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Neuer ZDF Krimi „München Mord “ : Die Nichte, der Haudrauf und der Irre

Die Underdogs (v.l.): Bernadette Heerwagen, Marcus Mittermeier und Alexander Held klären Fälle auf, um die andere Kollegen lieber einen Bogen machen Bild: Jürgen Olczyk/ ZDF

Witzige Dialoge, schräge Charaktere und eine spannende Handlung: Die neue ZDF-Krimireihe „München Mord“ hat Qualitäten, die wir im öffentlich-rechtlichen Fernsehen lange vermisst haben.

          Hab’ ich jetzt einen Scheiß geträumt!“ Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) schreckt aus dem Schlaf hoch. „Was ist denn, Liebster?“, fragt ihn die Frau, die neben ihm liegt. Draußen schlägt eine Autotür. Jetzt wird es ungemütlich für die beiden: Der Ehemann steht vor dem Haus. Der Galan muss einen schnellen Abgang nehmen – im Adamskostüm ins Blumenbeet. Doch so leicht entkommt er nicht. Bevor Kommissar Neuhauser zum Dienst erscheint, hält ihm noch jemand eine Pistole unter die Nase.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Zuvor haben wir eine andere traute Szene gesehen: Der IT-Fachmann Fabian Lancelotti verabschiedet sich von seiner Frau. Er will noch schnell ins Fitness-Studio. „Um sieben gibt es Essen“, sagt Laura Lancelotti (Julia Koschitz). Sie wird ihren Mann nie wieder sehen.

          Strafversetzt in die Besenkammer

          Es ist nicht gerade ein Dreamteam, mit dem Ludwig Schaller (Alexander Held), einst Leiter der Mordkommission, seine neue Abteilung führen soll. Der Neuhauser sei so „unberechenbar“, sagt Schaller. Und die junge Kollegin Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) ist die Nichte des Polizeipräsidenten.

          „Da passt ihr doch gut zueinander“, antwortet Schallers Chef, lächelt maliziös und führt den Kollegen in die Abstellkammer, in der die Ermittler von nun an hocken sollen. Ermitteln sollen sie nicht. Sie sind zuständig für „Einstellungsverfahren“. Sie sollen Fälle zu den Akten legen. Noch Fragen?

          „Friss Vogel oder stirb“, sagt der Chef: Das ist die Perspektive für Kommissar Schaller, den manche nur „den Irren“ nennen. Er hatte sich in seinen letzten Fall derart verbissen, dass alle Angst vor ihm bekamen. Kein Wunder, schließlich saß er irgendwann halbnackt, mit Kriegsbemalung und einer Machete vor der Tür. Das hat mit der „induktiven“ Methode zu tun, die Schaller beim FBI gelernt hat. Er rekonstruiert den Fall, versetzt sich in die Lage des Opfers oder des Täters. Und findet dann so leicht nicht mehr aus seinen Rollen heraus.

          Auf ein Gläschen mit den Zeugen

          Die Nichte des Polizeipräsidenten, der Haudrauf und der Irre – wir sperren sie in einen Raum und werfen den Schlüssel weg. So war das gedacht. Doch es kommt selbstverständlich anders. Die drei kehren nicht den Dreck, den andere hinterlassen, weg oder unter den Teppich. Sie verfolgen Spuren, für die sich niemand interessiert hat.

          Also prüfen sie die Aussage von Laura Ancelotti, die denkt, ihr Mann sei ermordet worden; der in ihrem Dorf niemand glaubt, die, genau wie ihr verschwundener italienischer Ehemann von allen geschnitten und verleumdet wird.

          Auf frischer Lusttat ertappt: Harald (Marcus Mittermeier) und Stefany (Nina Brandt“ in „München Mord“

          Sie habe Liebschaften, er war bei der Mafia, sagen die Herren im Gasthof, von denen sich Ermittlerin Flierl zu ein paar Gläschen zu viel einladen lässt. Aber so bekommt sie heraus, was im Dorf wirklich läuft. Und das gibt dem nur scheinbaren Macho und dem vermeintlichen Irren, mit denen sie zusammenarbeitet, Gelegenheit, ihrerseits zu großer Form aufzulaufen.

          Endlich eine gute Produktion!

          Was Bernadette Heerwagen, Marcus Mittermeier und Alexander Held aus ihren Rollen machen, ist großes Kino. Die Drehbuchautorin Eva Wehrum hat sich nicht nur einen feinen Plot ausgedacht, auch die Figuren sind so angelegt, wie Schauspieler sich das nur wünschen können: Sie lassen sich ausgestalten, jede für sich und die drei zusammen. Es macht richtig Spaß, ihnen dabei zuzusehen.

          Allein der Auftritt von Alexander Held, der in voller Montur durch eine Autowaschanlage läuft und einem Verdächtigen zum Finale im Dialog eine Falle stellt, ist sehenswert. Von dem Regisseur Urs Egger wird das alles rundum stimmig in Szene gesetzt. Einen großen Beitrag zum Gelingen steuert auch Julia Koschitz in der Rolle der Laura Lancelotti bei.

          Der Programmdirektor Norbert Himmler hat also kürzlich im Interview mit dieser Zeitung nicht zu viel versprochen, als er sagte, die neuen Samstagskrimis des ZDF seien modern und humorvoll, ohne dass die Handlung vernachlässigt werde.

          Das soll ja angeblich auch die seit langem verankerte Serie „Wilsberg“ leisten. Doch wo einem bei „Wilsberg“ in Münster die Füße einschlafen, geht es in „München Mord“ richtig ab. Da gibt es Charaktere, witzige Dialoge, Situationskomik und einen echten Showdown. So kann es gern weitergehen.

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