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Im Gespräch: Christoph Maria Herbst : Den Finger in die Wunde und Salz rein

  • Aktualisiert am

Er ist wieder da: Christoph Maria Herbst als Versicherungsvertreter Bernd Stromberg Bild: obs

Morgen beginnt die neue „Stromberg“-Staffel. Darsteller Christoph Maria Herbst gewinnt dem Menschenfeind und Macho Bernd Stromberg im Interview auch gute Seiten ab.

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          Herr Herbst, in der real existierenden Versicherungswelt fliegen Makler nach Budapest und feiern mit Prostituierten im Gellért-Bad eine wilde Sexsause. Kann so etwas in der Fiktion noch gesteigert werden?

          (Lacht.) Ich hätte niemals gedacht, dass die Realität mehr Realsatire ist als das, was wir mit Stromberg machen. Manchmal läuft die Realität zu unfassbaren kabarettistischen Höhen auf. Das hätten wir uns fiktional niemals getraut, Stromberg auf diese Weise zu erzählen, von wegen Betriebsausflug in irgendeinen Puff. Selbst wenn unsere Autoren auf so eine abwegige Idee gekommen wären, hätte uns spätestens die Redaktion das Drehbuch um die Ohren gehauen.

          Stromberg spielt mit der Dokumentation eines real existierenden Versicherungsbetriebs...

          ...ganz genau! Wobei mir die visionäre Kraft unserer Autoren schon unheimlich ist, wenn sich wie ein roter Faden die Krankheit Burn-out durch die fünfte Staffel zieht. Das Thema ist nun brandaktuell, aber die Drehbücher sind ja schon Monate vorher geschrieben worden.

          Bevor Ralf Rangnick seinen Trainerposten bei Schalke 04 aufgegeben hat.

          Beispielsweise. Und noch bevor die wichtigen Magazine Burn-out auf die Titelblätter gehievt haben.

          Wie sieht’s mit griechischen Staatsanleihen im Portfolio der Capitol-Versicherung aus?

          Um Gottes willen! Wenn der Autor Ralf Husmann das auch noch ins Drehbuch geschrieben hätte, also bevor die Welt merkt, wie sehr Griechenland wankt, dann wäre das Orakel von Delphi ein Scheißdreck im Vergleich. Aber wir trauen uns in der fünften Staffel an ein anderes ganz heißes Eisen, und zwar an unsere muslimischen Mitbürger, gleich in Folge eins. Damit haben wir dann sämtliche Minoritäten durch.

          Bei so viel Gesellschaftskritik könnte Stromberg doch in der ARD laufen.

          Wir legen mit Stromberg schon immer mal wieder den Finger in die Wunde und streuen auch noch Salz rein. Nur in der ARD, glaube ich, wäre diese Art des Erzählens nicht einfach so durchgewunken worden. Die hätten wahrscheinlich erst mal eine Intendantenkonferenz einberufen, und bis da etwas herausgekommen wäre, wäre ich nicht mehr in dem Alter, um Stromberg spielen zu können. Unterstelle ich jetzt einfach. Nee, dann sehe ich Stromberg eher im ZDF.

          Im Rentnerfernsehen?

          Ja klar, aber was im ZDF gerade abgeht, das ist schon der Hammer! Da laufen mittlerweile sehr intelligent gemachte Comedy-Formate, in denen der eigene Sender eine Breitseite nach der anderen kriegt. Wenn ich zum Beispiel die „heute-show“ mit Oliver Welke sehe oder „Neues aus der Anstalt“ mit Urban Priol und Erwin Pelzig, dann frage ich mich: Was ist denn da auf dem Lerchenberg passiert? Also wenn überhaupt, könnte ich mir Stromberg im ZDF vorstellen, denn die trauen sich eine ganze Menge. Das ist eigentlich auch kein Kukidentfernsehen mehr, sondern ein Programm, das ich gern einschalte.

          Ist das gerade Ihre Bewerbungsrede?

          Nein, ich bin ja zufrieden mit Pro Sieben. Stromberg abzuwerben wäre theoretisch möglich, denn die Rechte liegen bei Brainpool. Aber selbst wenn ein lukratives Angebot käme, wir würden alle miteinander nicht wechseln.

          Stromberg hat eine treue Fangemeinde, aber die Einschaltquoten waren anfangs nicht so überragend. Was hat Pro Sieben heute an Stromberg?

          Neben den guten Quoten der letzten, vierten Staffel mit bis zu 17 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe auf jeden Fall einen Imagegewinn. Zugegeben, der lässt sich nicht quantifizieren. Bei Stromberg sind aber auch die Werbeinseln sofort ausgebucht. Die werbende Wirtschaft, und das ist das wichtigste Segment bei privaten Sendern, mag Stromberg.

          Stromberg selbst ist zum Werbeträger geworden.

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