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Im Gespräch: Christian Ulmen aka Uwe Wöllner : In Uwe hat die Aufklärung ihr Ende

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Aber einen Job haben Sie immer noch nicht.

Schorch: Wir haben im Laufe der Dreharbeiten gemerkt, dass Uwes eigentliches Talent im Agieren vor der Kamera liegt. Und ich bin stolz, dass ich hier jemanden gefunden habe, der funktioniert. Und ich denke auch, dass es mehr als legitim ist, solche Leute in die Öffentlichkeit, na ja zu schubsen wäre jetzt übertrieben, ihnen eine Möglichkeit zu geben.

Aber er wird nach diesen Filmen keinen Job mehr bekommen.

Wöllner: Wieso das denn nicht?

Schorch: Im Gegenteil . . .

Was ist denn sein Beruf? Wie würden Sie das nennen?

Schorch: Er ist eine Medienpersönlichkeit.

Wie Paris Hilton?

Schorch: Ja, eine Celebrity.

Das ist aber doch ein bisschen gefährlich. Medienpersönlichkeiten können ja auch sehr schnell wieder abgebaut werden. Er müsste also in sehr kurzer Zeit sehr viel Geld verdienen.

Schorch: Aber auch diesen Abbau kann man profitabel gestalten. Und Uwe bekommt ja von dem Geld, das wir einnehmen, immer was.

Wie viel bekommt er denn?

Schorch: Er bekommt reichlich.

Wöllner (zweifelnd): Ja, hmm, reichlich?

Schorch: Uwe, bitte, du musst mal gucken, wo du herkommst.

Wöllner: 70 Euro.

70 Euro? Pro Monat? Oder pro Sendung?

Wöllner: Pro Woche.

Wenn Sie jetzt zum Beispiel einen Werbeauftrag bekämen, müssten Sie dann mit Herrn Schorch darüber reden?

Schorch (flüsternd zu Uwe): Du musst nicht jede Frage beantworten.

Wöllner: Aber dazu sind wir doch hier. Sonst denken die, ich weiß die Antwort nicht.

Schorch: Du weißt sie ja auch nicht.

Wöllner: Ich weiß die Antwort nicht. Ich würd’ ihn schon um Rat fragen, den Herrn Schorch.

Bringen Sie sich auch in die Planung ein, Uwe? Nehmen wir mal an, jetzt kommt Günther Jauch zu Ihnen oder . . .

Wöllner: Jörg Pilawa – den find’ ich cool! Der ist der Beste, find’ ich. Der sieht abgefahren aus, find’ ich, wie ein langer Lurch. Und der macht die besten Gags im Fernsehen.

Also, Jörg Pilawa kommt und sagt: Hör zu Uwe, ich habe dich im Internet gesehen, wir arbeiten jetzt zusammen. Das würden Sie machen?

Wöllner: Klar, Jörg Pilawa! Würd’ ich sofort machen. Mit Jörg Pilawa sollte jeder mal gearbeitet haben im Leben.

Das geht auch vertraglich sicherlich?

Schorch: Das geht vertraglich selbstverständlich nicht. Dieses Medienleben bietet, das weiß der Uwe vielleicht nicht . . .

Wöllner: Das ist doch meine freie Entscheidung!

Schorch: Ganz kurz mal: Das Medienleben bietet unsichtbare Abgründe. Das macht es so schwierig für Leute, die in der Öffentlichkeit stehen. Das wäre eine Überschreitung unseres Verhältnisses. Das wäre einfach unfair.

Aber Herr Schorch, man könnte ja auch sagen, Sie haben sich da eine ein bisschen debile Figur gesucht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Sonst kommt dabei ja gar nichts raus, das ist ja eher Unterhaltung.

Schorch: Ja, natürlich ist es Unterhaltung.

Unterhaltung über das Verhalten von Herrn Wöllner, der wahrscheinlich gar nicht richtig kapiert, was dahintersteckt.

Schorch: Ja, aber, na und? Ich meine, da werden Granaten-Lacher produziert, mit sehr viel persönlichem Engagement von allen Beteiligten, das ist doch prima. Natürlich haben wir hier jemanden, über den man ganz leicht lachen kann. Aber nicht jeder, über den man leicht lachen kann, der stellt sich auch zur Verfügung, wirklich solche Lacher in Serie zu produzieren. Und darum bemühen wir uns.

Aber was soll denn das noch an Aufklärung bringen?

Schorch: Vielleicht hat ja die Aufklärung in Herrn Wöllner ihr Ende und ihr Ziel gefunden. Vielleicht ist das der Mensch, der die Welt nur noch vollkommen auf sich bezogen wahrnimmt. Uwe Wöllner ist eigentlich unser Homo ludens, den wir im Fernsehen betrachten dürfen, wenn uns nach anderem ist, und den wir abschalten können, wenn er zu laut ist.

Und Sie wären dann der Homo oeconomicus, der damit seinen Profit macht?

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