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Im Gespräch: Katharina Thalbach : Wir im Osten hatten mehr Sex und mehr zu lachen

  • Aktualisiert am

„Denken macht Spaß!”: Katharina Thalbach Bild: ddp

Katharina Thalbach kennt die DDR und die Bundesrepublik, stand dort und hier auf der Bühne wie vor der Kamera. Und ärgert sich über schlechte Witze, arrogante Kapitalisten und gesamtdeutschen Kleinmut.

          4 Min.

          Katharina Thalbach kennt die DDR und die Bundesrepublik, stand dort und hier auf der Bühne wie vor der Kamera. Und ärgert sich über schlechte Witze, arrogante Kapitalisten und gesamtdeutschen Kleinmut.

          Frau Thalbach, Sie haben mehr als zwanzig Jahre in Ostdeutschland, mehr als dreißig Jahre in Westdeutschland verbracht. Wo sind Sie daheim?

          In mir.

          Als Elisabeth I. in „Maria Stuart” in Potsdam (mit Robert Dudley)

          Wie setzen Sie das zusammen?

          Aus einem Nachkriegsberlin fast à la Zille, aus einer sehr intensiven Mauerzeit samt einer Aufbruchsphase in der DDR, dann aus einer Emigrationszeit in West-Berlin, das irgendwann mein Zuhause wurde. Und natürlich aus dem neuen, vereinigten Berlin, das ich als ein totales eklektizistisches Konglomerat in jeder Beziehung wahrnehme und liebe.

          Gibt es heutzutage noch einen Unterschied zwischen Ost und West?

          Ich denke schon, so schnell kann die Teilung nicht überwunden werden. Sie beschäftigt mich derzeit freilich nicht sehr, muss ich zugeben. Doch ich erinnere mich gut daran, dass die Westdeutschen weder vor noch nach der Maueröffnung besonders neugierig auf die DDR waren, die hatten immer nur ihre vorgefassten Urteile und Klischees im Kopf. Als ich in den Westen kam, war ich schockiert, wie wenig die ganz normalen Leute – das war keine Klassen- und keine Altersfrage – von uns wussten und wissen wollten. Das hat sich, finde ich, bis dato kaum geändert.

          Sie verließen die DDR 1976 nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann zusammen mit Ihrem Lebensgefährten, dem Schriftsteller und Filmemacher Thomas Brasch. Haben Sie die DDR in der Zeit bis zur Maueröffnung besuchen können?

          Mehrere Jahre lang durften wir beide nicht rüber. Dann haben wir an Erich Honecker geschrieben und darum gebeten, wieder einmal einreisen zu dürfen, genau wie es allen möglichen anderen Leuten, ob Jurek Becker, Angelica Domröse oder Hilmar Thate, auch erlaubt wurde. Als Antwort erhielten wir neue Pässe, gültig für drei Jahre, die Staatsbürgerschaft war uns ja nie aberkannt worden. So bin ich ungefähr 1985 aus West-Berlin nach Ost-Berlin gefahren. Aber ich gehörte nicht mehr dazu. Und die meisten alten Freunde waren inzwischen wie wir im Westen. Unsere Sehnsucht war ohnedies ziemlich geschrumpft, weil wir so lange hatten wegbleiben müssen. Da gab es einen ganz klaren Schlussstrich.

          Obwohl Sie nicht die besten Erfahrungen gemacht hatten, sagten Sie im Sommer, wie froh Sie wären, beim Experiment DDR dabei gewesen zu sein?

          Uff! Ich dachte, das Sommerloch ist vorbei und Barack Obama hat gewonnen. Zu diesem Satz stehe ich jedoch, bis ich sterbe. Ich kann wirklich nicht begreifen, warum sich die Leute darüber so aufregen. Dass in der DDR viel Scheiße passiert ist, muss man wohl nicht betonen, ich habe sie schließlich nicht ohne Grund verlassen. Ich war nie in der Partei, ich habe heftig mit diesem Land gehadert – und trotzdem bin ich froh, dass ich meine ersten zweiundzwanzig Jahre dort verbringen konnte. Denn ich habe unglaublich viel gelernt und wahrscheinlich an einer Utopie schnuppern können. Natürlich hatte ich Glück mit den Künstlerkreisen um das Berliner Ensemble herum, in denen ich aufgewachsen bin. Da habe ich – mit allen Schwierigkeiten – hautnah mitgekriegt, wie wichtig Kunst sein kann. Wir hatten eben kurzzeitig die Illusion, die Kunst als gesellschaftliches Gebilde könne etwas bewirken. In gewisser Weise war das für die Linken im Westen ebenso, aber die Machthaber hat das kein bisschen interessiert. Die Regierung in der DDR allerdings hat sich tatsächlich über das aufgeregt, was auf manchen Bühnen los war.

          Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie Thomas Brasch mit sechzehn Jahren nicht kennengelernt hätten und in der DDR geblieben wären?

          Brasch nicht kennengelernt zu haben, wäre die Tragödie meines Lebens gewesen. Er war meine große Liebe, mein Schicksal. Ich will gar nicht daran denken, dass ich ihm nicht begegnet wäre.

          Sie haben im Film und auf der Bühne eine Vorliebe für Komödie und die leichte Muse überhaupt. Trotzdem spielen Sie gerade die Rolle der Elisabeth I. in Schillers „Maria Stuart“ am Theater in Potsdam?

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