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Im Gespräch: Uli Baur : Es geht um klaren Journalismus

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Seit der ersten Ausgabe dabei: Uli Baur, noch bis Ende des Jahres Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Focus“ Bild: dpa

Ende des Jahres gibt Uli Baur die Chefredaktion des „Focus“ an Jörg Quoos ab, der von der „Bild“ kommt. Im Interview spricht er über die Hintergründe des Wechsels.

          Zum Jahreswechsel treten Sie als Chefredakteur des „Focus“ zurück und werden Herausgeber. Von Beginn an haben Sie das Magazin geführt, als stellvertretender Chefredakteur an der Seite von Helmut Markwort, seit knapp einem Jahr als dessen alleiniger Nachfolger, zuvor gab es für ein paar Monate eine Doppelspitze mit Wolfram Weimer. Warum dieser Schritt jetzt? Ist das Ihr Wunsch, oder schiebt man Sie aufs Altenteil?

          Nein, das entspricht absolut meinem Wunsch. Ich arbeite seit 35 Jahren im Journalismus und bin seit 1993 bei „Focus“. Ab nächstem Jahr werde ich einfach weniger arbeiten und meinen ganz privaten Lebensplan verfolgen. Der Wechsel in der Chefredaktion ist seit langem verabredet gewesen. Ursprünglich wollte ich schon 2009 die Chefredaktion abgeben. Aber der Vorstand hat mich damals umgestimmt, weshalb ich meinen Vertrag als Chefredakteur bis Ende 2012 erfülle. Aber es war immer klar, dass ich danach aufhöre. Was die Doppelspitze angeht: Die war seit 2004 mit Helmut Markwort und mir sehr erfolgreich. Die Fortsetzung mit Wolfram Weimer hat halt nicht funktioniert, weshalb ich mir vor einem Jahr geschworen habe: Nie wieder Doppelspitze, es sei denn, ich mache mit einem Freund eine Kneipe auf.

          In der Branche heißt es bei solchen Gelegenheiten: Das muss an der stagnierenden oder sinkenden Auflage liegen. Oder daran, dass der Chef keine guten Ideen mehr für Titelgeschichten hat, über die sich ein Magazin wie „Focus“ am Kiosk verkauft.

          Ja, nur dass der Fall „Focus“ völlig anders liegt, eben weil wir sehr erfolgreich sind. Wir haben die Auflage in der harten Währung - dem Verkauf im Einzelhandel und am Kiosk - in den vergangenen sechs Quartalen fünf Mal gesteigert. Wir haben ein Plus bei den Anzeigenbuchungen und eine Reihe neuer monothematischer Magazine in den Markt gebracht wie „Focus Spezial“ oder „Focus Gesundheit“, die sich sehr gut verkaufen und ebenfalls schwarze Zahlen schreiben. Ich gebe zu: Wir haben gegenüber dem Vorjahresquartal etwas an Auflage verloren. Aber das ist einem Sondereffekt geschuldet, da wir 2011 eine Jubiläumsausgabe zum Preis nur von einem Euro hatten, die sich enorm gut verkauft hat und die Auflage nach oben zog.

          Ihr Nachfolger Jörg Quoos war zwanzig Jahre lang bei der „Bild“-Zeitung. Da könnte man denken, dass bei „Focus“ nicht nur ein Personal-, sondern auch ein Kurswechsel ansteht. Stichwort: Jetzt wird es boulevardesker?

          Ja, das war zu lesen und ist absolut falsch. Jörg Quoos kenne ich seit einigen Jahren. Er steht für klaren Nachrichtenjournalismus und war bei „Bild“ die meiste Zeit für Politik zuständig. Ich habe öfter mit ihm über „Focus“ gesprochen und weiß, dass er unser Magazin versteht. Ich bin mir daher sicher, dass er der richtige Mann ist und dass er sehr gut hier hinpasst. Aber inhaltlich braucht „Focus“ keinen Kurswechsel.

          Haben Sie bei der Wahl Ihres Nachfolgers mitgewirkt?

          Nein, das habe ich nicht. Unser Verlagsvorstand Philipp Welte hat Jörg Quoos ausgesucht. Aber Ich wurde immer auf dem Laufenden gehalten, das war Teil der Abmachung mit dem Vorstand.

          Gilt denn nicht nur für Sie persönlich, sondern für das Haus Burda nun: Bei „Focus“ kann es nur einen (Chefredakteur) geben.

          Für den gesamten Verlag kann ich da nicht sprechen. Ich persönlich glaube aber, dass Doppelspitzen nur in ganz besonderen Fällen funktionieren, und bei „Focus“ sehe ich das auf längere Sicht nicht.

          Muss sich „Focus“ neu orientieren? Mit Markworts „Fakten, Fakten, Fakten“ fing es an. Dann war von „Fakten mit Haltung“ die Rede. Was gilt jetzt?

          Natürlich arbeitet man ständig am Blatt, aber der Kern bleibt. Seit ich alleine verantwortlich bin - und die Redaktion wieder mit großem Engagement und Freude mitzieht -, geht es um klaren und ordentlich recherchierten Journalismus. Ich will jede Woche ein Blatt machen, das jene Menschen interessiert, die ich als „bürgerlich-verantwortungsbewusst“ bezeichnen möchte. Die Leistungsträger, auf deren Schultern unsere Republik steht, die Schaffer und Macher, von der Krankenschwester bis zum Chefarzt, vom Facharbeiter bis zum Ingenieur.

          Sie werden Ihre Präsenz in Berlin von fünfzehn auf dreißig Redakteure verdoppeln. Wird aus dem Münchner am Ende ein Berliner „Focus“?

          Nein. Burkhard Graßmann, der Geschäftsführer der Burda News Group, und ich waren uns einig, dass wir „Focus“ in Berlin stärken müssen, weil die Hauptstadt immer wichtiger wird, auch abseits des politischen Betriebs. Deswegen werden wir die Redaktion in Berlin in allen Bereichen aufrüsten. Bis Ende des Jahres sollen dort rund dreißig Kollegen arbeiten. Aber in München wird weiter das Blatt gemacht.

          Welche Rolle werden Sie als Herausgeber spielen? Ein Chefredakteur - Jörg Quoos, zwei Herausgeber - Helmut Markwort und Sie: Da könnte man denken, die Altvordern können von ihrem Magazin nicht lassen.

          Ich kann das schon. Ich habe inzwischen mehr als tausend Ausgaben des „Focus“ gemacht. Dafür bräuchte der Chefredakteur eines Monatsmagazins 83 Jahre. Trotz der großartigen Unterstützung trägt man als Chefredakteur am Ende die Verantwortung, und die gebe ich nun beruhigt ab. Am Anfang werde ich ein aktiver Herausgeber sein, wenn Jörg Quoos das so will. Wann immer er mich braucht, werde ich zur Stelle sein. Aber Erfolge werde ich nicht mehr teilen, sondern stattdessen immer sagen: Das war der Quoos! Und wer mich kennt, weiß, dass ich das auch so meine. Zu meinem Vertrag gehört auch, dass ich für die Titel der Burda News Group beratend tätig sein werde. Und vielleicht basteln wir auch noch einmal etwas Neues.

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