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Im Gespräch: Stefan Aust : Wir wollen Geschichten neu erzählen

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Stefan Aust: Die Magazin-Konkurrenz „hat oft mehr Exemplare in der Luft als auf dem Boden” Bild: Frank Röth

Mit den Verlagen WAZ und Springer wollte der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust ein multimediales Magazin mit dem Titel „Woche“ gründen. Die Partner ließen ihn im Stich, aber Aust macht zunächst alleine weiter.

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          Wird das nun überhaupt noch etwas mit Ihrem Projekt, ein neues Magazin mit dem Arbeitstitel „Woche“ zu gründen - und haben Sie nicht zu früh öffentlich über Ihre Pläne geredet?

          Ich bin nach wie vor optimistisch. Aber genau weiß ich das natürlich nicht. Die wirtschaftliche Lage - auch und besonders bei den Medien - ist schwierig. Wir arbeiten seit mehr als einem Jahr an dem Projekt, da habe ich mich gewundert, wie wenig anfangs durchgesickert ist. Es sind immerhin mehr als zwanzig Leute beteiligt gewesen. Ich selbst habe Medienjournalisten gegenüber niemals etwas Konkretes gesagt. Da gab es viele Mutmaßungen und einmal sogar den Abdruck unserer Telefonliste als angebliche Mitarbeiterliste. Und dann hat Bodo Hombach von der WAZ zum erstem Mal Einzelheiten verkündet. Dafür hatte er aber sicher seine Gründe. Ich will das gar nicht kritisieren. Die große Aufmerksamkeit hat dem Projekt sicher geschadet. Das war mir immer klar.

          Der Verlag der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) und der Axel Springer Verlag haben ihren Ausstieg aus dem mit Ihnen gemeinsam geplanten Projekt mit dem „gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld“ begründet. Können Sie das nachvollziehen?

          Wir wissen alle, dass wir in wirtschaftlich turbulenten Zeiten sind. Das Anzeigenaufkommen der Magazine und Fernsehsender ist rückläufig, und vieles von dem, was augenblicklich im Markt ist, wandert ins Internet ab.

          Mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) und dem Axel Springer-Verlag wollte Aust das Magazin „Woche” gründen

          Ist das Umfeld nicht schon länger so, wie es jetzt ist?

          Ja, ganz sicher. Nur, man kann davon ausgehen, dass das nicht so bleibt und auf jeden Abschwung, so war es bisher immer, auch ein Aufschwung kommt. Ich glaube, dass für Neugründungen wirtschaftlich schwierige Zeiten wahrscheinlich besser sind als Boomzeiten.

          Die WAZ hat Sie im letzten Jahr beauftragt, den Markt für Printmedien hinsichtlich der Entwicklung neuer Produkte zu analysieren. Daraus wurde dann das Projekt „Woche“.

          Wir haben von der WAZ den Auftrag bekommen, ein journalistisches Konzept für ein Wochenmagazin zu entwickeln. Ich habe von vornherein gesagt, dass das nur Sinn hat, wenn man gleichzeitig eine Internet-Variante entwickelt, die die Möglichkeiten etwa des iPads einbezieht. Den Markt hat der Bereich Zeitschriften der WAZ-Gruppe analysiert. Bei der WAZ-Gruppe bringen die Zeitschriften nach wie vor gutes Geld. Wir sind der WAZ sehr dankbar dafür, dass uns diese Entwicklung ermöglicht wurde. Ich bedaure natürlich, dass wir das Projekt nicht gemeinsam realisieren können. Ich habe viel dabei gelernt.

          Bodo Hombach hat Anfang März angekündigt, Sie stünden kurz davor, eine neue Online-Plattform zu präsentieren. Wie sieht Ihr Konzept für ein Hybridprodukt Print-Online denn aus?

          Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie Journalismus in Zukunft aussehen wird, wenn er im Internet stattfindet, auf Geräten wie dem iPad. Da kann man Hintergrundgeschichten zu aktuellen Ereignissen mit Bildern und Filmmaterial zu einer ganz neuen journalistischen Form aufbereiten.

          Sie möchten das Projekt auch nach dem Rückzug von WAZ und Springer weiterführen. Ist das Projekt nicht verbrannt, nachdem ihm die Medienriesen als Financiers abgesprungen sind?

          Das hat die Sache nicht erleichtert. Aber ich habe ja nicht nach Partnern gesucht. Das ist häufig falsch berichtet worden. Die WAZ wollte das von Anfang an nicht alleine machen, deshalb hat sie nach Partnern gesucht. Nicht ich. Allerdings habe ich beim Vertragsabschluss Wert darauf gelegt, dass, falls die WAZ das Projekt nicht realisiert, die Rechte an mich zurückfallen. Schließlich steckt meine gesamte journalistische Erfahrung darin.

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