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Nacktbilder auf dem Smartphone : Romeo und Julia sollten vorsichtig sein

  • -Aktualisiert am

Romantik per Selbstauslöser? Wer Selfies macht, sollte auf seine Kleiderordnung achten. Bild: AFP

Wer aufreizende Bilder von sich verschickt, riskiert nicht nur seine Privatsphäre: In North Carolina kann eine „Sexting“-Session schon mal im Gefängnis enden – wenn Teenager beteiligt sind.

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          Dreißig Stunden gemeinnützige Arbeit, Nachhilfe im „Gute Entscheidungen“-Treffen, Alkoholverzicht, ein Jahr Handyverbot und die Übernahme der Verfahrenskosten: Diesen Bedingungen musste eine Jugendliche im vergangenen Juli zustimmen, um nicht als Sexualstraftäterin registriert zu werden. Dasselbe ist jüngst ihrem Freund passiert. Beide hatten via Smartphone aufreizende Fotos von sich ausgetauscht.

          Das Problem: Bei dem Paar handelt es sich um zwei Teenager, ihre Nacktbilder nahmen sie auf, als sie sechzehn Jahre alt waren. Im Bundesstaat North Carolina sind sie somit vor dem Gesetz alt genug, um Sex zu haben. Aber sie können auch der Verbreitung von Kinderpornographie sowie des Missbrauchs Minderjähriger bezichtigt werden.

          Polizei durchsucht den Bilderbestand

          Der inzwischen Siebzehnjährige hätte jetzt nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden können, wäre es nicht zu einer Vereinbarung mit dem Gericht gekommen, der zufolge der junge Mann unter anderem wiederholten polizeilichen Durchsuchungen zustimmen musste. Eines der Nacktbilder auf seinem Handy zeigte seine Freundin – sie hatte das Foto selbst gemacht. Weitere vier Bilder waren Selfies des Jugendlichen.

          Aufgetaucht waren die Fotos, als die Behörden an der Schule zum Auftauchen von Nacktbildern ermittelten, die ohne Zustimmung der abgebildeten Person in Umlauf gebracht worden waren. Damit hatte der Siebzehnjährige aber nichts zu tun. Gleichwohl sah er sich dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs ausgesetzt und wurde als Täter und Opfer zugleich geführt.

          Ein solches Verfahren, meint Justin Patchin, Kriminologe und Gründer der Website cyberbullying.org, sei „dysfunktional“, da das Einverständnis beider Beteiligten gegeben gewesen sei. Normalerweise können solche Sachverhalte nach dem „Romeo und Julia-Gesetz“ abgewickelt werden – für Jugendliche gibt es Strafminderung, mit der Erwachsene bei einem ähnlichen Verhalten nicht rechnen können. Das gilt auch für das sogenannte „Sexting“, also den Austausch erotischer Botschaften auf dem Smartphone.

          Kritiker im Internet meinen, in Fayetteville, North Carolina, solle ein Exempel statuiert werden. Schätzungen zufolge sollen dreißig Prozent der amerikanischen Jugendlichen einander explizite Inhalte und freizügige Bilder schicken. Dass vor gut einem Jahr zahlreiche Nacktbilder von iCloud geleakt wurden, scheint nicht abzuschreckend zu wirken.

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