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Im Gespräch: Günther Jauch : Wir haben den Kandidaten ganz schön zugesetzt

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Das Konzept hat ihn nicht losgelassen: Günther Jauch im alten Plenarsaal Bild: Stefan Menne

Drei Juroren hat das ZDF für die Sendung „Ich kann Kanzler!“ bestellt: Die Komödiantin Anke Engelke, den einstigen Bremer Bürgermeister Henning Scherf und Günther Jauch. Von dem Moderator wollen wir wissen, warum er dabei mitmacht.

          Drei Juroren hat das ZDF für die Sendung „Ich kann Kanzler!“ (Siehe auch Die Jugend von heute: die Castingshow „Ich kann Kanzler“) bestellt: Die Komödiantin Anke Engelke, den einstigen Bremer Bürgermeister Henning Scherf und Günther Jauch. Von dem Moderator wollen wir wissen, warum er dabei mitmacht.

          Was unterscheidet die Sendung „Ich kann Kanzler!“ von „Deutschland sucht den Superstar“ oder von Heidi Klums Modelparade?

          Die Inhalte. Uns kommt es nicht auf Schönheit an und auch nicht auf tänzerische Begabung. Wir haben uns vielmehr die Frage gestellt: Gibt es einen begabten politischen Nachwuchs und wenn ja: Wo versteckt er sich? In den Parteien ist er ja eher selten zu sehen, dort regiert eindeutig die „Silver Generation“. Ich habe mir die Gesichter beim SPD-Parteitag angesehen – da führt die Generation 50 plus das Zepter, und zwar bis runter in den Ortsverein.

          Die politischen Leidenschaften werden vom Parteiwesen blockiert, meint Jury-Vorstand Günther Jauch

          Warum machen Sie in der Jury mit?

          Ich wollte die Rechte an diesem Format, das aus Kanada stammt, selbst vor zwei Jahren kaufen. Da hieß es, dass ein anderer deutscher Sender schneller war. Vor einem knappen Jahr hat mich Nikolaus Brender, der Chefredakteur des ZDF, angerufen und gesagt: Wir haben da ein interessantes Format. Als ich hörte, welches es war, mussten wir beide lachen. Brender fragte mich, ob ich denn nicht Lust hätte, die Sendung zu produzieren. Meine Antwort war: Wenn sich der Kreis so schließt, freue ich mich natürlich. Ich hatte auch Lust mitzuwirken, und Nikolaus Brender fragte mich, ob ich nicht als Juror mit dabei sein wollte. Über den Umweg ZDF ist „Ich kann Kanzler!“ gewissermaßen also doch wieder bei mir gelandet.

          Aber was interessiert Sie inhaltlich an der Geschichte?

          Es hat mich begeistert, dass man einmal versucht, eine politische Begabung bei jungen Leuten mit einem Wettbewerb zu verbinden. Die Kandidaten müssen vor ihre Wähler im Studiopublikum und vor dem Fernseher treten und im Grunde Wahlkampf für sich selbst machen. Ich wollte auch wissen, ob es diese absolute Politikverdrossenheit wirklich gibt. Wo sind denn die jungen politischen Talente? Wie ticken die? Wie sortieren sie sich innerhalb des Parteienspektrums? Sind sie politisch interessiert, wollen aber mit Parteien gar nichts zu tun haben? Welche Ideen habe sie? Ist es nur nachgebetete Ideologie, oder sind es eigene Entwürfe?

          Und was kam dabei heraus?

          Viel, allein zahlenmäßig: Rund 2600 Bewerbungen sind eingegangen, davon mehr als 2000, die man ernst nehmen muss. Mein Eindruck ist, dass da wirklich ein Potential schlummert. Nach solchen Leuten müssten sich die Parteien die Finger lecken. SPD und CDU verlieren jeden Monat zusammen über 1000 Mitglieder, aber das kümmert die Hierarchen anscheinend wenig. Warum? Weil die Zahl der Mandate und anderen bezahlten Posten ja gleich bleibt. Die können sie dann weiter unter sich aufteilen. Aber diese jungen Leute sind trotzdem leistungsbereit, interessiert und besonders leidenschaftlich. Natürlich wird sich manches abschleifen, vieles ist noch etwas unausgegoren oder hat mit der politischen Realität wenig zu tun. Und ich gebe zu: Ein paar angepasste Langweiler waren auch dabei. Aber schon Erhard Eppler wusste: Die Willy Brandts wachsen nicht auf den Bäumen.

          Von Politikverdrossenheit keine Spur?

          Da müssen wir vorsichtig sein. Wir hatten es natürlich mit 2000 Hochmotivierten zu tun. Aber das ist doch schon eine Zahl. Und von den vierzig, die ich bei der Vorauswahl im alten Bundestag in Bonn gesprochen habe, aber auch von den anderen sollten wir nicht wenige früher oder später in politischen Funktionen wiedersehen. Davon bin ich fest überzeugt. Allerdings ist auch interessant: Nicht wenige interessieren sich für Politik, möchten aber mit keiner Partei etwas zu tun haben. Da fragt man sich: Kann es irgendwann bei uns gute Politiker geben, die außerhalb einer Partei überregional erfolgreich sind ? Könnte Germanys next Merkel irgendwann mal parteilos sein? Ich fürchte, nein.

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