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Der „Tatort“ aus Kiel : Ganz schön dunkel hier

  • -Aktualisiert am

Die Cybercrime-Spezialisten Cao (Yung Ngo, links) und Dennis (Mirco Kreibich, rechts) überprüfen mit Klaus Borowski (Axel Milberg) das Handy des Toten. Bild: NDR

Im „Tatort“ aus Kiel verschlägt es Kommissar Klaus Borowski ins Darknet. Dort darf er feststellen: Internetwissen und Computerrecherche sind kein Ersatz für Instinkt.

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          Zu den Kommissaren Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) fällt dem LKA-Mann Wolfgang Eisenberg (Michael Rastl) nur Ätzendes ein: Ersterer sei „aufgeblasen, eingebildet, überschätzt“, Letztere „seine Kaffeetasse“. Borowski lebe noch in der Fingerabdruck-Ermittlungswelt, das LKA in Kiel dagegen habe mit „Schakal“ modernste Polizeisoftware am Start. Die personelle Ausstattung und Unterbringung der Abteilung „Cyber Crime“ erinnert indes eher an eine IT-Garage: ein Doppelschreibtisch, ein paar Computer, Server und eine Kammer mit beschlagnahmten Festplatten und Speichersticks – mehr ist nicht geboten für die beiden Mitarbeiter Cao (Yung Ngo) und Dennis (Mirco Kreibich).

          Einen einzigen spektakulären Fall hatten die Nerds zwei Jahre zuvor: Da enttarnten sie einen Drogenumschlagsplatz im Darknet. Seither ist das Duo ein daueranalysierendes, aber eigentlich aber unterbeschäftigtes Kompetenzteam. Immerhin kann es in „Borowski und das dunkle Netz“ der Titelfigur Digitalnachhilfe geben. In neunzig Minuten legt der Kommissar eine steile Lernkurve hin. Sarah Brandt dagegen ist als ehemalige Hackerin ganz in ihrem Element.

          Die visuellen Anleihen eines Ego-Shooter-Spiels

          Instinkte können durch Internetwissen und Computerrecherche glücklicherweise nicht ersetzt werden. Das ist die heimelige Sonntagsbotschaft aus Kiel. Ansonsten hält sich das Heimelige dieses Mal ziemlich in Grenzen. Die Episode beginnt visuell wie ein Ego-Shooter-Spiel. Ein Auftragskiller (Maximilian Brauer) in Wolfsmaske dringt in ein Fitnesscenter ein, in einer Hand eine Pistole, in der anderen ein Foto seines Opfers. Wir sehen aus der Perspektive des Täters, wie er Raum für Raum absucht und schließlich den Gesuchten erschießt. Der Tote war Leiter des Dezernats „Cyber Crime“.

          Die Kieler Polizisten finden den Mörder. Das aber ist nur der Auftakt zu weiteren Morden. Die Motive bleiben rätselhaft. So lange, dass Borowski lernen kann, was Bitcoins sind, dass das Darknet zum sogenannten Arabischen Frühling beigetragen habe und dass die Spur der Kieler Mörder ins LKA zu führen scheint. Statt auf in Dialoge gepackte Informationen setzt dieser „Tatort“, der nichts für Zartbesaitete ist, auf eine visuell anspruchsvolle Gestaltung. Ein animierter Borowski taucht zum Beispiel zusammen mit der Comicfigur Dennis via Erklärfilm ins Darknet ein. Benedict Neuenfels als Bildgestalter fällt viel Treffendes zur Visualisierung des Netzes ein. Gespart hat das Drehbuch von Thomas Wendrich und David Wnendt (der auch Regie führt) bei den Nebenfiguren, die blass bleiben.

          Mit „HAL“ und „Das Echolot“ gab es schon zwei sehenswerte „Tatorte“, die sich mit Netzwelten beschäftigten. „Borowski und das dunkle Netz“ wirkt erzählerisch und dramaturgisch komplexer als die beiden Vorgänger, findet seine Lösung aber schließlich in der klassischen analogen Verbrecherwelt. Das Motiv ist antik: Gier. Zukunftsweisend dagegen wirkt Sibel Kekilli in bei ihrem vorletzten Auftritt als Sarah Brandt. Vielleicht sollte man beim NDR darüber nachdenken, eine Serie aufzulegen, in der Sarah Brandt ihre Wirkungsstätte ganz ins Netz verlegt – und Borowski hin und wieder assistieren darf.

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