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In Syrien umgekommener Reporter : Tod im Hinterhalt

Zahlreiche Syrer haben sich vor einem Krankenhaus versammelt und zünden Kerzen im Gedenken an Gilles Jacquier an, als dessen sterbliche Überreste aus dem Gebäude getragen werden Bild: AFP

Frankreich trauert um den Reporter Gilles Jacquier. Er war vermutlich in eine Falle geraten. Das syrische Regime gerät nun in harsche Kritik von Jacquiers Kollegen - und unter Mordverdacht.

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          Der Staatspräsident und sein Außenminister, das Parlament, alle Zeitungen und die audiovisuellen Medien haben den Fernseh-Kriegsberichterstatter Gilles Jacquier eindrücklich gewürdigt. Der Reporter arbeitete für das angesehene Magazin „Envoyé spécial“ des öffentlich-rechtlichen Programms France 2. Er war am Mittwochnachmittag in Homs, der Hochburg des Protests gegen den syrischen Machthaber Assad, umgekommen. Sein eigener Sender widmete ihm eine Hommage: „Gilles Jacquier verkörperte für uns die Werte der ‚Großen Reportage’ auf dem Gebiet der Kriegsberichterstattung, aber auch der gesellschaftlichen Recherchen.“

          Getöteter Reporter Gilles Jacquier: welche Rolle spielte Assads Regime?
          Getöteter Reporter Gilles Jacquier: welche Rolle spielte Assads Regime? : Bild: dpa
          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Der 1968 geborene Jacquier hatte für France 2 aus dem Kosovo und aus Afghanistan berichtet. Er war praktisch an allen Kriegsschauplätzen der vergangenen Jahre und wurde für seine Reportagen mehrfach ausgezeichnet. 2009 beim Festival von Angers, 2003 mit dem renommierten Prix Albert Londres, der ihm für eine Sendung über die zweite Intifada verliehen wurde. Jacquier ist der erste westliche Journalist, der seit dem Ausbruch der Proteste gegen Assad in Syrien ums Leben kam.

          Verdächtig schnelle Präsenz der syrischen Medien

          Zusammen mit einer Gruppe von Kollegen befand sich Jacquier auf Einladung der Regierung im Land. In Homs wurden sie völlig unerwartet mit Mörsergranaten beschossen. Mehrere Journalisten und Fotografen wurden verletzt, Jacquier und acht Syrer kamen ums Leben. Sie befanden sich in einem Quartier, das dem Diktator ergeben ist und von seinen Truppen kontrolliert wird. Die Teilnehmer der Journalistenreise sprechen von einer Propagandaveranstaltung: Man führte ihnen eine inszenierte Demonstration regimefreundlicher Menschen vor. Die Reporter wurden ständig vom Geheimdienst überwacht. Am Morgen war Jacquier daran gehindert worden, Szenen seiner Wahl zu filmen.

          Im französischen Rundfunk erklärte ein Reporter, die Gruppe sei womöglich von regimetreuen Soldaten gezielt unter Beschuss genommen worden. Denn danach habe es keinerlei Zwischenfälle gegeben: „Vielleicht war es ein Hinterhalt.“ Verdächtig schnell seien die syrischen Medien präsent gewesen, die alles filmten - und umgehend als Anschlag von Terroristen bezeichneten. Jacquier wurde in ein christliches Krankenhaus gebracht. Seine Kollegen mussten die Syrer daran hindern, sich vor dem Eintreffen des Botschafters der Leiche zu bemächtigen. Die französische Regierung und „Reporter ohne Grenzen“ verlangen von der Regierung in Damaskus eine Untersuchung. „Von einer Manipulation zu sprechen scheint mir zumindest verfrüht“, erklärte am Donnerstagnachmittag der Programmdirektor von France 2.

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