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Im Gespräch: Degeto-Chefin Christine Strobl : „Jetzt beginnen wir die Frischekur“

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Strobl: „Die Degeto braucht eine eindeutige Struktur, um ihre vielen Aufgaben vernünftig wahrnehmen zu können“ Bild: Schmitt, Felix

Im Juli 2012 hat sie die Geschäftsführung der ARD-Filmproduktionstochter Degeto übernommen. Jetzt versucht Christine Strobl, die Firma und deren Mitarbeiter in gedeihlichere Gefilde zu steuern.

          Als Sie vor ziemlich genau einem Jahr bei der Degeto angefangen haben, kamen Sie sozusagen als Feuerwehrfrau. Ihr Vorgänger hatte den Planungsrahmen auf Jahre hinaus überzogen. Brennt es bei der Degeto eigentlich immer noch?

          Das ist eine interessante Einschätzung (lacht). Es brennt nicht mehr, aber die Aufräumarbeiten sind noch bei weitem nicht abgeschlossen.

          Können Sie denn inzwischen wieder schalten und walten - als Chefin der wichtigsten Produktionsstelle der ARD für Filme und Serien - und sich mit dem Programm beschäftigen?

          Wir sind noch nicht bei hundert Prozent des Auftragsvolumens, das wir stemmen müssen, aber wir nähern uns an und beauftragen fast wieder so viele neue Produktionen wie in einem normalen Jahr. Ich denke, dass wir 2014 wieder bei annähernd hundert Prozent liegen. Die programmliche Gestaltungsfreiheit ist jetzt zum ersten Mal klar definiert. Mit den Verantwortlichen in der ARD haben wir genau verabredet, für welche Sendeplätze welche Filme in welcher Stückzahl wir pro Jahr abliefern dürfen.

          Über wie viele Filme und welches Produktionsvolumen sprechen wir eigentlich? Es hieß ja, unter Ihrem Vorgänger sei der Etat aufgrund zu vieler Aufträge, die angenommen wurden, bis 2014 komplett weg.

          Das ist nicht so. Wir haben unseren Programmvorrat sortiert und den Sendeplätzen zugeordnet. Bei einigen Sendeplätzen haben wir nach wie vor eine „Überversorgung“, und bei anderen produzieren und entwickeln wir neu und suchen Stoffe. Das habe ich in mehr als hundert Einzelgesprächen mit Produzenten und Kreativen auch kundgetan, so dass die wissen, was wir in den nächsten zwei, drei Jahren planen.

          Und der Etat war...?

          Das Umsatzvolumen der Degeto beträgt ungefähr vierhundert Millionen Euro pro Jahr. Das finanzielle Volumen, über das wir redaktionell entscheiden können, sei es durch Produktionsvergabe oder Filmeinkauf, beläuft sich auf ungefähr 165 Millionen Euro jährlich. Für die restliche Summe administrieren wir und übernehmen die Vertragsgestaltung als Dienstleistung für die ARD.

          Was sagen Sie den Produzenten und Kreativen denn, was die Degeto künftig für Filme und Serien haben will?

          Wir reden über sehr unterschiedliche Dinge. Für das „Sommerkino“ zum Beispiel, das Sie jetzt gerade im Programm sehen, wollen wir vermehrt in deutsche Koproduktionen einsteigen. Das heißt, ich bespreche mit den Kinoproduzenten, welche Filme in diese Reihe passen könnten. Daneben gibt es Kinofilme wie zum Beispiel „Der Medicus“, der im Herbst in die Kinos kommt. Das ist eine große, internationale Koproduktion mit Ben Kingsley und Tom Paine in den Hauptrollen, Regie führt Philipp Stölzl. Ein Film mit einer Geschichte für die ganze Familie, der bei uns im Ersten sehr gut an einem Samstagabend laufen kann. Die Fernsehfilme für den Sendeplatz am Freitag um 20.15 Uhr möchten wir verändern und auffrischen. In diesem Punkt spreche ich mit den Autoren und Produzenten über neue Stoffvorschläge. Mir kommt es darauf an, mit dem Film am Freitag dem Bedürfnis der Zuschauer nach Unterhaltung Rechnung zu tragen, dieses aber mit einer bestimmten Qualität zu verbinden und uns um Themen zu bemühen, die zwischen Menschen eine Rolle spielen. Wir haben in der Vergangenheit vieles gemacht, aber es waren nicht alle Filme so, wie ich sie in Zukunft gern hätte. In den Gesprächen mit den Produzenten, vor allem denen, die noch nicht für die Degeto gearbeitet haben, stelle ich fest, dass da eine ganz schöne Aufbruchstimmung herrscht und mir Stoffe angeboten werden, über die ich mich einfach freue.

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