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Im Gespräch: ARD-Programmdirektor Volker Herres : Wir sind nicht Avantgarde, sondern Vollprogramm

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Herausgefordert vom demographischen Wandel: ARD-Programmdirektor Volker Herres Bild: dapd

Braucht die ARD einen eigenen Jugendkanal? Manche Politiker meinen das. Im Senderverbund ist man anderer Ansicht. Doch was wird für das jüngere Publikum denn eigentlich geboten? Ein Gespräch mit ARD-Programmdirektor Volker Herres.

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          Die ARD und die jungen Zuschauer - das ist ein schönes Thema, beziehungsweise ein kontroverses, sie haben gerade mit ihren Aufsichtsgremien darüber debattiert. Von vielen Seiten wird Ihnen vorgeworfen, Sie kümmerten sich - zum Beispiel im Ersten Programm - nicht genug um die Jüngeren.

          Herres: Wir kümmern uns: Die „Tagesschau“ erreichte 2010 durchschnittlich 1,87 Millionen junge Zuschauer und damit mehr als „RTL-aktuell“, die Reichweite des „Tatorts“ bei den Vierzehn- bis Neunundvierzigjährigen ist höher als bei „CSI Miami“, einer Krimireihe, die speziell für das junge Publikum produziert wird. Wir haben den „Eurovision Song Contest“ mit bekanntem Erfolg erneuert und wir punkten mit der „Sportschau“ und Live-Übertragungen regelmäßig in der Zielgruppe. Täglich schalten durchschnittlich 9,1 Millionen vierzehn- bis neunundvierzigjährige Zuschauer das Erste ein. Es gelingt dem Ersten also durchaus, das junge Publikum anzusprechen, aber es gelingt nicht immer und überall.

          Auf der Pressekonferenz, die Sie und die ARD-Vorsitzende Monika Piel kürzlich gegeben haben, klang es fast so, als hätten Sie Ihre Bemühungen schon eingestellt: Mit punktuellen Programmen punktet man nicht, für einen ganzen Jugendkanal haben wir nicht die Kapazitäten.

          Wir haben unsere Bemühungen keineswegs eingestellt. Klar ist, dass unser Auftrag lautet, Programm für alle zu machen und diesen Auftrag nehmen wir sehr ernst. Klar ist aber auch, dass es ein schwieriger Spagat ist, zum einen die älteren Zuschauer zu halten und zugleich die jüngeren Zuschauer zu gewinnen. Zumal junges Publikum mehr und mehr Angebote zur zeitsouveränen Nutzung erwartet. Das macht es für ein lineares Fernsehprogramm schwierig. Einfache Lösungen gibt es nicht, deswegen hat sich die ARD für eine Vielzahl von Ansätzen entschieden.

          Irgendwann werden auch einmal die Lena Meyer-Landrut-Festspiele zu Ende gehen. Was fällt der ARD für die Zukunft ein?
          Irgendwann werden auch einmal die Lena Meyer-Landrut-Festspiele zu Ende gehen. Was fällt der ARD für die Zukunft ein? : Bild: dpa

          Die ARD-Vorsitzende setzt auf „tri-mediale Angebote“, will also das Internet weiter aufpeppen, mit Videos, Radiobeiträgen und der Mediathek. Das gibt es doch schon alles.

          Und wird auch angenommen. Um junges Publikum zu erreichen, setzt die ARD auf vielfältige Maßnahmen. In der Diskussion wird häufig übersehen, dass die ARD nicht nur aus dem Ersten besteht. Da sind unsere Dritten, da sind die jungen Hörfunkwellen, mit denen wir viele junge Menschen erreichen, Tag für Tag mehr als fünf Millionen. Die öffentlich-rechtlichen Sender bleiben nicht stehen, sondern entwickeln sich weiter. So hat zum Beispiel der SWR Geld bereitgestellt und ein „Entwicklungslabor“ für junges Fernsehen eingerichtet, das sich an die Vierzehn- bis Neunundzwanzigjährigen richtet. Experimentier- und Ausspielfläche ist dabei der Digitalkanal Eins Plus. Hier spielt das multimediale Programm „Das Ding“ im SWR eine zentrale Rolle. Eins Plus und „Das Ding“ dienen als multimediale Teststrecke für junge Formate des SWR in Hörfunk, Fernsehen und Online. Und für den WDR will die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Piel Sondermittel bereitstellen, mit denen Programm-Experimente für die Entwicklung neuer, junger tri-medialer Formate finanziert werden können.

          Aus der Politik kommt die Forderung, die ARD brauche einen Jugendkanal. Das meinen die Grünen und in diese Richtung gehen Überlegungen bei der SPD. Das müsste doch eigentlich verlockend klingen, denn für einen neuen Kanal könnte man dann auch mehr Gebühren fordern. Also: Warum nicht?

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