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Im Gespräch: Helmut Berger : Heute Nacht habe ich toll geträumt

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„Früher war ich Freiwild, jetzt bin ich ein Hirsch”: Helmut Berger auf dem Salzburger Mönchsberg Bild: People Image

Die Rolle des Märchenkönigs in Luchino Viscontis „Ludwig II.“ machte Helmut Berger weltberühmt. Dann hangelte er sich von Skandal zu Skandal. Ein Gespräch über die Liebe, Sophia Lorens Dekolleté und seine Zeit als schönster Mann der Welt.

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          „Kennen Sie Helmut Berger?“ Auf diese Frage kann einem ratloses Schweigen begegnen, das sich erst lichtet, wenn man hinzufügt: „Ludwig II.“. Die Verkörperung des bayerischen Märchenkönigs in dem Film von Luchino Visconti machte den Österreicher berühmt, und als „Weltstar“ wird er noch immer gerne in Talk-, gelegentlich auch Kochshows geladen, in denen er mit seinem gestischen Repertoire fasziniert. Ein anhaltender Lachschlager ist auf Youtube sein Auftritt bei Harald Schmidt 1996.

          Zeitungsgespräche mit ihm gibt es seit langem nicht. Denn Helmut Berger ist ein nonverbaler Mensch, dem aber inmitten verschlafenen Gemurmels, wenn man Glück hat, Geistesblitze gelingen, für die man ihn lieben muss. Ich hatte Glück. Wir trafen uns in Salzburg, wohin er vor einigen Jahren aus seiner Wahlheimat Rom übergesiedelt ist. Da wohnt er nun bei seiner Mutter, ein altes, dickes Kind, zurückgekehrt in den Schoß, in dem er verschwinden will.

          Zum Interview in der Halle des „Sheraton“ erscheint er in Begleitung seiner „Freundin“ Romina, einer gertenschlanken Hotelmanagerin, die ihn bewacht und bewundert. Er sei heute „spitzenmäßig drauf“, raunt sie mir ermutigend zu. Ich überreiche ihm die auf ausdrücklichen Wunsch aus München mitgebrachten Weißwürste samt süßem Senf. Er bestellt Wein (harte Getränke hat ihm Romina verboten) und fragt „im Scherz“, ob ich die zehntausend Euro dabeihätte, die er für das Gespräch verlange. Dann wird es lustig.

          Anlass des Interviews ist der im Dezember abgedrehte Low-Budget-Film „Blutsfreundschaft“ des österreichischen Regisseurs und Schauspielers Peter Kern, bekannt durch seine Arbeit mit Rainer Werner Fassbinder und seine enorme Körperfülle. Berger spielt einen Homosexuellen, der als Jugendlicher im Dritten Reich seinen Geliebten denunziert und so dessen Tod verschuldet hat. Jahrzehnte später beherbergt er einen jungen Neonazi, der ihn an die alte Liebe erinnert, und trägt seine Schuld durch politische Bekehrungsversuche ab.

          Ich frage: „Was spielen Sie in Ihrem neuen Film?“ Berger: „Keine Ahnung!“ Er hat (mich abwechselnd siezend und duzend) soeben das vierte Glas Wein geleert und schlägt einen gemeinsamen Besuch der Herrentoilette vor. Ich lese ihm stattdessen aus seiner Autobiographie „Ich“ (erschienen bei Ullstein) vor. Berger sagt: „Dreck!“ Die Co-Autorin Holde Heuer, einst seine enge Vertraute, beschimpft er als „dumme Zicke“. „Dreck“ ist sein Lieblingswort. Auch Preise sind „Dreck“, ausgenommen jene, die er bekommen hat.

          1970 war er als bester Nachwuchsdarsteller in Luchino Viscontis „Die Verdammten“ für den Golden Globe nominiert. Auf der Berlinale 2007 erhielt er den schwul-lesbischen „Teddy Award“ für sein Lebenswerk. Mit Liz Taylor hat er gefilmt, mit Dirk Bogarde, Burt Lancaster, Robert de Niro, unter Joseph Losey und Coppola („Der Pate III“) und und und. Sein Nimbus ist ungebrochen. Die Erinnerung an bessere Zeiten schützt ihn vor der Erkenntnis, dass er gestrandet ist. „Verrücktheiten“, sage ich, Visconti zitierend, „wirken nur, solange man jung und schön ist.“ Helmut Berger verdreht die Augen. „Alles Dreck!“

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