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Im Gespräch mit Volker Herres : Das Publikum lässt sich nicht erziehen

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Demnach will das Publikum mindestens zweimal im Monat in der ARD einen Film mit Christine Neubauer sehen, am besten in Afrika.

Christine Neubauer ist eine hervorragende Schauspielerin, und deswegen hat sie im Ersten ihr richtiges Zuhause.

Wie wichtig sind denn die Sendergesichter, also Moderatoren und Schauspieler, die einen Sender geradezu verkörpern?

Reden wir jetzt über das ZDF?

Auch. Sie meinen „Mit dem Kerner sieht man besser“? Das gibt es doch aber bei der ARD auch, vielleicht nicht nur mit einem Protagonisten, dafür mit Beckmann, Maischberger, Lierhaus, Pilawa, Neubauer?

Wir haben noch viele andere. Bei Christine Neubauer wissen wir, dass die Zuschauer sie in ihren Rollen sehr, sehr schätzen. Warum sollten wir sie nicht besetzen? Wir machen Fernsehen für Zuschauer, wie sie sind. Erfolgreiches Fernsehen funktioniert über Protagonisten, die eine Identifikation mit dem Kanal herstellen, das ist in allen Genres so.

Ist bei der ARD so eine Art Info-Superstar denkbar, wie ihn das ZDF mit Claus Kleber auf den Schild gehoben hat?

Das kann ich mir bei der ARD so nicht vorstellen. Wir sind ein föderaler Verbund. Eine Info-Supernase wäre für die ARD zu wenig.

Wenn ich auf das Star-Wesen schaue, auf Galas oder die Boxnächte in ARD und ZDF, frage ich mich: Gibt es eigentlich überhaupt noch etwas, wodurch sich ein öffentlich-rechtliches von einem privaten Programm unterscheidet?

Ich halte das ganze Gerede von der Konvergenz der Programme - mit Verlaub - für Quatsch. Das real existierende Programm des Ersten unterscheidet sich in einem Maße von jedem kommerziellen Angebot, wie es deutlicher nicht sein könnte. Mit sechs Stunden tagesaktueller Information, Hintergrundberichterstattung zu Politik im In- und Ausland und Wirtschaft, hervorragendem, investigativem Journalismus in den politischen Magazinen, im Fiktionalen wählen wir unsere Stoffe allein nach inhaltlichen Gesichtspunkten aus - es gibt so viele Unterschiede, und das muss und wird auch so bleiben.

Dann müssten Sie aber einmal im Monat einen Abend wie den mit dem Film und der Dokumentation zu „Mogadischu“ bestreiten.

Das hat in der Tat große Bedeutung für die ARD: millionenfache Akzeptanz für ein sehr anspruchsvolles, inhaltlich relevantes Programm. Das ist der Glücksfall öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Wir haben ein solches Programm in einer Vielzahl, die wir vielleicht noch deutlicher herausstellen müssen. Wir haben 2009 die „Buddenbrooks“, den „Baader-Meinhof-Komplex“, „Romy Schneider“ und die Verfilmung von Marcel Reich-Ranickis Autobiographie. Zudem wird 2009 ein sehr politisches Jahr, wir haben die Bundestagswahl, fünf Landtagswahlen, den sechzigsten Jahrestag der doppelten Staatsgründung und zwanzig Jahre Mauerfall.

Was die ARD aber 2009 von fast allen anderen trennt: Sie muss sich wirtschaftlich überhaupt nicht einschränken.

Die Zeit der größeren Zuwächse ist auch für die ARD vorbei. Ich gehöre aber nicht zur Fraktion derer, die immer jaulen. Wir bekommen eine leichte Erhöhung der Gebühr, die hält sich in Maßen. Damit können wir arbeiten. Gleichwohl verkenne ich nicht, dass die Gesellschaft im Zeichen der Wirtschaftskrise in vielen Bereichen mit deutlich schlechteren Rahmenbedingungen zurechtkommen muss. Das muss sich auch in unserer Berichterstattung niederschlagen.

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