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Im Gespräch mit Volker Herres : Das Publikum lässt sich nicht erziehen

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Welche Lösung dürfen wir nach „Schmidt & Pocher“ erwarten? Im April 2009 endet die gemeinsame Show.

Ich bin ein großer Fan von Harald Schmidt und ein großer Fan von Oliver Pocher. Ich finde, dass diese Kombination sehr gut aufgegangen ist. Das kann man auch an objektiven Zahlen festmachen. Seit es „Schmidt & Pocher“ gibt, findet die Sendung in allen Altersgruppen guten Zuspruch. Wir haben sehr viele junge Zuschauer gewonnen, seit Oliver Pocher dabei ist. Ich würde mir wünschen, dass beide Protagonisten im Ersten bleiben, und ich glaube auch, dass es dazu kommt.

In einer Sendung oder in zwei?

Wir sind mitten in den Gesprächen, aber es sieht mehr nach „Nimm 2“ aus. Schmidt hat eine neue Formatidee. Und dann würde es mich freuen, mit Pocher etwas Eigenes zu entwickeln, denn ich möchte ihn gerne weiterhin im Ersten sehen.

Haben Sie nicht den Eindruck, dass Schmidt seine gewohnte Drohung wahr macht und das Fernsehen drangibt?

Nein, ganz im Gegenteil. Er hat Lust auf Neues.

Aber passt Oliver Pocher zum Ersten?

Pocher geht an die Grenzen, in jeder Hinsicht. Sie können nicht beides haben: Auf der einen Seite wird von uns immer verlangt, wir sollen frecher, mutiger sein und junge Leute erreichen. Und das mit Artigkeit? Das schließt sich gegenseitig aus. Wenn man junge Leute erreichen will, muss man sie schon nehmen, wie sie sind.

Sie nehmen Pocher also nicht übel, dass er Sie mal persönlich mit seinem Mikro überfallen hat, bei einem fröhlichen Zusammensein hinter den Kulissen?

Das habe ich ihm keine Sekunde lang übelgenommen. Ich bin vom Naturell her schon kein Übelnehmer. Das ist seine Masche, wenn man sich darauf einlässt, hat man selber Schuld.

Also alles klar auf der AR-Doria und nirgends etwas zu verbessern.

Es gibt immer Möglichkeiten, etwas zu verbessern. Ich bin zum Beispiel nicht zufrieden mit unserem Zuspruch am Montagabend, und auch im Vorabendprogramm können wir noch besser werden. Ich möchte aus dem Ersten keinen Jugendkanal machen, aber das Programm immer wieder interessant zu machen für die nachwachsenden und jüngeren Generationen ist eine stetige Aufgabe.

Bei der Bundesliga bleiben Sie am Ball, aber Sie verlieren vielleicht die Olympischen Spiele, zumindest 2014 und 2016.

Was mich bedrückt, ist, dass das Internationale Olympische Komitee nicht richtig einschätzt, welche Bedeutung die Spiele bei uns haben und wie breit wir die ganze Zeit über die Sportarten berichten. Wenn ich mir vorstelle, dass ARD und ZDF die Olympischen Spiele nicht haben, dann könnte das auch Konsequenzen für die Berichterstattung zwischen den Spielen haben. Ich denke, wir würden jeden einzelnen Lizenzvertrag überprüfen. Ich will jetzt keine bestimmten Sportarten nennen.

Das ist eine handfeste Drohung.

Das ist keine Drohung im Sinne einer Erpressung, aber das ist etwas, das man als Programmverantwortlicher sofort mit bedenken muss. Einzelne Sportverbände sehen das bereits, das IOC vielleicht noch nicht.

Warum ist es - für alle Sender - so schwierig, das Publikum für - neue - deutsche Serien zu gewinnen? Bei der ARD etwa für „Türkisch für Anfänger“?

Erfolgreiche Serien im Fernsehen zu kreieren, das ist schon das Schwierigste. Mit „Türkisch für Anfänger“, das sehr gut gemacht ist, haben wir in der Tat nicht den erhofften Erfolg. Wir haben aber jede Menge erfolgreiche Serien, etwa am Dienstag. Montags war der „Winzerkönig“ ein Erfolg, „Mord mit Aussicht“ finde ich von der Machart sehr vielversprechend. Das Wichtigste ist, dass man mit den Serien Geduld hat. Aber das Publikum erziehen und Sehgewohnheiten brechen zu wollen, das ist nahezu unmöglich. Die Zuschauer haben eine bestimmte Erwartung an ihren Kanal.

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