet. Das erfordert natürlich auch eine veränderte Herangehensweise in den Printmedien.

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