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Unterhaltungsfernsehen : Dann noch viel Spaß beim Rübenziehen mit Jörg Pilawa

  • -Aktualisiert am

Das war - Sie wissen schon: Kai Pflaume moderiert für die ARD eine Show, von der Kenner wissen, wann sie schon mal im ZDF lief. Bild: dpa

Was hält die Unterhaltungsbranche von der Fernsehunterhaltung? Gar nichts! So klang es jedenfalls auf dem „Showgipfel“ in Köln. Da wurde Tacheles geredet, wie man es nicht für möglich hält.

          Dass Stefan Raabs Abgang das Ende der deutschen Fernsehshow markiert, war bislang eine flotte These von Medienjournalisten. Jetzt darf man sagen: Es ist offiziell. Im Komed-Haus des Kölner Mediaparks, das so aussieht, wie man sich in den neunziger Jahren die Zukunft vorstellte, wurde soeben die Todesurkunde ausgefertigt. Doch dieser nüchterne Tonfall trifft es nicht: Was beim „Großen Showgipfel“, einem renommierten Branchentreff für Fernsehunterhaltungsschaffende, geschehen ist, lässt sich nur als Armageddon bezeichnen.

          Dass diese Abrechnung von innen überfällig war, macht nicht weniger verwunderlich, in welcher Schärfe sie erfolgte. Vielleicht hat es damit zu tun, dass das Medienberatungsunternehmen HMR International anstelle von Brainpool - viele Jahre fand der Showgipfel in Stefan Raabs „TV total“-Studio statt - die Produktionsfirma Ufa Show & Factual als Mitausrichter ins Boot geholt hat. Mit der Ufa-Tochter, die zum Fremantle-Media-Universum gehört, ist man ins Herz der Unterhaltungsfinsternis vorgestoßen, schließlich wird hier „Deutschland sucht den Superstar“, „Bauer sucht Frau“ oder „Das Supertalent“ fabriziert. Aber eben deshalb ist man möglicherweise desillusionierter als bei Brainpool, wo man stets Stefan Raab vor Augen hatte oder die auf demselben Gelände produzierte „heute show“. Tatsächlich änderte sich das Konzept des „Showgipfels“ erheblich. Nicht mehr „What’s next“-Beispiele aus aller Welt stehen im Vordergrund (es waren dann doch immer nur dieselben Tanz-, Koch-, Dating- und Würmerwürge-Shows), sondern Keynotes. Außerdem wurde das Treffen unter eine die Aufmerksamkeit bereits milde lenkende Leitfrage gestellt: „Warum ist der Ruf der Fernsehunterhaltung so schlecht?“

          „Wer ist der Pfleger und wer der Waran?“

          Der Kabarettist Wolfgang Trepper, der die Rolle des Hofnarren innehatte, also ungestraft die Wahrheit sagen durfte, brachte die naheliegende Antwort - weil eben die Fernsehunterhaltung so schlecht ist - als Erster zum Ausdruck. Er schoss in einem halbstündigen Trommelfeuer alles nieder, was sich da täglich auf den Bildschirm schleppt: von Zoosendungen („Man weiß nach zehn Minuten nicht mehr, wer der Pfleger ist und wer der Waran“) über Volksmusikshows („fünf geistig in der Polarnacht lebende Deppen werden auf die Bühne gezerrt und sondern Töne ab“) bis zu Scripted-Reality-Formaten wie „Familien im Brennpunkt“ („Quadrat-Assis machen Fernsehen für Vollidioten“). Das Publikum, also Produzenten und Senderverantwortliche, johlten vor Begeisterung.

          Dreimal die Zehn? Wer hat denn da vorgetanzt? Jorge González, Motsi Mabuse und Joachim Llambi (von links) verteilen in der RTL-Show „Lets Dance“ Haltungsnoten.

          Es folgte der Auftritt des Medienjournalisten Hans Hoff, der Treppers emotionale Analyse mit einer Reihe von Überlegungen und Prognosen unterfütterte, von denen eine düsterer war als die andere. Dass immer noch eine riesige Industrie hinter der Fernsehunterhaltung stehe - „ein Teil davon veranstaltet das hier heute“ -, könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieselbe „mausetot“ sei. Auch bei Leichen wüchsen die Fingernägel ja vermeintlich weiter. Der Untergang der Unterhaltung habe viel mit ihrer kompletten Sinnentleerung, unendlichen Vermehrung und völligen Beliebigkeit zu tun. Niemand erwarte heute mehr, dass in Shows wie „Deutschland tanzt“ Einzigartiges geschehen könne. An einer reinen Leistungsschau der lichtverarbeitenden Industrie seien aber zu Recht immer weniger Zuschauer interessiert. Allein der Fußball habe heute noch die Bedeutung, die früher großen Shows zukam. Auch hier: keine einzige Widerrede, dafür viel Zustimmung in der Pause.

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