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Im Gespräch: Hubertus Meyer-Burckhardt : Ein stilles, genaues Porträt über einen Fernfahrer

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Aufbruch zu mehr filmischer Radikalität: Hubertus Meyer-Burckhardt Bild: Mutter, Anna

Hubertus Meyer-Burckhardt gibt die Führung der traditionsreichen Produktionsfirma Polyphon überraschend zum 1. Juni ab. Wir fragen ihn, wieso. Ihm stehe der Sinn nach radikalen Filmen, sagt er.

          Warum legen Sie den Vorsitz bei der Polyphon mit knapp 57 nieder? Geht es Ihnen wie der Schauspielerin Nadja Tiller, die ihr Leben gern mit einem Stück Wurst vergleicht? Mit dem kleineren Stück werde sie immer geiziger und verantwortlicher für das, was sie tue.

          Als Hesse habe ich jede Menge Respekt vor Wurst. Man kann es auch mit Peter Ustinov sagen: „Ab einem bestimmten Alter merkt man, dass das, was man für die Generalprobe gehalten hat, schon die Vorstellung war.“ Ich bin schon mitten in der Vorstellung. Die Pause ist auch schon vorbei. Man sieht die Landebahn.

          Wie lange waren Sie in leitenden Positionen?

          Ich bin seit 1993 in Personal- und Ergebnisverantwortung, erst bei Akzente-Film, dann bei Axel Springer, Pro Sieben Sat.1 und bei Polyphon seit 2006. So eine Karriere verlangt ihren Preis. Der kann privat sein, und es führt einen weg von Dingen, die man mag. Am liebsten mag ich, Filme zu produzieren, Bücher zu entwickeln, und ich liebe es zu schreiben. Dazu kommst du kaum, wenn du diesen Weg gehst.

          Ein Buch, „Die Kündigung“, haben Sie schon geschrieben. Wann hatten Sie denn dafür Zeit?

          Das Buch habe ich geschrieben, als ich bei Pro Sieben im Vorstand war und nachts auf Anrufe von Haim Saban aus Amerika wartete. Das Buch war ein Blitzableiter für brachliegende Kreativität. Dass es ein großes Publikum gefunden hat, freut mich.

          Was gab denn den letzten Anstoß, Ihr Leben zu ändern?

          Angetrieben haben mich die Besuche im Sterbehospiz beim Dreh zu „Blaubeerblau“. Es erinnerte mich daran, das Leben zu leben, was einem gegeben ist. Mich hat beeindruckt, dass in Sterbehospizen mehr gelächelt und gelacht wird als außerhalb der Hospize. Deswegen habe ich mir gesagt: Du wirst 57 und hast phantastische Partner in der Polyphon wie Beatrice Kramm und Christoph Bicker. Meine bisherige Mitgeschäftsführerin übernimmt den Vorsitz, und ich habe einen Exklusivdeal mit der Polyphon als Produzent über die nächsten fünf Jahre.

          Was für Filme wollen Sie machen?

          Es müsste wieder mehr unübliche Filme geben, die sich nicht so sehr am bürgerlichen Milieu orientieren, die radikale Fragen stellen. Das ist mir mit „Blaubeerblau“ vielleicht ein bisschen gelungen. Dem Independent-Kino in Amerika und Skandinavien gelingt das häufiger. Ich habe natürlich viel mehr Lust, auf dem Weg zum alten Sack ein, zwei Filme zu machen, die radikal sind.

          Gibt es konkrete Pläne fürs Radikale?

          Ich habe gerade gestern eine SMS bekommen von Oliver Hirschbiegel, mit dem ich vier Filme gemacht habe. Er sagt: Hubertus, komm rüber nach London. Es gibt keine Idee, aber mit einem Mann wie Oliver könnte ich mir vorstellen, mit deutschen Schauspielern im islamisch geprägten Leeds zu drehen oder „Trainspotting“ auf neu. Wir sollten bei aller Qualität des deutschen Fernsehens - es ist das beste Fernsehen der Welt -, achtgeben, dass wir nicht zu gemütlich werden.

          Meist wird doch das kleinste gemeinsame Vielfache ausgesucht, um hohe Quoten zu erzielen.

          Der Film „Homevideo“, den Christian Granderath beim NDR verantwortete, zeigt, dass es dafür Plätze gibt. Mir geht es so wie dem Protagonisten im großartigen „Nachtzug nach Lissabon“: Ich habe die schönen Filme immer vor Augen und kann mich zu wenig in sie vertiefen.

          Welche Filme haben Sie da vor Augen?

          Einen Film mit Wolfgang Stumph, einen Cyrano-Film mit Armin Rohde, und wir machen zum Jahresende hin einen richtigen Abschlussfilm für Ottfried Fischer in der „Pfarrer Braun“-Reihe. Ich sitze gerade auch an einem Werbefilm mit Sönke Wortmann. Ich schiebe also vier Filmprojekte vor mir her und habe große Lust. Ich will, dass auf meiner Visitenkarte nicht mehr steht „Vorsitzender der Geschäftsführung“, sondern „Produzent“. Ich bin wohl mehr Manufaktur- und kein Industriemensch.

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