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„Friesland“-Krimi im ZDF : Wenn der Mann mit der Maske kommt

  • -Aktualisiert am

Wachsam auf der Wache: Die Beamten Süher Özlügül (Sophie Dal) und Henk Cassens (Maxim Mehmet). Bild: ZDF und Willi Weber

Die „Friesland“-Serie des ZDF soll Krimi und Komödie sein. Im Fall des „Blauen Jan“ wird dafür ein alter Brauch herangezogen. Das führt leider zu einem zwiespältigen Ergebnis.

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          Die Idee, sein Gesicht bei einem Verbrechen hinter einer Maske zu verbergen, schützt keineswegs vor Entdeckung. Die Verschwörer trugen welche, als sie den schwedischen König Gustav III. 1792 im Stockholmer Opernhaus umbrachten. Wenige Wochen später wurde der Täter geköpft. Der Serienmörder John Wayne Gacy verkleidete sich als „Pogo der Clown“ – und wurde gefasst. Und auch im Fernsehen werden Täter in Kostümierung durchschaut, denken wir etwa an einen der ersten Stuttgarter „Tatorte“, „Bienzle und das Narrenspiel“, in dem ein als „Narrenhäs“ Verkleideter bei der Ravensburger Fastnacht zustach.

          Die Gestalt, die im „Friesland“-Krimi des ZDF ins Rathaus von Leer eindringt, um bei der Gleichstellungsbeauftragten ohne Termin vorstellig zu werden, trägt ein zotteliges Federkostüm mit Harpune. Das halten an diesem Tag auch andere so. Im Film heißt der zugehörige Brauch „Der blaue Jan“. Den kennt man eigentlich von der Nordseeinsel Borkum, wo im Dezember der „Klaasohm“ sein Unwesen treibt und (was Walfängern eben in den Sinn kommt, wenn sie lange auf See waren) den Frauen einen bösen Klaps auf den Po gibt.

          Dieser „blaue Jan“ jedoch sticht zu und türmt. Aber er verliert eine Feder, ein erster Ansatzpunkt für die Ermittler. Sie stellen fest: Die Tote war für ein Verbot des frauenfeindlichen Treibens eingetreten.

          Der Polizist Henk Cassens – eine neu in die Reihe eingeführte Figur, die durch den Ausstieg des Schauspielers Florian Lukas notwendig wurde –; ist ein herzensguter Junge aus der Region. Er kehrt nach Jahren in der Großstadt in die Heimat zurück und muss sofort im eigenen Umfeld ermitteln. Er war am Tag des Mordes einer der vier „blauen Jans“, die von den Brauchtumswächtern durch Leer geschickt wurden, einer für jede Himmelsrichtung. In seiner Begeisterung wurde Henk Cassens nur von Elke Heseding (Franziska Weisz) vom Stadtmarketing übertroffen, die den „blauen Jan“ als „Action-Family-Event“ entdeckt hat. Wir erinnern uns: Leer ist die Stadt der Marketingfüchse. Erst unlängst ließ die Werbegemeinschaft 22000 Weihnachtsmarkttassen ohne „K“ drucken – ein Riesenerfolg.

          Die Suche nach dem Mörder führt Cassens (Maxim Mehmet), Kollegin Süher Özlügül (Sophie Dal), Kriminalkommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler) und die Apothekerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg) allerdings schnell aus den Brauchtumskreisen heraus. Ein Kostüm kann sich jeder überstreifen. Und die Tote war mit einem Fahrlehrer verheiratet, der irgendwo im flachen Norden unentwegt Anfahren am Berg übt. Sie besaß Ländereien, durch die sich „Kuhschiet in Gold“ verwandeln ließ.

          Für eine entspannte Krimikomödie ist das kein schlechtes Grundmuster. Aber dem „Friesland“-Krimi „Der blaue Jan“, zu dem „Wilsberg“-Erfinder Jürgen Kehrer und Sandra Lüpkes das Drehbuch verfassten (Regie: Marc Rensing), fehlt es an vielem, was lockere Komödien, und leider auch an vielem, was Knobelkrimis ausmacht. Die neblig kalte Brauchtums-Atmosphäre vom Anfang verpufft schnell, schon allein, weil danach nur noch bei bestem Wetter gefilmt wurde. Kommissar Brockhorst nervt mit seinem unsympathischen Gehabe vom ersten Auftritt an. Erheiternd gedachte Szenen wirken wie B-Ware aus dem Münsteraner „Tatort“-Archiv. Und im Gegensatz zu dem Neuling Maxim Mehmet vermitteln gleich mehrere Schauspieler den Eindruck, sie seien eben erst hektisch aufs Set bugsiert worden. Das zieht nicht, obwohl die Reihe bestimmt auch an diesem Samstag wieder mehr als sechs Millionen Zuschauer finden wird, wie die vorangegangenen fünf Folgen auch.

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