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TV-Film „Hotel Heidelberg“ : Mutter glaubt, sie ist die Beste

  • -Aktualisiert am

So sieht Entgeisterung aus: Hermine (Hannelore Hoger, vorn) glaubt, sie habe alles im Griff. Die Entourage (Ulrike C. Tscharre, Stephan Grossmann und Christoph Maria Herbst) ist skeptisch. Bild: ARD Degeto/Martin Menke

In dem Fernsehfilm „Hotel Heidelberg“ geht es familiär zur Sache. Hannelore Hoger spielt eine Patriarchin der besonderen Art. Das Familiensilber versetzt sie im Spielcasino.

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          Bevor noch Hermine Kramer (Hannelore Hoger) den Mund zu einer ihrer berüchtigten Ansprachen an die Familie und das Volk im Allgemeinen öffnet, ist die Sache optisch schon klar. Wenig zaghaft bunte Flattermode umschmeichelt den Divenkörper, dem Whisky und Absinthgenuss im Strom der Zeit und der Weltläufte nur wenig anhaben konnten.

          Hermine hält sich. Ehemals linke Aktivistin, Althippie und Groupie, hat sie aus einer heruntergekommenen Villa am Neckar mit unverbaubarem Blick auf das Heidelberger Schloss vor dreißig Jahren eine Oase geschaffen. Herz und Seele des Hauses ist sie immer noch, allerdings auf ziemlich ungewöhnliche Weise. Während ihre individuelle Gastbetreuung Maßstäbe setzt, verzockt sie das Haus unbekümmert beim Pokern und macht ihrer ältesten Tochter Annette (Ulrike C. Tscharre), der Geschäftsführerin, das Leben nicht nur mit Angebereien schwer („habe mit Stephen Hawking über Quantenphysik diskutiert“), sondern auch auf der Bank. Esprit trifft auf lustvoll zelebrierte Boshaftigkeit und hält es ansonsten mit Karlsson vom Dach: „Was stört das einen großen Geist?“

          Die Stadt spielt mit

          Willkommen in Heidelberg, einer Stadt, die wie geschaffen scheint als Kulisse für das großsprecherische Ego der ausgeflippten Hotelbesitzerin, die Hannelore Hoger zwischen Nervensägentum und Grandezza schillern lässt. Andererseits ist die Stadt, die in „Hotel Heidelberg“ als Hauptdarsteller mitspielt, auch wieder zu klein für solch eine Frau. Selbst Günter (Rüdiger Vogler), emeritierter Professor und Feingeist, Vater der analytischen Philosophie vor Ort, hat die Gegenwart stiller Bücher, hat seit dreißig Jahren Hegel, Schelling, Fichte, Jaspers und Horkheimer der Gesellschaft seiner Frau vorgezogen.

          Sie soll den Laden schmeißen: Ulrike C. Tscharre spielt die Junior-Chefin in „Hotel Heidelberg“.

          Nun, nach einem Schlaganfall, bei dem der Verlust des Sprechens drohte, lebt er wieder im Hotel. Kommt aber immer noch kaum zu Wort. Genau wie Tochter Annette, deren Therapeut Ingolf Muthesius (Christoph Maria Herbst) sich ebenfalls einquartiert, weil er sich in seine Klientin verliebt hat. Was in dieser Familie (der Therapeut spricht von „System“) selbstredend nicht ohne Komplikationen abgeht. Zu den Angehörigen gehören weiter Schwester Flo (Nele Kiper), Biobauernhofbetreiberin, Bruder Stefan (Stephan Grossmann), Frankfurter Investmentbanker, der sich gründlich verzockt hat, sowie Annettes halbwüchsiger Sohn Jeremy (David Nolden), der mit Omas Unkonventionalität provozierend offensiv sympathisiert.

          Ein Gast steht vor dem Selbstmord

          Das ergibt eine ganz hübsche Familienaufstellung, die vor allem durch die schauspielerische Energie wirkt, mit der die Beteiligten agieren. Man nehme dazu „Menschen im Hotel“, ein immer wieder dankbarer Topos, und vermengt ihn mit ansehnlichen Postkartenmotiven, kleinen hübschen Nebengeschichten wie der des niederländischen Gastes, den die dysfunktionale Familie kollektiv von seiner Lebensmüdigkeit abbringen möchte.

          Natürlich muss vom Drehbuch (Martin Rauhaus) erst einmal der Weiterbestand des Hauses in Frage gestellt werden. Eigentlich ist alles vorhersehbar, und überhaupt hat man es hier arg mit dem Spiel mit Fallhöhen übertrieben (Regie Michael Rowitz). Annette darf in ihrer Kümmernatur nicht einfach überfordert sein, im Hintergrund wirkt eine Tragödie nach, die sie zum Perfektionismus erst gezwungen hat. Die Mischung allerdings stimmt und ist unterhaltsam. Der Mutter-Tochter-Dauerkonflikt gewinnt zudem gegen Ende ein paar berührende Noten, die zeigen, dass sich die Geschichte noch entwickeln kann.

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