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Frühkritik: „Koran erklärt“ : Die Sure der Woche

  • -Aktualisiert am

Ein Buch, das spaltet: der Koran Bild: dpa

Über den Koran reden viele, wenige kennen ihn. Im Deutschlandfunk wird jetzt von Fachleuten wöchentlich eine Sure erklärt. Um 9:55 Uhr geht es los.

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          Die Frage nach dem „Kampf der Kulturen“ und dem Platz des Islams in der deutschen Geschichte steht laut dem Historiker Andreas Wirsching für eine „tiefe Verunsicherung“ Europas: „Spätestens wenn die symbolische Besetzung öffentlicher Räume zur Debatte steht, keimen Konflikte mit christlich-islamischer Grundierung auf.“ Ein solcher Raum ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Dass in diesen Raum beim Deutschlandfunk die neue Reihe „Koran erklärt“ quasi lautlos gedrungen ist, erscheint bemerkenswert.

          Seit letzter Woche ist dort freitags um 9.55 Uhr ein Koran-Vers zu hören, der von einem Wissenschaftler erläutert wird. Die ersten Überlegungen dazu hatte der Intendant Willi Steul schon vor zwei Jahren. Das Attentat auf „Charlie Hebdo“ und auf den jüdischen Supermarkt in Paris im Januar veranlassten ihn, jetzt mit „Koran erklärt“ zu starten. Seine Motivation: „Die wenigsten haben je eine Zeile im Koran gelesen.“

          Es geht nicht um Verkündigung

          Vier Minuten Sendezeit für den Islam ohne Proteste. Als SWR und ZDF vor neun Jahren ein „Islamisches Wort“ und ein „Forum am Freitag“ ankündigten, war es anders. Vor allem Unionspolitiker sahen das kritisch. Auch intern gab es Kritik, etwa vom damaligen Deutschlandradio-Intendanten Ernst Elitz: „Wer die wöchentliche islamische Predigt will, läuft angesichts der Zersplitterung dieses Bekenntnisses Gefahr, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk als oberste Glaubensbehörde die Predigtberechtigten auswählen und vor der Ausstrahlung ständig zwischen Religion und Indoktrination unterscheiden muss.“

          Sein Nachfolger Steul will dem nicht widersprechen - und doch anders handeln. Von „Zersplitterung“ des Islams ist nicht mehr die Rede, sondern von „Kernaussagen, die von der großen Mehrheit weitgehend übereinstimmend anerkannt werden“. „Da eine Debatte über den Koran mittlerweile Talkshow- und sogar Stammtisch-Thema geworden ist, kann Deutschlandradio mit ,Koran erklärt‘ als einem journalistischen Projekt seinen adäquaten Beitrag zu einer Vermittlung von Kenntnissen leisten“, sagte Steul im Gespräch mit dieser Zeitung. Der entscheidende Unterschied: Hier geht es um eine redaktionelle Sendung, die den Koran erklärt, und nicht um eine Verkündigungssendung, in der Muslime Glaubenszeugnisse ablegen.

          Den Anfang mit „Koran erklärt“ machte Ömer Özsoy, Professor für Koranexegese an der Frankfurter Goethe-Universität. Er erklärte den Zusammenhang von Koran mit christlichem Evangelium und jüdischer Tora. Das war schon etwas sehr wissenschaftlich. Der Koran-Vers wird in deutscher Sprache zitiert, auf die Basmala, die Formel zu Gebets- und Surenbeginn, wird verzichtet. Özsoy gehört mit Milad Karimi (Universität Münster) und Tuba Isik (Universität Paderborn) zu den muslimischen Wissenschaftlern, die mit Nichtmuslimen wie dem Islamwissenschaftler Stefan Wild (Bonn) auf Sendung gehen.

          Die Beteiligung von Muslimen war dem Deutschlandfunk wichtig: „Damit der Vorwurf nicht erhoben werden kann, dass wieder einmal nur Nichtmuslime über Dinge reden, die den Kern des Islams betreffen“, so Steul. Die Sendung wird von einem Redakteur betreut, der Islamwissenschaftler ist, und vom Kulturchef abgenommen. Die nahezu geräuschlose Einführung von „Koran erklärt“ zeigt: Integration von Muslimen hängt, anders als oft kolportiert wird, nicht allein vom Körperschaftsstatus ab, der Religionen Sendezeit im Rundfunk verschafft. Hier ist der politische Wille entscheidend.

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