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Im Gespräch: Christian Ulmen aka Uwe Wöllner : In Uwe hat die Aufklärung ihr Ende

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Schorch: Das ist doch legitim.

Wöllner: Schreiben Sie die Wörter alle auf, die Sie gerade gesagt haben, mit Homo und so? Wer soll denn das lesen?

Wir wollen nur wissen, ob Herr Schorch Sie ausnutzt. Ob Sie nicht manchmal Dinge tun müssen, die Sie nicht tun wollen.

Wöllner: Also, Herr Schorch hat ganz oft, wenn richtig geile Frauen unterwegs waren auf der Straße, wo ich gesagt hab’, da trau’ ich mich jetzt nicht, die anzusprechen, hat Herr Schorch manchmal sogar mich so genommen, hinten, und so angefasst. Also reingezwickt hinten, und dann gesagt, so, „geh mal zu der Eule hin“.

Finden Sie, dass er ein Freund ist?

Wöllner: Ja schon. Wir sind schon Freunde geworden. Die ganze Zeit auch, ne. Mein Vater hat das früher auch oft gemacht, also ich konnte halt lange nicht schwimmen, und mein Vater hat mich auch einfach ins Wasser geschmissen. Und dann konnte ich schwimmen. Und Herr Schorch, der erinnert mich ein bisschen an meinen Vater. Herr Schorch hat mich quasi auch vor die Frauen geschubst.

Sie verstärken das ja auch noch, Herr Schorch. Sie gehen am Schluss mit ihm in ein Bordell. Und er will gar nicht.

Wöllner: Ich wollte nicht gefilmt werden.

Schorch: Doch er wollte schon.

Wöllner: Nee, gefilmt werden wollte ich erst nicht. Das ist jetzt fies, Herr Schorch, das jetzt zu sagen. Sie haben gesagt, dass Sie mir das ausgeben würden, mal so ein Besuch da. Aber dass ich gefilmt werden wollte, das habe ich immer gesagt, das fand ich richtig fies. Das wollte ich nicht.

Uwes Handy klingelt.

Wöllner: Das ist mein Wecker.

Schorch: Hast du die Tabletten dabei?

Was für Tabletten?

Wöllner: Na ja, Herr Schorch hat gesagt, weil wir das Interview machen mit der Zeitung, und dann hat er mir ein paar Tabletten gegeben, vorher.

Sie haben ihm Tabletten gegeben? Was haben Sie ihm denn gegeben?

Schorch: Im Grunde genommen harmlose Beta-Blocker. Uwe darf an den Vorzügen eines selbstbestimmten Lebens partizipieren.

Aber selbstbestimmt ist das ja nicht, wenn Sie so jemandem Tabletten geben . . .

Schorch: Es ist ja auch nicht selbstbestimmt, dieses Interview zu machen. Das ist ja auch Teil des Medienspiels. Uwe ist da schon darauf angewiesen, dass ich ihm helfe. Und wenn das durch eine Medikation möglich ist, sehe ich eigentlich keine Schwierigkeit, ihm da zu helfen, wie jeder andere Arzt auch.

Sind Sie eigentlich manchmal selbstkritisch? Und fragen sich, bin ich eigentlich so weit von Uwe entfernt?

Schorch: Das frage ich mich. Und ich stelle fest, ich bin nicht weit entfernt. Ehrlich gesagt: Ich fühle mich manchmal als arme Sau. Wenn ich sehe, wie Uwe manchmal fertig ist und unter mir leidet, dann denke ich, na ja, du bist ja auch eine arme Wurst. Ich leide genauso. Wenn Sie sich in meine Lage versetzten, was Fernsehsender von mir verlangen, was der Zuschauer, durch sein Verhalten, von mir verlangt. Ich habe mir ja auch nicht, als ich 14 war, vorgestellt, ich werde mal Sendungen machen über sozial schwer geschädigte Personen. Das war ja auch nicht mein Lebenstraum.

Wöllner: Machst du ja auch nicht . . .

Schorch: Aber im Laufe meines Berufes habe ich gemerkt, dass die Anforderungen, die der Zuschauer an mich stellt, die auch die Fernsehanstalt an mich stellt, im Grunde genauso hart und unmenschlich sind wie die Anforderungen, die die Welt an Uwe stellt.

Wöllner: Also . . . ich find’s fies, dass Sie so auf Herrn Schorch herumhacken.

Schorch: Das ist das Feuilleton, Uwe, das habe ich dir vorher gesagt. Du musst das Feuilleton als Mutter verstehen. Und die Mutter denkt immer, was will der böse Redakteur von meinem lieben Uwe.

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